10 März 2007

FSC fordert: Bioenergie aus zertifizierten, pflanzlichen Rohstoffen

Die aktuelle Debatten um die nachhaltige Erzeugung von Bioenergie erhitzen seit Monaten die Gemüter von Fachleuten. Einem immensen weltweiten Energiebedarf, den es in Zukunft möglichst nachhaltig zu decken gilt, steht nur eine begrenzte Fläche zur Erzeugung von Ressourcen zur Verfügung.

Während die einen die Diskussion über den Betrieb von CO2-neutralen Atomkraftwerken anregen, suchen andere die Lösung in der Bioenergie über pflanzliche Rohstoffe. Doch Pflanzen lassen sich nicht nur verheizen! Zu schnell wird vergessen, dass sich durch Pflanzen auch Nahrungsmittel oder Möbel und Papier herstellen lassen. Produktionsfläche steht aber nicht beliebig zur Verfügung und so steht die Fachwelt vor einer der schwierigsten Herausforderungen der Gegenwart: Food versus Fuel heißt der neue alte Konflikt.

Der FSC kann für diesen Konflikt keine Lösung bieten aber die Idee einer verantwortungsvollen Ressourcenerzeugung ist der Gründungsgedanke des FSC. Damit könnte das Modell des FSC durchaus Pate stehen für die Entwicklung von Anforderungen an nachhaltig erzeugte Biokraftstoffe.

Bei der Zertifizierung von intensiv bewirtschafteten Plantagen zeigen sich jedoch schon heute Schwachstellen, die im Zusammenhang mit Biokraftstoffen in weit größerem Umfang auftreten dürften und daher für entsprechende Prozesse als Lehrstücke herangezogen werden sollten.

Grundsätzlich gibt es nur EIN zentrales Element zur Schaffung einer langfristigen Glaubwürdigkeit: Alle wichtigen Anliegen von betroffenen gesellschaftlichen Gruppen sind in einer Konsenslösung angemessen adressiert.

In einem glaubwürdigen Zertifizierungssystem spiegelt sich dies wider in

  • den Prozessen zur Herleitung von Kriterien und Standards
  • der Mitbestimmung in Entscheidungsgremien
  • der Einflussnahme auf Zertifizierungsprozesse

Kein Erfolg ohne Schwachstellen
Auch der FSC hat seine Schwachstellen und ist daher permanent darum bemüht, diese zu verbessern. Der offene und konstruktive Umgang mit Kritik und das stete Suchen nach Lösungen ist eines der Kennzeichen des FSC. Aktuell ist der FSC mit der Lösung folgender Fragen beschäftigt:

Immer wieder wird dem FSC vorgeworfen, dass Zertifikate nur aufgrund von generic standards vergeben werden können. Dies sind Standards, die keine nationalen Standardsetzungsprozesse durchlaufen haben. Das Ergebnis sind manchmal Zertifikate bei denen lokale Bedürfnisse nicht in dem Umfang berücksichtigt wurden, der aus Sicht lokaler Beteiligter angemessen gewesen wäre. Besonders augenscheinlich werden diese Konflikte bei industriellen Großplantagen in entwicklungsschwachen Ländern in denen lokale Bevölkerungsteile im Rahmen von nationalen “Stakeholder-Befragungen” einfach nicht angemessen erreicht werden (z.B. durch das Fehlen entsprechender Ansprechpartner).

Auswirkungen entsprechender Wirtschaftsweisen sind dann für lokale Gruppen besonders gravierend, weil diese unter Umständen ganze Landstriche beeinflussen – positiv, z.B. durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen aber auch negativ z.B. durch Verlust von Biodiversität. Zudem kann es bei größer werdenden Betrieben zu direkten finanziellen Abhängigkeiten zwischen Zertifizierer und Kunde (Forstbetrieb) kommen.

Einige der Schwachstellen des FSC stehen unter ständiger Verbesserung, andere werden in aufwändigen internationalen Diskussionsprozesse verbessert. Jüngstes Beispiel ist die Revision der FSC-Zertifizierung von Plantagen. Dieser weltweit einzigartige Prozess findet derzeit statt und hat nach einem intensiven internationalen Dialog zu klaren Empfehlungen geführt. Nach diesen sollte der FSC die Berücksichtigung sozialer Belange im Rahmen der Zertifizierung generell aufwerten.

Dies gilt sowohl bei der Herleitung von Regelungen als auch bei der Berücksichtigung lokaler Stakeholder und deren Nöte im Rahmen der Zertifizierung selbst. Eine ebenso wichtige Erkenntnis zur Erhaltung von Umweltwerten ist ein Prinzip nachdem größere oder intensivere Landnutzungsformen (z.B. Industrieplantagen) größere Leistungen zur Erhaltung und Steigerung von Umweltwerten erbringen sollten, da entsprechende Nutzungsformen ungleich höhere negative Umweltauswirkungen haben können.

Im Zusammenhang mit der Erzeugung von Biokraftstoffen sollten diese Erkenntnisse generelle Richtschnur für die Herleitung von Standards und Prinzipien sein. Nur durch die konsequente Adressierung dieser Problemfelder lässt sich Glaubwürdigkeit für die Produktion von Biokraftstoffen langfristig erzeugen und sichern.

Kontakt
FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V.
Guntramstr. 48
79106 Freiburg
Tel.: 07 61 / 3 86 53-50
Fax: 07 61 / 3 86 53-79
E-Mail: info@fsc-deutschland.de

(Vgl. Meldungen vom 2007-03-09 und 2006-12-20.)

Source: FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V., 2007-03-08.

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