16 Dezember 2013

Fasernessel: Neue Klone mit gut 25 Prozent mehr Fasergehalt

Erfolgreiches Züchtungsprojekt abgeschlossen

2013-57_Faserbrennnessel

Abbildung: Neuzüchtung der Faserbrennnessel Urtica dioica L. – vielversprechend im Feldanbau. Dank moderner Verarbeitungsmethoden kann man aus den Fasern der Brennnessel heute ein Nesseltuch mit sehr guten textilen Eigenschaften herstellen. Auch für technische Gewebe ist die Fasernessel geeignet. Foto: Sven Wartenberg, Institut für Pflanzenkultur

Die Faser-Brennnessel (Urtica dioica L. convar. fibra) rückt als Lieferant für einheimische Fasern wieder stärker in das Interesse der Textil- und Werkstoffindustrie. Dem Institut für Pflanzenkultur (IFP) im Wendland und dem Faserinstitut Bremen e.V. gelang es nun, vielversprechende Klone aus Ursprungsmaterial zu züchten: Ihr Faseranteil liegt bis zu gut einem Viertel über dem der besten bislang bekannten Fasernessel-Sorten. Außerdem entwickelten die Forscher eine in vitro-Kulturmethode1 zur Vermehrung für diese Pflanzenart weiter.

Als Fasernesseln nutzte man ursprünglich die Wildform der Großen Brennnessel, später selektierte man Sorten mit hohen Fasergehalten. Neben Hanf und Faserlein gehörte die Brennnessel bis zum 2. Weltkrieg zu den wichtigsten einheimischen Faserpflanzen, danach geriet sie in Vergessenheit. Dank neuer Verarbeitungsmethoden kann man heute aus ihren Fasern Stoffe in der Feinheit von Baumwolle mit sehr guten textilen Eigenschaften oder Vliese für technische Zwecke weben.

Die bislang übliche Vermehrung über Stecklinge ist allerdings für den großflächigen Anbau wenig geeignet und auch beim Fasergehalt der vorhandenen Sorten besteht noch Optimierungspotenzial.

Nun gelang es den beiden Projektpartnern, 4 Klone zu züchten, die sich durch hohe Faserfestigkeiten (über 30 cN/tex), gute Feinheiten (30 bis 35 µm) und hohe Fasergehalte (bis zu 26,9 Prozent über den Stammklonen) auszeichnen.

Generell sollten Fasern für eine Verarbeitung zu Textilien oder Verbundwerkstoffen Festigkeiten von über 20 cN/tex und Feinheiten zwischen 30 und 35 µm aufweisen.

Es zeigte sich allerdings auch, dass die Fasergehalte je nach Erntejahr sehr unterschiedlich ausfielen und teilweise um mehr als 5 Prozentpunkte schwankten. Für eine abschließende Bewertung der Genotypen wäre deshalb ein großflächiger, praxisnaher Feldanbau wertvoll.

Die Abschlussberichte zum Vorhaben „Züchtung faserreicher, ertragreicher und widerstandsfähiger Fasernesselklone mit guten Faserqualitäten und Entwicklung eines effizienten und kostengünstigen Vermehrungsverfahrens“ stehen auf www.fnr.de im Menü Projekte & Förderung unter den Förderkennzeichen 22026207 und 22026307 zum Download zur Verfügung.

1in vitro-Kultur: Vermehrung von Pflanzen auf künstlichem Nährmedium

Source: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), Pressemitteilung, 2013-12-13.

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