26 Juli 2007

FNR-Infobrief Juli 2007

Die Nachhaltigkeit der Biokraftstoffproduktion wird kontrovers diskutiert. Brandrodungen von Urwäldern zur Errichtung von Palm- oder Sojaölplantagen, die Verdrängung bedrohter Tier- und Pflanzenarten, menschenunwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen oder die Verteuerung von Nahrungsmitteln gehören zu den Vorwürfen, derer sich Europas Biokraftstoffbranche mittlerweile täglich zu erwehren hat.

Wir sind gut beraten, uns dieser Diskussion offensiv zu stellen. Immerhin rund 5 Millionen Tonnen Palmöl, produziert auf umgerechnet etwa einer Million Hektar, gelangten nach Angaben des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie im Wirtschaftsjahr 2005/2006 auf den europäischen Markt.

Dass davon jedoch nur etwa ein Fünftel verstromt und lediglich rund 5 Prozent in der Biodieselindustrie eingesetzt werden, wird in der augenblicklichen Diskussion gern und geflissentlich unterschlagen.

Die Ursachen für die Nöte auf der Südhalbkugel sind natürlich zu vielschichtig, um sie ausschließlich dem europäischen Streben nach alternativen Kraftstoffen anzulasten. Nichtsdestotrotz: wir stehen allein schon wegen unserer Glaubwürdigkeit in der Pflicht, jetzt die Weichen zustellen, um in der gesamten Kette der Biokraftstofferzeugung ökologische und soziale Standards durchzusetzen und uns den Blick auf die Prinzipien der Nachhaltigkeit nicht von vordergründigen Interessen trüben zu lassen. An Biokraftstoffen wird sich das Spannungsfeld zwischen möglichst freien Marktzugängen für die Länder der dritten Welt und dem Erhalt biologischer Ressourcen messen lassen müssen.

Um einen Lösungsansatz anzubieten, haben das Bundesernährungsministerium und die FNR im Herbst letzten Jahres ein umfangreiches, insgesamt vierstufiges Projekt zur Zertifizierung von Biokraftstoffen aufgelegt. Unter Leitung des meó consulting Teams werden Lösungsansätze erarbeitet und in einem breiten gesellschaftlichen Disput zur Diskussion gestellt.

Die Arbeiten sind bereits soweit gediehen, dass in Kürze mit weiteren Schritten begonnen werden kann. Grund genug, Ihnen die erarbeiteten Konzepte im Rahmen dieses Infobriefs vorzustellen. Lassen Sie uns gemeinsam und zügig an einer zunächst europäischen, letztlich aber weltweit akzeptierten Regelung arbeiten, die es ermöglicht, die unterschiedlichen Bedürfnisse bei der Biokraftstoffproduktion aufeinander abzustimmen.

Seien wir uns aber auch dessen bewusst, dass das Prinzip nachhaltigen Produzierens über den Sektor der Biokraftstoffe hinaus Verallgemeinerung finden muss. Erforderlich ist eine zügige Ausdehnung der Zertifizierung auf alle Biomassen egal ob sie im Nahrungsmittelbereich, für chemisch-technische Zwecke oder für die Energieerzeugung Verwendung finden. Insellösungen allein für Biokraftstoffe, so wichtig sie anfänglich für die Durchsetzung eines Gesamtsystems sind, würden lediglich zu Verschiebungen bei der Landnutzung führen, letztlich aber keinen Hektar Regenwald schützen.

Aus dem weiteren Inhalt des Infobriefs

  • Das Projekt “Zertifizierung von Biokraftstoffen”
    • Das Projekt
    • Projektpartner
  • Das Zertifizierungskonzept
    • Zwei Zertifikate
    • Meta-Zertifizierung bezieht bestehende Standards ein
    • Book & Claim
  • Die Umsetzung in der Pilotphase
  • Weitere Zertifizierungsansätze in Deutschland und Europa
  • Anhang
    • Projekte
    • Veranstaltungen
  • Der Infobrief Juli 2007 steht hier zum Download bereit.

    (Siehe auch frühere Infobriefe der FNR vom 2007-05-25, 2007-02-14 und 2006-10-27.)

    Source: FNR-Infobrief, 2007-07-24.

    Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email