11 Dezember 2001

Faserpflanzenprojekt “Retex” mit guten Perspektiven für die Lausitz abgeschlossen

Mit einer positiven Bilanz können die Lausitzer Hanf- und Flachs-Pioniere nach Abschluss des dreijährigen, “Retex” genannten Pilotprojektes in die Zukunft der brandenburgischen und sächsischen Faserverwertung blicken. “Ziel ist der Aufbau textiler Verwertungsketten heimischer Faserpflanzen für Brandenburger Erzeugnisse aus Hanf und Flachs und die Entwicklung von Marktaktivitäten kleiner und mittlerer Unternehmen”, erklärt Rüdiger Albert, Geschäftsführer des koordinierenden Centrums für Innovation und Technologie (CIT) Guben GmbH. Das von der Europäischen Union, dem Land Brandenburg und dem Spree-Neiße-Kreis seit 1999 mit über einer Mio. DM geförderte Programm unterstützt den Strukturwandel in den Regionen, die einst von der Textilbranche dominiert wurden. (Vgl. auch Meldung vom 2000-01-27).

So ist inzwischen ein Netzwerk entstanden, das nicht nur brandenburgische Unternehmen, Forscher und Investoren verbindet, sondern sich auch schon nach Sachsen, Polen, Tschechien und Kanada erstreckt. “Wir haben ein optimales Umfeld und alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Investitionen beginnen können”, resümiert Dr. Peter Henschke, Geschäftsführer des Naturfaserverbundes Brandenburg, “Jeder, der hier in die Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe investieren will, ist uns willkommen.” Dies betrifft vor allem das Projekt einer Faseraufschlussanlage in Spremberg, für die noch solvente Partner gesucht werden.

“Ende November wurde in Spremberg die erste Interessengemeinschaft von Landwirten der Region für den Anbau von Hanf und Flachs gegründet”, berichtet Henschke. In Luckau und ab Januar 2002 in Sachsen wollen weitere Landwirte diesem Beispiel folgen, womit der Anbau von Faserpflanzen als Grundlage für die Weiterverarbeitung gesichert ist. Auch rund 50 Arbeitsplätze können auf diese Weise neu geschaffen werden.

Weiterhin im Gespräch bleiben indes die Projekte zur Produktion von Hanf-Zellstoff in Ortrand und dem Aufbau eines Polymer- und Compondeur-Zentrums am Standort des ehemaligen Chemiefaserkombinats in Guben (vgl. auch Meldung vom 2001-01-31). Insgesamt wird deutlich, dass trotz Auslaufen der Förderung die Pionierarbeit in der Lausitz weiter geht. Ein Highlight wird hierbei der Besuch der Kanadier im Frühjahr sein, die sich für das Lausitzer Know-How zur Ernte und Hanf-Aufbereitung interessieren (vgl. auch Meldungen vom 2001-05-02, 2000-03-08 und 1999-06-29).

“Wenn uns all das gelingt, was wir bei nachwachsenden Rohstoffen angekurbelt haben, dann reden wir über den schrittweisen Aufbau einer neuen Umweltbranche”, prognostiziert Peter Henschke zuversichtlich, der sowohl textile Bereiche, als auch die energetische Verwertung von Pflanzen und den Einsatz von Pflanzenstoffen bei der Entwicklung neuer Materialien für die Möbel- und Bauindustrie anvisiert.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Lausitzer Rundschau vom 2001-12-11.

Source: Lausitzer Rundschau vom 2001-12-11.

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