8 Juli 2008

FNR-Infobrief Juli 2008

"Bioenergie: Farbe bekennen"

Die eruptionsartigen Veränderungen an den Energiemärkten erinnern uns nachdringlich daran, den für die Volkswirtschaft essenziellen Ausbau erneuerbarer Quellen und die Entwicklung entsprechender Technologien und Konzepte nicht zu vernachlässigen.

08-07-08_Infobrief_FNR.jpgMit knapp 7% trugen erneuerbare Energien im vergangenen Jahr zum insgesamt leicht sinkenden Primärenergieverbrauch in Deutschland bei. Mehr als zwei Drittel davon entfielen allein auf Biomasse, die den Mammutanteil unter den Erneuerbaren stemmt. Bemerkenswert an den Statistiken ist vor allem, dass die in jüngster Vergangenheit so gescholtenen Biokraftstoffe mittlerweile größere Beiträge leisteten als beispielsweise Wind oder Wasser.

Natürlich nehmen wir die öffentliche Diskussion um Biokraftstoffe sehr ernst. Nicht zuletzt wegen der zum Teil sicherlich berechtigten Kritiken aus den Reihen von Naturschützern ist mit dem Pilotprojekt “Zertifizierung von Biomasse” ein Vorhaben in seine zweite Phase überführt worden, das sehr konkrete Ansätze zur Bewertung verschiedenster Biomassen unter ökologischen und soziologischen Kriterien entwickelt. Letztendlich muss es die Vorgaben umsetzen, um die sich Deutschland und die EU in ihren derzeitigen Bestrebungen zur Installation von Nachhaltigkeitskriterien bemühen. Angesichts des zunehmenden internationalen Handels mit Biomasse darf dabei nicht mehr allzu viel Zeit ins Land gehen. Deshalb sollen im Rahmen des Projekts möglichst noch in diesem Jahr erste Zertifikate ausgestellt werden, um ihre Auswirkungen und ihre Handhabung studieren zu können.

Die Verwendung von Bioenergie und hier insbesondere von Biokraftstoffen vorwiegend unter dem Aspekt des Klimaschutzes bewerten zu wollen, greift angesichts der Energiemarktentwicklungen jedoch deutlich zu kurz. Insbesondere der Forderung, den Einsatz von Bioenergie an optimierten CO2-Minderungskosten und CO2-Vermeidungspotenzialen auszurichten, will ich mich nicht unkommentiert anschließen.

Angesichts der gerade im Verkehrssektor vollständigen Abhängigkeit von den volatilen Rohölmärkten stehen uns mittelfristig nur zwei Wege offen. Im Sinne der Versorgungssicherheit bleibt letztlich mittelfristig kein Ausweg, um neben allen Reduktionspotenzialen auch die Möglichkeiten der Biokraftstoffe auszuschöpfen.

In technologischer Hinsicht hoffen wir, mit dem jüngst bewilligten Projekt zum Bau einer Methanol-to-Synfuels-Pilotanlage einen deutlichen Schritt voranzukommen. Das Gemeinschaftsvorhaben von Lurgi und VW bildet das letzte Glied in der Kette zur Herstellung von BtL-Kraftstoffen, an deren Anfang das Karlsruher bioliq®-Verfahren steht. Wie es um dieses und alle anderen Verfahren steht und welche Lücken geschlossen werden müssen, wollen wir auf dem 3. BtL-Kongress im Oktober in Berlin diskutieren.

Andreas Schütte (FNR)

Inhalt des Infobriefs

  • Bioenergie
    • Wettbewerb Bioenergie-Regionen: 1. Phase beendet
    • Wettbewerb “Muster-Biogasanlagen”
    • Nature.tec auf der Internationale Grüne Woche 2009
  • BtL-Kraftstoffe
    • MtS-Pilotanlage in Wolfsburg
    • Reinigung von Synthesegas
    • Synthesegas-Aufbereitung
    • BtL-Kongress
  • Energiepflanzen
    • Zertifizierung von Biomasse: Pilotphase
    • Forschungsverbund Energiepflanzenanbau: Ergebnisse der 1. Phase veröffentlicht
    • Forschungsverbund EVA startet 2. Phase
    • Sorghumhirsen – was können sie, was Mais nicht kann?
  • Kurznachrichten
    • Neuer Förderschwerpunkt: Kaskaden- und Koppelnutzung
    • Kosmetikrohstoffe auf Basis pflanzlicher Öle: Enzymatische Herstellung neuartiger Esteröle
    • “Gülzower Fachgespräche” Band 28: Biocrudeoil
    • Bioschmierstoffe: Förderung bis Ende 2008
    • Film: Biokunststoffe – Nachwachsende Rohstoffe auf neuen Wegen
    • “Nawaro – Na klaro!” – Das Konzert mit Rumpelstil

Der Infobrief Juli 2008 steht hier (PDF-Dokument) zum Download bereit.

Source: FNR-Infobrief, 2008-07-08.

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