19 April 2005

Finnland: dem Kahlschlag in der Nachbarschaft folgt ökologisches Desaster

Aus Gründen des Katastrophen- und Naturschutzes wird die unkontrollierte Abholzung von Wäldern in immer mehr Ländern, vor allem in Ost-Asien, reglementiert. Die Überschussnachfrage der großen Holzverbraucher wie China oder Finnland sollen Importe aus Russland decken. Das bringt nicht nur einen angenehmen Devisenstrom mit sich, sondern mittelfristig vor allem ökologische und letztlich ökonomische Verluste, welche von den schnellen Gewinnen kaum aufgewogen werden können.

Seit langem ist bekannt, dass Raubbau an der Natur und insbesondere der wahllose Kahlschlag von Wäldern Naturkatastrophen mit üblen Konsequenzen für den Menschen nach sich ziehen kann. Konkrete Ereignisse, wie 1989 die gewaltigen Überschwemmungen in Thailand, 1998 in China, 2004 in Indonesien und auf Haiti und 2005 auf den Philippinen, brachten zumindest die Regierungsbehörden dazu, die Holzfällerei per Erlass stark einzuschränken, um weitere gefährliche Eingriffe in das Ökosystem zu verhindern. Auch im EU-Land Finnland, wo die extensiven Einschläge durch die zunehmend mehr Holz verbrauchende Papierindustrie mittlerweile das Kulturland der Saami und zahllose Tierarten bedroht, hat man reagiert und den Kahlschlag untersagt.

Die Holz- und Papierindustrie hat einen tendenziell immer größer werdenden Markt zu bedienen und in Finnland haben die Verbote in Folge zur Lieferverknappung des beliebten Rohstoffs geführt. Hier bietet sich vor allem der gute Nachbar Russland mit seinen scheinbar unerschöpflichen Holzreserven als Handelspartner an. Das Holz ist billig und auf eine nachhaltige Forstwirtschaft wird kaum Wert gelegt. Hier wird geholzt ohne Rücksicht auf Ressourcenschonung und die Taiga im Nordwesten des Landes verliert so jährlich ca. drei Prozent an Waldfläche.

Eine Studie von Audrey Mayer von der amerikanischen Umweltbehörde EPA untersuchte diese Vorgänge und zeigt auf, wie in diesem Fall sowohl der Importeur als auch Drittländer den ökologischen Schadens mit zu tragen haben. Durch die großflächigen Waldrodungen im Nordwesten Russlands kommt es zu Störungen der Wasserkreisläufe und des gesamten Ökosystems, was sich letztlich auch auf die angrenzenden Wälder Finnlands auswirkt. Ferner wird sogar die Tierwelt Norwegens und Schwedens in Mitleidenschaft gezogen, da z.B. Bären und Wölfe oder auch der seltene Weißrückenspecht zusammenhängende Waldgebiete von Russland bis nach Norwegen für ihre Wanderungsrouten benötigen.

Der mittelfristige ökonomische Schaden setzt sich aus zwei Aspekten zusammen. Der Erste liegt auf der Hand: Den Mitgliedern der lokalen Bevölkerung, die sich ihren Lebensunterhalt durch Tätigkeiten im Wald verdient haben, wird die Existenzgrundlage entzogen. Die Gewinne machen jetzt der russische Staat und die Großunternehmen der Papier- und Holzindustrie.

Langfristig wird aber auch Russland hier den Kürzeren ziehen, nimmt man das Kyoto-Abkommen in Betracht. Noch ist der Staat in der Lage, Emissions-Zertifikate zu verkaufen, da die enormen Waldflächen positiv angerechnet werden. Sollte allerdings die jährliche Einschlagsmenge nicht drastisch reduziert werden, wird diese Option sich absehbar vermindern.

Allgemein empfehlen die Wissenschaftler eine nachhaltige und intensive Waldbewirtschaftung sowie effizientere Produktionstechnologien. Mit Erfolg für den Wald ist daher aber nur zu rechnen, wenn der Flächenverbrauch drastisch sinkt.

(Vgl. Meldungen vom 2005-04-19 und 2005-03-02.)

Source: SpektrumDirekt vom 2005-04-16.

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