5 März 2001

Faserhanf und THC Pharm

Die Chemiker der THC Pharm in Frankfurt gewinnen aus Faserhanf den Wirkstoff THC (= Dronabinol), der seit 1998 “verkehrsfähig” ist und von Ärzten z.B. als schmerzlinderndes Alternativmedikament verordnet werden kann. Geliefert wird an ca. hundert Apotheken deutschlandweit, wo dann Kapseln oder Tropfen als Endprodukt entstehen. “Das Verfahren ist völlig legal, so lange die Abgabemenge nicht hundert Packungen pro Tag überschreitet”, erläutert THC Pharm-Chef Christian Steup seine Geschäftsidee, die chronischen Schmerzpatienten illegale oder umständliche Beschaffungswege aus dem Ausland erspart.

Firmen, die “Marinol” aus den USA oder “Nabilone” aus England importieren, müssen sich juristisch auskennen und brauchen viel Geduld. Zudem sind viele Ärzte mit der Verordnung dieser Produkte zurückhaltend, da die hohen Kosten ihr Budget belasten, denn derzeit kann eine Tagesdosis nach Apothekerauskunft 150 Mark kosten. Außerdem bestehen ärztlicherseits immer noch Vorurteile hinsichtlich des therapeutischen Nutzens.

Gerhard Müller-Schwefe, Tagungsleiter des “Deutschen Schmerztags” (Beginn: 15. März 2001) ist da anderer Meinung: “Es gibt chronische Schmerzpatienten, bei denen ist Cannabis wirksamer als alles andere”. Das eigentliche Problem sei die Kriminalisierung von Medizinalhanf, denn alle legal erhältlichen Cannabis-Medikamente enthalten als einzigen Wirkstoff nur THC, “viele Patienten berichten aber, dass die natürliche Mischung der Cannabinoide wirksamer ist als das reine THC.” “Die Forschung wird behindert, weil Cannabis von der Politik kriminalisiert wird”, kommentiert die “Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin” in Köln.

Die deutsche Bundesregierung steht dem Einsatz von Cannabis in der Medizin grundsätzlich positiv gegenüber: “In Deutschland steht dem kontrollierten Einsatz als Arzneimittel nichts mehr im Wege”, erklärte die Drogenbeauftragte Marion Caspers-Merk.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Wiener Zeitung vom 05.03.2001.

Source: Wiener Zeitung vom 05.03.2001.

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