22 Februar 2008

FNR-Infobrief Februar 2008

2006 wurden in Deutschland über eine halbe Million Kaminöfen verkauft. Die Zahl illustriert, welch beeindruckende Renaissance der Brennstoff Holz zurzeit erlebt. Grundsätzlich ist das erfreulich. Weniger erfreulich ist allerdings die Tatsache, dass sich die Holzverbrennung, kaum dass sie zum Durchbruch kommt, mit massiver und zum Teil unsachlicher Kritik konfrontiert sieht. “Feinstaub” ist das Stichwort und der Vorwurf lautet, dass Holzheizungen davon mehr emittieren als der gesamte Dieselverkehr in Deutschland. Dieser Vergleich ist unsauber, denn er lässt den durch Abrieb von Reifen und Straßenbelag verursachten Feinstaub schlicht außen vor, der stärker ins Gewicht fällt als die motorischen Staubemissionen selbst.

Infobrief_FNR_1_2008.jpgViel entscheidender ist aber, dass Kritiker häufig alle Anlagentypen in einen Topf werfen: Vom modernen und sehr sauberen Pellet- oder Scheitholzvergaserkessel über den betagten Kachelofen bis hin zum Billig-Kaminofen aus dem Baumarkt. Tatsächlich fallen die Emissionen dieser Anlagentypen sehr unterschiedlich aus. Vollends absurd wird es aber, wenn man die Auswirkungen der Debatte betrachtet: Am meisten unter Verkaufsrückgängen litten im vergangenen Jahr die Hersteller von Pelletfeuerungen, die die derzeit sauberste und auch effizienteste Möglichkeit zum Heizen mit Holz anbieten. Die Branche ist noch sehr jung – die ersten Pelletkessel kamen erst in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auf den Markt – und hat dennoch in dieser kurzen Zeit bereits enorme Investitionen in die Entwicklung und Verbesserung ihrer Technik geleistet.

Zu bedenken ist darüber hinaus, dass nicht nur die Art der Verbrennungsanlage einen Einfluss auf die Staubemissionen hat, sondern auch das Verhalten des Nutzers. Studien zeigen, dass bei handbeschickten Anlagen falsches Heizen die Staubemissionen extrem in die Höhe treibt. Aufklärung tut hier dringend not.

Schließlich differiert nicht nur die Höhe der Emissionen, die Zusammensetzung der Feinstäube tut es ebenso. Bei einer optimalen, nahezu vollständigen Verbrennung, der moderne Anlagen zunehmend nahe kommen, besteht der Feinstaub zum Großteil aus anorganischen Salzen, die weit weniger gesundheitsschädlich sind als Ruß. Letzterer entsteht bei unvollständiger Verbrennung, und zwar je mehr, je schlechter die Verbrennungsbedingungen sind. Zwar besteht nach wie vor Forschungsbedarf bei der Frage, wie genau sich die Staubfraktionen der verschiedenen Anlagentypen bei welcher Betriebsweise zusammensetzen, dennoch fällt der Rußgehalt in einer automatischen Pellets- oder Scheitholzvergaserfeuerung vergleichsweise gering aus.

Wo liegt nun die Aufgabe der FNR im Rahmen der gesamten Debatte? Grundsätzlich geht sie konstruktiv an das Thema heran, weil feststeht, dass der Brennstoff Holz aus Klimaschutz- und Versorgungsgründen unverzichtbar ist. Anstatt Verbraucher so weit zu verunsichern, dass sie doch lieber in eine Gas- oder Öl- an Stelle einer Holzheizung investieren, sucht sie nach Lösungsansätzen: Elf Projekte zur technischen Emissionsminderung von Kleinfeuerungen werden aktuell von der FNR gefördert, zwölf weitere befinden sich im Antragsverfahren.

Zudem will die FNR, wie so oft beim Thema Bioenergie, durch Information und Aufklärung zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Schließlich beteiligt sie sich an Entscheidungsprozessen auf politischer Ebene. Dort steht derzeit die Novellierung der 1. BImSchV an, die nach dem Willen des Bundesumweltministeriums weitreichende Verschärfungen auch für Holzanlagen mit sich bringen wird.

Die FNR ist nicht grundsätzlich gegen strengere Grenzwerte, sie will aber verhindern, dass diese zu schnell und zu massiv kommen. Dadurch könnten Hersteller in den wirtschaftlichen Ruin getrieben werden, gerade auch in der Pelletsbranche, die nach den Vorstellungen des BMU-Entwurfs die mit Abstand niedrigsten Emissionswerte realisieren soll. Für einige Firmen mag das machbar sein, viele andere werden die markierten Emissionsziele aber mehr oder weniger knapp verfehlen. Für sie droht dann eine Verdrängung vom Markt, obgleich ihre Produkte noch immer zu den saubersten gehören würden.

Die FNR setzt sich für eine moderate Verschärfung der Grenzwerte, ähnlich wie im Bereich der Getreideverbrennung, ein. Nur wenn die Industrie nicht durch unerfüllbare Forderungen erschlagen wird, ist ein kooperatives An-einem-Strang-Ziehen von Politik und Wirtschaft möglich. Und das ist auf Dauer, auch im Interesse der Umwelt und der Akzeptanz von Umweltpolitik, zielführender.

Aus dem weiteren Inhalt des Infobriefs

  • Feinstaubdiskussion: Holzheizungen nicht diskreditieren!
    • Emissionsminderungen bei Kleinfeuerungsanlagen
    • Stufenplan
  • Biokraftstoffe
    • Road-Map Biokraftstoffe
    • Ankündigung “Alternative Biokraftstoffe”
    • Handbuch “Dezentrale Rapsölgewinnung”
    • Veranstaltung der TP Biofuels
    • Mit modernen Biokraftstoffen in die Alte Oper
  • Bau- und Dämmstoffe
    • Bauberatung bei der FNR
    • Statusseminar Naturfaserdämmstoffe
  • Interna
    • Vorstandswechsel
    • Neue Mitarbeiter
    • Umzug der Öffentlichkeitsarbeit nach Bützow
  • Kurznachrichten
    • Grünflachs für Automobilbau
    • Entwicklung, Aufbau und Betrieb einer Miniplant-Anlage zur kontinuierlichen Herstellung von Glycerin-tertiärbutylethern
    • Bekanntmachung zu Kurzumtriebsplantagen
    • Neuerscheinung Daten & Fakten
    • Postkarten
  • Anhang
    • Neue Projekte
    • Termine

    Der Infobrief Februar 2008 steht hier (PDF-Dokument) zum Download bereit.

    (Siehe auch frühere Infobriefe der FNR vom 2007-10-16, 2007-07-26, 2007-05-25 und 2007-02-14.)

  • Source: FNR-Infobrief, 2008-02-22.

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