7 April 1999

“Feiner Zwirn” der Zukunft aus Nessel: Naturstoff mit wohligem Tragekomfort

Modellprojekt soll
Produktionsprozeß verbessern – Faserdicke als
Schlüsselproblem – Umweltstiftung fördert mit 1,63
Millionen Mark

Rudolstadt / Osnabrück. Die
Kulturpflanze Nessel soll in Deutschland bald neue
Blüten treiben! Vom Anbau bis zum Herstellen von
Kleidung sollen die einzelnen Produktionsphasen
verbessert, soll dieser Naturstoff in Zukunft mehr und
mehr zum "feinen Zwirn" verarbeitet werden –
und das zu marktgerechten Bedingungen. Die Nesselfaser
soll dabei so fein zerlegt werden, daß die aus ihr
geschneiderte Kleidung ausgesprochen angenehm zu tragen
ist – bisher der große Nachteil mancher
Naturtextilien. Mit 1,63 Millionen Mark fördert die
Deutsche
Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück)
dieses Modellprojekt. Durchgeführt wird
es vom
Thüringischen
Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung in
Rudolstadt
mit Partnern
aus Brandenburg und Niedersachsen.

Das Interesse der Verbraucher an
Naturtextilien nehme ständig zu, so Generalsekretär
Fritz Brickwedde in einer Pressemitteilung der größten
Umweltstiftung Europas. Neben Flachs und Hanf gerate die
einheimische Nessel immer stärker in den Blickpunkt: Sie
könne so fein zerlegt werden, daß sie sich verspinnen
lasse und maschinell verarbeitet werden könne. Das
hätten Vorversuche bewiesen. Die Feinheit ihres Gewebes
garantiere damit eine ganz andere, angenehmere Qualität
ihrer Stoffe.

Mit dem Projekt solle der
Produktionsprozeß "von der Wiege bis zur
Bahre" verbessert werden: Dazu müßten Anbau und
Qualität des Faserrohstoffs verbessert, noch feinere
Fasern als bisher gewonnen und technische Möglichkeiten
gefunden werden für das Verarbeiten zu Garnen und
Geweben. Am Ende sollten Textilien stehen, die dem
An-spruch an Qualität und Gebrauchseigenschaften gerecht
werden.

Neben den ökologischen sollten
auch ökonomische Aspekte berücksichtigt werden:
"Die Ware muß sich verkaufen lassen."

In einem ständigen
Rückkopplungsprozeß zwischen allen Beteiligten sollten
neugewonnene Erkenntnisse laufend in das Projekt
einfließen. Beteiligt sind neben dem Thüringischen
Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung die Spremberger Tuche GmbH
(Brandenburg), die
Langhein-Textil GbR in
Börnicke (Brandenburg), das
Institut für angewandte
Botanik der Universität Hamburg
sowie das Institut
für Pflanzenbau und –züchtung der Universität
Göttingen (Niedersachsen).

Quelle: http://dbu.umweltschutz.de/presse/

Source: http://dbu.umweltschutz.de/presse/

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