12 August 2002

Forschungszentrum Karlsruhe: Nutzung von Biomasse könnte bis zu 10 Prozent des Primärenergiebedarfs decken

80 Mio. Tonnen Bio-Reststoffe jährlich werden unökonomisch verwertet

Bild:KreislaufUntersuchungen des Forschungszentrums Karlsruhe zufolge wird bundesweit derzeit nur rund 1 Prozent des Primärenergiebedarfs durch Biomasse – überwiegend Holz – gedeckt. Laut Pressesprecher Joachim Hoffmann könnten allein die rund 20 Mio. Tonnen Stroh, die landwirtschaftlich anfallen, weitere 2 Prozent abdecken. Insgesamt stellen die Karlsruher Forscher fest, dass das gesamte jährliche Aufkommen an biogenen Rest- und Abfallstoffen wie Heu, Holz oder nicht recycelbaren Papier -und Pappeabfällen sich auf etwa 80 Mio. Tonnen organischer Trockenmasse beläuft, mit der sich bei vollständiger Verwertung pro Einwohner und Jahr 450 Liter Heizöl einsparen ließe.

Für dieses Energiepotenzial, das bislang durch die unökonomische Flächenverteilung und damit kostenlastigen Transportwegen zu zentralen Verwertungsanlagen keine optimale Nutzung erfährt, bieten die Wissenschaftler nun eine effiziente Lösung an. Ein zweistufiges Verfahren – die Kombination von Pyrolyse (Zersetzung beim Erhitzen unter Luftausschluss) und Gaserzeugung – soll die Nutzung der Biomasse sowohl technisch, als auch logistisch und wirtschaftlich erheblich erleichtern.

Zunächst sollen über dezentrale Anlagen Pyrolyseöl und Pyrolysekoks mit hoher Energiedichte erzeugt werden, welches dann als stabile Mischung mit geringen Transportkosten zu wenigen zentralen Großanlagen verbracht werden, die hieraus Synthesegas erzeugen – dieses wiederum könne in der chemischen Industrie als Ausgangsprodukt zur Gewinnung hochwertiger Kraftstoffe und Chemikalien dienen oder direkt verstromt werden (vgl. Meldungen vom 2002-05-29 und 2001-12-02). Die Erzeugung eines aus einer Mischung von Pyrolysekoks und Pyrolyseöl bestehenden hochwertigen Synthesegases wurde nach Angaben des Forschungszentrums kürzlich an einer Anlage mit einer Leistung von 2000 kW erfolgreich demonstriert.

(Vgl. Meldung vom 2002-07-02.)

Source: Presseinformation ("Gelbes Stroh statt Schwarzes Gold") des Forschungszentrums Karlsruhe und Westdeutsche Zeitung vom 2002-08-07.

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