12 Januar 2010

Fahrradrahmen aus Nachwachsenden Rohstoffen

Innovatives im Zweiradbereich aus Bambus und Hanf

Nach Automobilkarosserien, diversen Sportgeräten, -Schuhen und Bio-Werkstoffen tun sich nun auch im Fahrrad-Design neue Wege in der Nutzung Nachwachsender Rohstoffe auf. Anstelle von Karbon oder Aluminium werden für die Rahmenkonstruktion mittlerweile auch Bambus und Hanf eingesetzt.

© SpiegelVorreiter ist der in Kalifornien ansässige Rahmendesigner Craig Calfee, der schon Mitte der Neunziger die zündende Idee hatte, Bambus für den Fahrradbau zu verwenden. Calfee, der für eine Fahrradmesse ein innovatives und publikumswirksames Produkt schaffen wollte, stieß per Zufall auf die positiven Materialeigenschaften des Bambus. Beim Raufen mit seinem Hund und einem Bambusstock war Calfee verblüfft über die Stärke und Festigkeit des Süßgrases. Er baute einen Fahrradrahmen aus Bambus und entwickelte das Messemodell später weiter, indem er mit dem Material experimentierte und an Verbesserungen tüftelte.

Die Vorteile von Bambus sind Materialhärte, schnelles Wachstum und ein weltweit hohes Aufkommen. Den Nachteil des Splitterns überwand Calfee, indem er die Rohre in einem4 Monate währenden Prozess räucherte und hitzebehandelte. Die Verbindung der Rohre besteht aus mit Epoxidharz verstärkten Hanffasern. Das heutige Endprodukt ist ein EFBe-geprüfter Mountainbike-Rahmen, der einem Gewicht von 950 kg standhält und bei Calfee für ca. 2.700 Dollar erworben werden kann.

Doch Calfee sammelt nicht nur Preise für sein Bambusrad wie “Bicycle with the lowest carbon footprint”. Er rief mit Unterstützung des Earth Institute der Universität Columbia die Initiative “Bamboosero” ins Leben, die in Afrika Produktionsstätten für Bambusbikes ermöglicht. Das Material wächst dort vor der Tür, was nahelegt, es für den Bau eines solch praktischen Fortbewegungs- und Transportmittels in eigenen Werkstätten und Läden herzustellen und zu verkaufen. Bamboosero hat ein Projekt in Ghana, weitere in Zambia, auf den Philippinen, Uganda und Neuseeland sind geplant oder stehen kurz vor der Umsetzung. Eine von Calfees Kreationen sind das “Bamboo School Bus Bike”, mit dem 6 Kinder transportiert werden können.

Das Beispiel des Bambusrads hat Schule gemacht. Überall in der Welt machen sich neuerdings Designer, Ingenieure und Radprofis ans Werk und arbeiten an Fahrrädern aus Nachwachsenden Rohstoffen. Dazu zählen der Slowake Bruno Mares, der kalifornische Radsportprofi Nick Frey sowie der deutsche Ingenieur Nicolas Meyer, der ein Triathlonrad aus Hanf entwickelte. Dieses Rad besteht aus 60% Hanf und 15% Bambus. Auch hier ist der Rahmen, der aus Styropor besteht, mit in Epoxidharz getränkten Hanffasern umwickelt. Das Gewicht des Rahmens entspricht dem eines hochwertigen Aluminiumrahmens.

Source: Spiegel Online, 2010-01-06.

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