2 Oktober 2007

Flachs: Anbau 2008 im Strudel steigender Agrarpreise

Flachsernte 2007 kurz vor Abschluss

Egon Heger, Heger.Hulda Natural Fibre Consultants, informiert über die aktuelle Lage in Flachsanbau und -verarbeitung: Eine selten schwere Erntesaison neigt sich dem Ende zu. Raufen, Wenden und Pressen zur gleichen Zeit belasteten Mensch und Maschine gleichermaßen. Immerhin röstete der Flachs infolge des wechselhaften Wetters sehr schnell, so dass selbst die letzten, Ende August gerauften Partien nun für eine Bergung in Frage kommen.

Vom Himmel gesandt war die Trockenperiode zum Monatswechsel August/ September, in der ein Großteil der Flächen auch im bis dahin arg gebeutelten Nordfrankreich eingebracht werden konnte. Allerdings sind die Stroherträge insgesamt unterdurchschnittlich, ebenso werden im Mittel nur unterdurchschnittliche Qualitäten erwartet. Insoweit wird die Auslastung der Verarbeitungsbetriebe insgesamt zurückgehen bzw. ist mit Mehrkosten bei verminderter Faserausbeute und -qualität zu rechnen. Die Preise für (textilen) Langflachs, immerhin bei mehr als 80% der gesamten Wertschöpfung der Branche, bewegen sich allerdings noch immer auf einem nicht Kosten deckenden Niveau.

Ein Grund dafür mag in den beträchtlichen Lagerbeständen liegen; dieser ist natürlich den Abnehmern bekannt. Derzeit gehen 85% der Langfasern nach China, bei den Kurzfasern steigt der Anteil gleichfalls an.
Die europäischen Landwirte haben ein höchst erfreuliches Jahr hinsichtlich der Preisentwicklung von Getreide hinter sich: Weizen hat Preissteigerungen in Jahresfrist von 100% trotz der Mindermengen im Vergleich zum Vorjahr entscheidende Impulse für eine beträchtliche Erhöhung des Deckungsbeitrages je Flächeneinheit geliefert. Je nach Region und Verkaufsverhalten erhöhte sich der Deckungsbeitrag je ha um 400 bis 1.100 €.

Kostendruck fördert Strukturwandel bei Verarbeitern
Da derzeit die Pachtverträge für das Anbaujahr 2008 ausgehandelt werden müssen die Anbauer bzw. die anbauenden Erstverarbeiter einen Gutteil dieses erhöhten Deckungsbeitrages in Gestalt erhöhter Pachtpreise anbieten, um überhaupt noch verpachtungswillige Landwirte zu gewinnen. Zudem hat auch der in Benelux und Frankreich verstärkte Anbau von Energiepflanzen zu einer Verknappung der Flächen und damit zu einer Erhöhung des Pachtniveaus geführt. Daraus ergibt sich eine ökonomische Zwangslage für Flachsanbauer bzw. die anbauenden Erstverarbeiter, die zu einem radikalen Strukturwandel in der gesamten Branche führen wird:

Stark steigende Kosten und konstant schlechte bzw. unauskömmliche Preise werden dazu führen, dass die Anbaufläche 2008 in der Größenordnung von mindestens 25% eingeschränkt wird. Dies wiederum führt zu einer verminderten Auslastung der Produktionsanlagen, wodurch deren Kosten auf eine kleinere Produktmenge zu verteilen sind. Im Endeffekt bedeutet dies, dass kleinere Betriebe aufgeben werden und größere Betriebe Ihren Anteil an Fremdkapital erhöhen müssen.

Bei den Beiprodukten der Langflachserzeugung ist derzeit ein Trend zu höheren Preisen erkennbar: der Preis für rohe Schäben hat sich im Verlauf der letzten Monate um etwa 25% erhöht, der Preis für Papierwerg bei langfristigen Kontrakten um etwa 15%. In gleicher Größenordnung wird voraussichtlich der Preis für Flachsfasern für technische Zwecke anziehen.

Wesentlich härter noch als der Flachssektor wird der Hanfsektor betroffen sein, da die gestiegenen Flächenkosten auf einen Flächenumsatz von nur rund 40% des entsprechenden Umsatzes bei Flachs umgelegt werden müssen. Da die Preise für die Hanfschäben aufgrund der Wettbewerbssituation im Einstreubereich (z.B. Strohpellets) nur wenig angehoben werden können, muss umso mehr auf die Hanffasern entfallen, die ihrerseits nur rund 50% des Umsatzes erwirtschaften. Insoweit wird eine mittelfristige Preiserhöhung von 20-25% für vliesfähige Hanffasern nicht zu vermeiden sein.

(Vgl. Meldungen vom 2007-05-10, 2007-02-06 und 2006-12-05.)

Source: Heger.Hulda Natural Fibre Consultants, 2007-09-27.

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