30 November 2000

Faserdämmstoff-Herstellung aus Hanf in ehemaligem Kraftwerk

Inmitten des sachsen-anhaltischen Hanf-Anbaugebietes, im stillgelegten ehemaligen Kraftwerk Zschornewitz, entsteht seit April 1999 eine Forschungs- und Laborstrecke für Hanftechnologien. Günter Piechatzek von der Treuhanf Sachsen-Anhalt Investitions GmbH, der einen hier entwickelten Hanfmatten-Dämmstoff bereits zum Patent anmeldete, verspricht sich neue Wertschöpfungskreisläufe aus dem ökologisch orientierten Strukturwandel der Region und dem Anbau sowie der Weiterverarbeitung von Hanf.

So kaufte die Treuhanf GmbH erstmals 1998 die Hanfernte von Bauern des Umlandes auf, um sie in Zschornewitz einzulagern. “Denn Hanf gewinnt als ökologisch wertvoller Grundstoff einen neuen Stellenwert. Wurden bisher die Pflanzenfasern vor allem für Seilerwaren und gröberes Geflecht verwandt, wächst nun auch sein Einsatz als nachwachsender Dämmstoff für die Industrie”, so Piechatzek (vgl. auch Meldung vom 28.06.99). Auch wenn die Hanfdämmstoffe erst ab einem bestimmten Produktionsvolumen mit konventionellen Dämmstoffen wie Glas- und Steinwolle konkurrieren können, rechnet er mit einem ethischen Umdenken bezüglich des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen und der Schaffung/Sicherung von Arbeitsplätzen.

Der Ingenieur für Verfahrenstechnik arbeitet an einem wettbewerbsfähigen Wanddämmstoff aus Hanf, der sich auch preiswert genug herstellen lässt. Das Berliner Mutterhaus TreuHanf AG entwickelte außerdem ein spezielles Natur-Bau-System, u.a. für Holzbeplankung, Lehminnenausbau und modernste Haustechnik.

Mit einem Marktanteil von 20 bis 30 % für Naturfaserdämmstoffe rechnet Piechatzek zuversichtlich, falls sie preislich konkurrenzfähig werden. Diesen Bedarf könnte seine Hanffabrik mit 90.000 Kubikmeter nur zu einem kleinen Teil abdecken.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: “Regional” Sachsen-Anhalt vom 30.11.2000.

Source: "Regional" Sachsen-Anhalt vom 30.11.2000.

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