26 März 2004

Färberwaid als Brandschutzmittel!

Entdeckung hat bereits Europa-Patent

Als der ehemalige Traditionsbetrieb Thüringer Waid GmbH aufgeben musste, hat der Lippstädter (Westfalen) Naturforscher und Unternehmer Herbert Kramer sich der Produktionsstätte angenommen. Mit seinen biotechnologischen Anwendungen hatte sich der Erfinder zuvor schon als Bita GmbH in der Gemeinde Neudietendorf etabliert.

Das Färberwaid hatte es ihm angetan und so bestellte der 53-Jährige in den letzten Jahren rund 36 Hektar Anbaufläche mit der Pflanze. Ursprünglich sollte das Kraut als Trägermaterial für Schuheinlegesohlen dienen, dann aber fand Kramer, als er den Produktionsverlauf von der Pflanze zur Farbe studierte, eine bräunlich-wässrige Lösung, die quasi als “Abfallprodukt” mit gewaltigem Geruchsaufkommen bislang nur der Entsorgung diente.

Der innovative Tüftler fand heraus, dass der darin enthaltene Stoff keinen Sauerstoff enthielt – und so die Voraussetzungen zur Feuerfestigkeit mit brachte. “Das lässt sich vielfach anwenden”, so der Erfinder – und schwärmt von feuerfesten Reetdächern oder Hanfdämmungen nach einem Waid-Bad. Auch die Automobilindustrie dürfte von diesem ökologischen Brandschutz profitieren. Im vergangenen Herbst hatte die braune Brühe schon ihre “Feuertaufe”, als in einem holländischen Tunnel, der mit Waid-getränkten Holzplatten ausgekleidet war, eine Explosion simuliert wurde, der die Verkleidung bestens stand hielt.

Worauf Kramer mit Recht stolz ist: seine Erfindung dient nun dem Wertschöpfungskreislauf der Waidpflanze als krönender Abschluss. Und an Anwendungen mangelt es nicht, ob für Baustoffe, Farben und als Brandschutz – nun wird alles verwertet. Vom 2. bis 5. April wird Herbert Kramer seine Erkenntnisse auf der Erfindermesse in Genf vorstellen und hofft, für seine Entdeckung gute Vermarktungsmöglichkeiten aufzutun.

Sollte sich dies entwickeln, würde er gern expandieren und dies dürfte dann auch der regionalen Entwicklung seiner Gemeinde zugute kommen. “Ich bin kein Fanatiker. Aber ich werde kontinuierlich ausbauen”, dämpft der Forscher überhöhte Hoffnungen auf “Arbeitsplatzbeschaffung”. Inzwischen will er aber auch an anderen Projekten weiter tüfteln, wie z.B. einem Graffiti-Lösemittel, Wildschwein-Fernhaltemittel und einem Duftstoff, der Kaninchen das Blumen knabbern vermiest.

(Vgl. Meldung vom 2004-02-13.)

Source: tlz.de vom 2004-03-26.

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