8 Mai 2008

Gabriel und Seehofer demonstrieren Einigkeit bei Bioenergie

"Lebensmittel und Energiepflanzen kein Widerspruch"

Der Anbau von Lebensmitteln und Energiepflanzen bedeutet keinen Widerspruch. Aber nur mit nachhaltiger Landwirtschaft kriegt man Welternährung und Klimaschutz auf einen Nenner, sind sich der Bundeslandwirtschaftsminister und der Bundesumweltminister einig.

Für die weltweit explodierenden Lebensmittelpreise ist der Biokraftstoff jedenfalls nach der Überzeugung beider Minister nicht verantwortlich. Das befinden Horst Seehofer und Sigmar Gabriel anlässlich der aktuellen Diskussion um Lebensmittelpreise, Biosprit und Agrarpolitik unabhängig voneinander.

Gabriel berichtete vor Journalisten von seiner mehrtägigen Brasilienreise. Dort hat sich der Minister in der vergangenen Woche ein Bild von der biologischen Vielfalt im Land gemacht. Begleitet von Bundestagsabgeordneten aller Parteien und Vertretern deutscher Umweltverbände hatte er in politischen Gesprächen für internationale Nachhaltigkeitskriterien zur Bioenergieerzeugung geworben.

Offenbar mit Erfolg: Schon kommende Woche werde Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Brasilien ein entsprechendes Abkommen zur umweltverträglichen Produktion von Biokraftstoffen unterzeichnen, kündigte Gabriel an.

Schutz der Ressourcen verlangt wirtschaftliches Engagement
Trotz der kürzlich veränderten Beimischungspläne will der Bundesumweltminister am tropischen Biosprit festhalten. Bei differenzierter Sicht auf die Dinge werde deutlich, dass Brasilien sehr viel unternehme, um seinen Regenwald zu erhalten, sagte Gabriel.

Nun vollständig auf die Einfuhr zu verzichten, käme bei dem Partner in Südamerika deshalb nur als Abschottung an. Den Raubbau am Regenwald aufhalten könnten allein ökologisch wie sozial nachhaltige Nutzungskonzepte, die sich für die Bewohner der Regionen auszahlen: “Solange man an der Zerstörung der Wälder mehr Geld verdient als an ihrem Schutz, wird der Erhalt der Wälder schwer bleiben.”

Platz sei noch genug. Allein in Brasilien lägen derzeit über 100 Millionen Hektar landwirtschaftlich nutzbarer Fläche brach. Weltweit würden nur 36 Prozent der nutzbaren Flächen überhaupt genutzt – und nicht einmal zwei Prozent davon für die Herstellung von Bioenergie.

Weniger Biosprit, mehr Wind
Um die Klimaschutzziele trotz einer geringeren Nutzung von Biokraftstoff zu erreichen, will der Bundesumweltminister in Deutschland den Anteil der Windenergie erhöhen. Zehn bis elf Millionen Tonnen Kohlendioxid sollen so eingespart werden. Dafür soll der garantierte Abnahmepreis für den Windstrom geringfügig auf 9,1 Cent steigen, kündigte Gabriel an. Ältere Windkraftanlagen sollten leistungsfähigeren neuen Anlagen weichen.

Seehofer: Herausforderung Bevölkerungswachstum
Auch für Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer geht der Anbau von Energiepflanzen und der Lebensmittelanbau gut zusammen. Biosprit und Agrarsubventionen seien sicher nicht für die weltweite Explosion der Lebensmittelpreise verantwortlich, betonte Seehofer am selben Tag wie Gabriel in Berlin.

“Die Kernherausforderung ist der steigende Nahrungsmittelbedarf weltweit und nicht der Ausbau erneuerbarer Energien”, so der Minister. Und in den kommenden zwei Jahrzehnten werde dieser Bedarf, so schätzten die Experten, noch einmal um 60 Prozent steigen. Die Antwort könne nur eine höhere Produktion sein – und zwar vor allem in jenen Ländern, wo der Bedarf ist.

“Masse mit Klasse”
Das eine zu tun, bedeute eben nicht, das andere zu lassen: So hätten etwa die USA ihren Maisanbau für die Energieproduktion über Jahre hinweg stark gesteigert – und gleichzeitig auch noch die Maisexporte. “Wir drängen sehr auf die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien beim Anbau erneuerbarer Energien”, stellte Seehofer klar. Wie Gabriel legte er ein klares Bekenntnis zur vor einem Jahr vereinbarten Klimaschutzstrategie der Europäischen Union ab: 20 Prozent weniger Treibhausgase, 20 Prozent Anteil erneuerbare Energien, 10 Prozent Biokraftstoffe bis 2020.

Von der vor Jahren für die Landwirtschaft ausgegebenen Losung “Klasse statt Masse” distanzierte sich Seehofer dagegen: Weil hohe Versorgungssicherheit für Preisstabilität sorge, müsse stattdessen gelten: “Masse mit Klasse”. Effizienter solle die Landwirtschaft in der Welt werden, vor allem in den Entwicklungsländern: für die Ernährung der Menschen und für den Klimaschutz.

(Vgl. Meldung vom 2008-05-08.)

Source: Bundesregierung, Pressemitteilung, 2008-05-06.

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