28 Juli 2005

FIBRE-Workshopreport: “Neue Möglichkeiten der DNA-Analyse für Textilien aus Kaschmir & Co.”

Am 23. Juni veranstalteten das Faserinstitut Bremen e.V. und die Firma Impetus Bioscience einen Workshop zum Thema “Neue Möglichkeiten der DNA-Analyse für Textilien aus Kaschmir & Co.”. Im Sitzungssaal der Bremer Baumwollbörse diskutierten rund 40 Teilnehmer aus Praxis und Wissenschaft dabei den aktuellen Stand der Detektionsmethoden und Praxisprobleme im Zusammenhang mit dem Handel von pflanzlichen und tierischen Fasern. Besonderer Schwerpunkt waren die DNA-Nachweisverfahren, die nun routinemäßig durchgeführt werden können.

In einem Fachbeitrag wurden von Herrn Cescutti (Faserinstitut Bremen e.V.) die Möglichkeiten und Grenzen der etablierten elektronenmikroskopischen Analytik vorgestellt. Während textilübliche Faserbehandlungen keinen direkten Einfluss auf die Unterscheidbarkeit zeigen, ist nach Erfahrung vom Faserinstitut Bremen die Unterscheidbarkeit mit der Rasterelektronenmikroskopie (REM) stark abhängig von Kaschierungen, die die Fasermorphologie maskieren können. Am Beispiel von Fasermischungen oder Polymerkaschierung, die eine sehr schwierige mikroskopische Unterscheidbarkeit der Fasern nach sich ziehen, wurde auf die Vorteile einer Ergänzung mit der DNA-Analytik hingewiesen.

Herr Dr. Kruse (Impetus GmbH & Co. Bioscience KG) präsentierte die Grundlagen und die Durchführung der von der Firma Impetus Bioscience entwickelten DNA-Tests. Am Beispiel von pflanzlichen und tierischen Fasermischungen konnte der Nachweis geringer Beimischungsanteile nachhaltig demonstriert werden. Durch den Einsatz von DNA-Tests wird eine qualitative Detektion der Fremdfasern von Yak und Schaf in Kaschmirtextilien erstmals möglich. Besonders attraktiv sind DNA-Tests in Kombination mit der Rasterelektronenmikroskopie (REM) damit eine größtmögliche Absicherung der Prüfergebnisse gewährleistet wird.

Herr Hertel von der Firma HempAge AG stellte die Erfahrungen seiner Firma mit undeklarierten Beimischungen bei Textilien aus Hanffasern dar. Herr Hertel betonte, dass undeklarierte Beimischungen aus Baumwolle und Ramie häufig in als 100% Hanf ausgezeichneten Textilien zu finden sind.
Hanfgarne aus Fasermischungen (z.B. Flachs/Hanf) sind optisch von reinen Hanfgarnen nicht zu unterscheiden und sind am Markt zu billigeren Preisen als für ein Hanfgarn zu erwerben, so Hertel. Die Qualität der eingekauften Hanfgarne ist derzeit nur durch langjährige Zusammenarbeit und persönliches Vertrauen zu Herstellern und Lieferanten zu garantieren. Leider hat es sich gezeigt, dass nur wenige Untersuchungslabore zuverlässig Hanf, Flachs und Baumwolle differenzieren können.

Als Hersteller und Importeur von Kaschmirtextilien berichtete Herr von der Hagen von der Firma Cashmere Products aus Hamburg über die auftretenden Praxisprobleme beim Handel mit Kaschmirprodukten. Die immer stärkere Nachfrage nach Kaschmirprodukten hat in den letzten Jahren zu einer starken Erhöhung der Rohstoffpreise geführt. Als Folge hiervon sind immer mehr Beimischungen anderer Fasern in Kaschmirrohwaren aufgetreten. Die Vergleichbarkeit der Faserprüfungen aus verschiedenen Prüflaboratorien wurde von Herrn von der Hagen als sehr schlecht eingestuft, da sehr unterschiedliche Prüfergebnisse bei den letzten durchgeführten CCMI (Cashmere & Camel Hair Manufacturers Institute/Boston) Rundtesten und bei Auftragsanalysen, die von der Firma Cashmere Products vergeben wurden, in verschiedenen Prüflaboren erzielt wurden. Herr von der Hagen wünschte sich, dass zukünftig eine verbesserte Harmonisierung der Prüfergebnisse mit dem REM seitens der Prüflaboratorien erreicht wird. In diesem Zusammenhang würde die Firma Cashmere Products es begrüßen, wenn die jetzt verfügbare qualitative DNA-Analytik durch eine quantitative DNA-Analytik ergänzt werden könnte.

Im Ihrem Fachbeitrag stellte Frau Heinrichs von der Firma Karstadt AG die Problematik mit Kaschmirwaren aus Sicht des Handels dar. Frau Heinrichs betonte die Wichtigkeit der Kaschmirwaren im Sortiment der Karstadt AG. Für die Deklarierung der Kaschmirtextilien wird ein biologischer und morphologischer Ansatz verwendet, um die hohe Glaubwürdigkeit gegenüber dem Kunden sowie die Imageerhaltung der Faserklasse Kaschmir zu sichern. Bei der Vergabe von Prüfaufträgen nannte Frau Heinrichs die hohe Fachkompetenz der Prüfinstitute, eine langjährige erfolgreiche Teilnahme an Rundtesten und der persönliche Kontakt zum Prüflaboratorium als entscheidende Punkte. Die Einkaufskriterien der Firma Karstadt AG sollten dem Ziel dienen, Kaschmirtextilien mit überragenden Qualitäten anbieten zu können.

Kontakt

Dr. Hermann Rüggeberg
Impetus GmbH & Co. Bioscience KG
Fischkai 1, 27572 Bremerhaven
Tel.: 0471-4832-340
Fax: 0471-4832-341
E-Mail: h.rueggeberg@impetus-bioscience.de
www.impetus-bioscience.de

Herr Cescutti
Faserinstitut Bremen e.V. (FIBRE)
Gebäude IW3
Am Biologischen Garten 2
28359 Bremen
Tel.: 0421-218-3112
Fax: 0421-218-3110
E-Mail: cescutti@faserinstitut.de

Source: "Workshopreport des Faserinstituts Bremen e.V. (FIBRE) vom 2005-07-20.

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