25 April 2008

Flachs und Hanf: Nischenkulturen oder künftig wichtige Agrarrohstoffe?

Alle Facetten der Flachs- und Hanfwirtschaft auf 400 Seiten

Titel_GF_Band26.jpgAutoren des nova-Instituts diskutieren auf knapp 400 Seiten alle Facetten der Flachs- und Hanfwirtschaft. Die Studie zur “Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU)” gibt einen umfassenden Überblick über die aktuelle Marktsituation und die Zukunftschancen der alten Kulturpflanzen Flachs und Hanf.

Auch wenn die aktuellen Anbauzahlen eher bescheiden sind, gibt es attraktive Marktpotenziale in zahlreichen Anwendungen. Diese zu erkennen und durch geeignete Rahmenbedingungen und Aktivitäten zu erschließen, ist Thema der Studie. Flachs und Hanf wurden und werden vor allem wegen ihrer hochwertigen Naturfasern angebaut. Neben diesen liefern beide Pflanzen die wertschöpfenden Koppelprodukte Schäben und Samen/Öl. Während in der EU die Nutzung von Flachs überwiegt, werden in Deutschland vor allem dem Hanfanbau gute Chancen eingeräumt, weshalb in diesem Buch ein besonderer Schwerpunkt auf Hanf gelegt wurde. Sowohl der Anbau von Flachs und Hanf als auch der Aufschluss des Strohs zu Fasern und Schäben werden ökonomisch im Detail vorgestellt, analysiert und diskutiert.

Von ihren mechanischen Eigenschaften her brauchen sich Flachs- und Hanffasern nicht zu verstecken: Sie gehören zu den hochwertigsten Naturfasern überhaupt. Neben den technischen Eigenschaften der Fasern werden die Grundprinzipien des Faseraufschlusses dargestellt. Unter ökologischen Gesichtspunkten ist vor allem der niedrige Kumulierte Energieaufwand (KEAh) – und entsprechend auch ein geringer CO2-Ausstoß – zur Herstellung der Flachs- und Hanffasern interessant, der deutlich unter denen von Konkurrenzprodukten liegt.

Besonderen Raum nimmt die Beschreibung aller relevanten Anwendungen und Produktlinien für Fasern, Schäben und Samen ein. Die Darstellung umfasst technische Eigenschaften, Preise, das heutige und zukünftige Marktvolumen sowie die Konkurrenzsituation. Wichtigste Anwendungen für die Fasern sind dabei Naturfaserverstärkte Kunststoffe, Dämmstoffe, Zellstoff und Papier, Bekleidungstextilien sowie Geo- und Agrartextilien, für die Schäben Tiereinstreu und Baustoffe und schließlich für die Samen Tierfutter und Lebensmittel.

Die Zukunft von Flachs und Hanf wird vor allem durch Ihre Konkurrenzkraft gegenüber anderen Kulturpflanzen bestimmt. Sowohl die Konkurrenzsituation zwischen Flachs und Hanf, aber vor allem die Konkurrenz zu exotischen Faserpflanzen wie Jute, Kenaf, Sisal und Abaca werden analysiert und diskutiert. Dies steht in engem Kontext zu den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen: Wie haben die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und Stützungsregeln in der Vergangenheit die Marktlage für Flachs und Hanf beeinflusst und wie sieht hier die zukünftige Entwicklung aus? Wie verändern sich die globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – steigende Erdöl- und Kunststoffpreise, Preise für Holz und Agrarrohstoffe – und welchen Einfluss hat dies auf die Marktentwicklung von Flachs und Hanf?

Im letzten Kapitel werden verschiedene Zukunftsszenarien für Flachs und Hanf vorgestellt, Empfehlungen für eine effiziente Entwicklung und Förderung der Marktetablierung ausgesprochen und schließlich zusammenfassend dargestellt, warum Flachs und Hanf eine Zukunft haben sollten: Beide Kulturpflanzen sind gut für die Landwirtschaft, für die regionale Wertschöpfung, für die Umwelt und für die Produktion von Bio-Werkstoffen für die “Rohstoffwende” – dem Übergang von der fossilen Rohstoffversorgung hin zu einer auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen. Welchen Weg aber werden Hanf und Flachs gehen? Kann die Politik günstige Rahmenbedingungen schaffen? Welche politischen Rahmenbedingungen und welche gezielten Fördermaßnahmen könnten positiven Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Naturfaserwirtschaft haben? Eine Antwort lautet: Energetische und stoffliche Nutzung sollten zukünftig von der Politik in gleicher Weise gefördert werden, z.B. auf Basis eingesparter CO2-Emissionen.

Vor diesem Hintergrund ist die Spannbreite der möglichen Zukunftsszenarien für die alten Kulturpflanzen Flachs und Hanf sehr groß. Im “Worst Case”- Szenario werden die Anbauflächen schrumpfen und beide Pflanzen zu Sonderkulturen für Nischenmärkte werden. Im “Best Case”-Szenario können beide Pflanzen eine wichtige Rolle bei der Rohstoffwende hin zu Bio-Werkstoffen spielen und ihre Anbauflächen massiv steigern.

Produktdetails
Michael Carus et al. (2008): Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU), Gülzower Fachgespräche, Band 26, 396 Seiten, 80 Abbildungen und 46 Tabellen.

Die Studie kann kostenlos auf www.fnr.de – Literatur bestellt werden oder hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

(Vgl. Meldungen vom 2008-02-12 und 2008-01-14.)

Source: nova-Institut GmbH, 2008-02-13.

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