20 Juli 2009

FNR-Infobrief Juli 2009

BAUnatour

Ein Holzhaus hat viele Vorteile. Die Vorzüge des Baustoffes Holz angefangen von niedrigen Kosten über gute bauphysikalische Eigenschaften und seine Beiträge zu regionalen Wirtschaftskreisläufen und Klimaschutzaspekten bis hin zu ästhetischen Werten liegen auf der Hand und wurden vielfach kommuniziert.

Infobrief_Juli_2009.jpgWarum also ist die Holzbauweise mit einem Marktanteil von rund 14 Prozent aller neugebauten Einfamilienhäuser noch immer so wenig verbreitet in Deutschland? Eine Analyse der Hemmnisse und Ursachen ergibt, dass Gewohnheiten und kulturelle Traditionen hier sicherlich eine Rolle spielen: Das Wertverständnis von massiven Häusern aus Stein ist derart verwurzelt in Deutschland, dass sich ein Bewusstseinswandel nur langsam durchsetzt. Vorurteile halten sich hartnäckig – ein Holzhaus sei weniger stabil und langlebig, ein Holzhaus sei teurer, ein Holzhaus benötigt chemischen Holzschutz und sei dann gar nicht mehr nachhaltig …- um nur einige zu nennen.

Ein weiterer Grund für die geringe Verbreitung von Holzbauten mag darin liegen, dass mehrgeschossige Gebäude in Holzbauweise bis vor einiger Zeit in vielen Bundesländern gar nicht genehmigungsfähig waren. Hier bieten sich künftig interessante neue Potenziale, wie auch das 2008 erbaute 7-geschossige Holz-Wohngebäude in Berlin zeigt. Laut einer Machbarkeitsstudie der TU Wien sind sogar 20 Etagen in Holzbauweise technisch möglich.

Ein Hauptgrund für den derzeit noch geringen Holzbau-Marktanteil besteht darin, dass die Massivbauweisen eine so dominierende Marktstellung haben, was die Wahrnehmung von Alternativen erschwert. Wer sich als unvoreingenommener Bauinteressent an ein Unternehmen vor Ort wendet, sei es an einen Architekten oder einen Baubetrieb, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Richtung eines konventionellen Massivbaus beraten. Was vor vielleicht 100 oder 150 Jahren noch allgemeiner Standard im Handwerk war, nämlich ausführliche Kenntnisse über das konstruktive Bauen mit Holz, das ist im modernen Holzbau mittlerweile zum Spezialwissen geworden.

Die Bauberatung der FNR setzt genau hier an, in dem sie die Möglichkeiten des Baustoffes Holz, aber auch die der vielfältigen anderen Naturbaustoffe wieder mehr in das allgemeine Bewusstsein rücken will. Wir sprechen mit der Beratung vor allem die Zielgruppen von Bauherren und Planern an: Diejenigen, die bereits ein ausgeprägtes Interesse an Naturbaustoffen haben, und die Gruppe der grundsätzlich Aufgeschlossenen, die aber noch nicht auf Naturbaustoffe festgelegt sind. Während Erstere sich auch selbst aktiv an die Bauberatung wenden, gehen wir auf die zweite Gruppe stärker direkt zu.

Ein dafür hervorragend geeignetes Mittel ist die Wanderausstellung “BAUnatour – Bauen und Wohnen mit nachwachsenden Rohstoffen” – ein auch architektonisch sehr gelungener Ausstellungscontainer in Holzbauweise, der ab Juli 2009 auf Deutschlandtour geht.

Das Thema “Wahrnehmung von Naturbaustoffen” spielt auch beim “Gütesiegel Nachhaltiges Bauen” eine Rolle. Dieses Siegel nach amerikanischem Vorbild wird seit diesem Jahr durch das BMVBS vergeben. Es umfasst insgesamt 6 Bewertungskategorien aus dem Themenfeld Nachhaltigkeit. Eine davon betrifft die ökologische Qualität und hier, so könnte man meinen, schneiden Naturbaustoffe wie Holz sicher besonders gut ab. Dem ist jedoch leider nicht so, vielmehr sind nachwachsende Rohstoffe im bisherigen Zertifizierungsprozess kaum präsent. Unter den 28 bislang zertifizierten Gebäuden befinden sich besonders nachhaltige Vertreter der Massivbauweise, jedoch kein einziger Holzbau.

Die Ursachen dafür müssen diskutiert werden, wofür auch eine stärkere Beteiligung der Naturbaustoff-Branche an der Diskussion um die Vergabe-Kriterien des Siegels erforderlich ist. Abhilfe kann ein aktuelles Projekt zur Ermittlung von Ökobilanzen von Holzbau- und -werkstoffen schaffen. Die gesammelten Daten sollen in bestehende Baustoff-Informationsdatenbanken einfließen und so eine bessere Vergleichbarkeit zwischen Holz und anderen Rohstoffen und daraus erstellten Gebäuden ermöglichen. Wichtig ist es jedoch, die Ergebnisse dann auch nach außen zu tragen, ungerechtfertigte Benachteiligungen von nachwachsenden Rohstoffen im Zertifizierungsmodell auszuschließen und die Gütesiegel-Zertifizierung bei öffentlichkeitswirksamen Gebäuden aus nachwachsenden Rohstoffen dann auch anzuwenden.

Abschließend noch eine erfreuliche Nachricht in eigener Sache: Voraussichtlich Ende kommenden Jahres bezieht die FNR neben dem alten Gutshaus einen Neubau in Gülzow, der selbst nicht nur zu einem Großteil aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut, sondern auch modernsten energetischen Anforderungen gerecht wird. Wir sind sehr stolz darauf, gemeinsam mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL) ein so vorbildliches und zukunftsweisendes Bürogebäude umsetzen zu dürfen. Der Neubau soll nicht zuletzt auch in der Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden, um die Einsatzmöglichkeiten von Naturbaustoffen zu demonstrieren. Über die Entwicklung bei Planung und Bau werde ich Sie auf dem Laufenden halten.

FNR Infobrief Juli 2009: Inhalt

  • Bauen und Wohnen mit nachwachsenden Rohstoffen
    BAUnatour – Wanderausstellung Bauen und Wohnen mit
    nachwachsenden Rohstoffen Neue Verbund-Baustoffe aus Holz und Anhydrit
    Nawaro-Baubeispiele jetzt im Netz
    Naturdämmstoffe: aktualisierte Übersicht erschienen
    Bauer Hubert baut ein Ferienhaus aus Holz
  • Bioenergie
    25 Bioenergie-Regionen starten durch
    Nationaler Biomasseaktionsplan
    Aktionsprogramm des BMELV “Energie für morgen – Chancen für
    ländliche Räume”
  • Biokunst- und -werkstoffe: vernetzt und ganzheitlich forschen
    Staatssekretär Lindemann startet drei Verbundprojekte
    FENAFA-Netzwerkverbund
    Forschungsverbund Biopolymere
    Systembiotechnologie nachwachsender Rohstoffgewinnung (SynRg®)
  • Kurznachrichten

Weitere Informationen
FNR Infobrief Juli 2009 als PDF-Dokument

Source: FNR-Infobrief, 2009-07-14.

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