29 September 2006

FNR: Agroforstsysteme – Symbiose zwischen Land- und Forstwirtschaft

Fachgespräch lotet Chancen und Rahmenbedingungen von Agroforstsystemen aus

Die 2003 beschlossene EU-Agrarreform koppelt Direktzahlungen ab 2005 unmittelbar an die Erbringung bestimmter Leistungen im Umwelt- und Naturschutz. In diesem Zusammenhang sind auch so genannte Landschaftspflegeelemente beihilfefähig, was Agroforstsystemen neue Chancen eröffnet.

Der systematische Anbau von Gehölzen auf Weide- oder Ackerflächen verspricht nicht nur ökologische Vorteile und ein schönes Landschaftsbild – er kann auch ökonomisch sinnvoll sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Dass hier im Detail noch Regelungs- und Definitionsbedarf besteht, war eines der Ergebnisse eines Fachgesprächs, zu dem sich Experten am 27. September in Potsdam trafen. Eingeladen hatten die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) und das Leibniz-Institut für Agrarforschung Potsdam-Bornim e.V. (ATB).

Agroforstsystem, hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich eine einstmals weit verbreitete Form der Landnutzung, bei der mehrjährige Gehölze, etwa Bäume, Hecken und Sträucher, mit landwirtschaftlichen Nutzpflanzen auf der selben Fläche angepflanzt werden.

Streuobstwiesen und die Waldweide sind traditionelle Formen des Agroforstsystems, bei dem Agrar- und Forstwirtschaft eine nach Möglichkeit für beide Seiten vorteilhafte Symbiose eingehen. Die Landwirte bauten die Gehölze auf ihren Flächen vor allem zur Gewinnung von Brenn- und Wertholz an.

Unter genau diesem Aspekt rückt die Bewirtschaftungsform auch heute wieder in den Fokus von Fachleuten und Landwirten. Denn aller Voraussicht nach wird der steigende Holzbedarf auf Dauer nicht rein forstwirtschaftlich zu decken sein, gleichzeitig steigt mit den Holzpreisen das Interesse der Landwirte, selbst in die Holzproduktion einzusteigen.

Hinzu kommen ökologische Aspekte wie der Erosionsschutz und die erhöhte Biodiversität, dank der das gesamte System als resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten gilt. Durch den Windschutz und die zeitweilige Verschattung durch die Bäume kann in trockenen Sommern zudem der Wasserbedarf der Pflanzen gesenkt und so die Erträge gesteigert werden. Noch sind jedoch längst nicht alle Wechselwirkungen, ob positive oder negative, in Agroforstsystemen geklärt.

Fest stand für die Teilnehmer des Fachgesprächs von FNR und ATB hingegen, dass ein Anbau von Bäumen unter ökonomischen Gesichtspunkten für Landwirte vor allem auf ertragsschwachen Standorten sinnvoll ist, auf denen sich der Anbau anderer Kulturen nicht mehr lohnt.

Denn so genannte Schnellwuchshölzer wie Pappeln, Weiden oder Robinien verursachen durch die maximal alle drei Jahre stattfindende Ernte und den geringen Bedarf an Düngern und Pflanzenschutzmitteln deutlich weniger Arbeit als herkömmliche Ackerfrüchte. Ob der Anbau in Form eines Agroforstsystems geschieht, oder als reine Kurzumtriebsplantage mit dichtem Baumbestand, spielt dabei keine Rolle.

Dr. Steffen Beerbaum vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) stellte beim Fachgespräch die politischen Rahmenbedingungen dar. Diese sind mit der EU-Agrarreform zwar grundsätzlich positiv, und auch andere Regularien wie die ELER-Verordnung (Verordnung des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) fördern Umweltschutzmaßnahmen wie Erstaufforstungen und die Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft.

Doch in der konkreten Praxis bestünden laut Beerbaum noch einige juristische Unsicherheiten, so sei das bestehende Prämiensystem nur schwer auf die zahlreichen verschiedenen Spielarten der Agroforstsysteme anzuwenden, während bei Kurzumtriebsplantagen weniger Unklarheiten bestünden.

Ein letzter Schwerpunkt des Fachgesprächs war schließlich die Benennung des weiteren Forschungsbedarfs; die Teilnehmer sahen ihn vor allem in den Bereichen Erntetechnik, Verwertungsstrategien und Bereitstellung geeigneten Pflanzenmaterials.

Henryk Stolte, bei der FNR verantwortlich für Anbaufragen, erklärte, entsprechende Forschungsprojekte seien durch die FNR förderfähig, wenn sie den bereits erreichten Stand von Forschung und Entwicklung berücksichtigen und echte Fortschritte bei der Holzproduktion versprechen.

Die FNR ist Projektträger des BMELV und unterstützt Forschung, Entwicklung, Demonstration und Markteinführung rund um die nachwachsenden Rohstoffe.

Foto: Agroforstsystem Groß Zecher am Schaalsee in Schleswig-Holstein; Quelle: Finis e.V.

Source: FNR-Pressemeldung Nr. 496 vom 2006-09-29.

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