18 November 2008

Fachverband Biogas: Ausbau kommt in Fahrt

Für 2009 deutliches Branchenwachstum erwartet

Der Fachverband Biogas e.V. schätzt, dass im Jahr 2009 rund 780 neue Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Gesamtleistung von mindestens 200 Megawatt (MW) errichtet werden. Nachdem von September 2007 bis September 2008 nur 180 Anlagen mit insgesamt ca. 105 MW installiert wurden, wird das neue Jahr wieder deutlichen Schwung in den Biogasmarkt bringen, so der Branchenverband anlässlich der Weltagrarmesse Eurotier 2008. Eine Absage erteilt Verbandspräsident Josef Pellmeyer Vermutungen, die Biogasnutzung trage Verantwortung für die Ende 2007/ Anfang 2008 gestiegenen Getreidepreise: “Biogas ist mit der Ganzpflanzen- und Güllenutzung sowie seinen geringen Konversionsverlusten und geschlossenen Nährstoffkreisläufen der Schlüssel für eine hocheffiziente und in den landwirtschaftlichen Betrieb integrierte Biomassenutzung”, so Pellmeyer.

Vor dem Hintergrund endlicher fossiler Energieträger, dem Klimawandel und der steigenden Weltbevölkerung kann heute niemand vorhersehen, was in zehn Jahren auf einem Hektar Ackerland produziert werden muss. “Es wird auf jeden Fall neben Nahrungsmitteln, auch das Lebensmittel “Energie” dazugehören”, so Pellmeyer. Daher stellt sich nicht die Frage Tank oder Teller, sondern es wird vielmehr um die Herausforderung gehen weltweit Tank und Teller zu füllen. Spätestens dann wird es sich auszahlen, dass der Bonus für Nachwachsende Rohstoffe, der so genannte NawaRo-Bonus, im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland eine weltweit einmalige Entwicklung angestoßen hat: die Züchtung von speziellen Energiepflanzen, die möglichst hohe Biomasseerträge und damit Energieerträge pro Hektar erzielen. Der Biogasproduktion aus Energiepflanzen aber auch der Nutzung vorhandener landwirtschaftlicher Nebenprodukte, wie Gülle, kommt somit eine zentrale Bedeutung zu. Biogas wird nach der Überzeugung des Fachverbandes Biogas in vielen Ländern der Schlüssel zur Kombination von Nahrungsmittel- und Energieproduktion in der Landwirtschaft werden. Dabei kann Biogas gleichermaßen zur bedarfsgerechten und grundlastfähigen Strom- und Wärmeproduktion oder zur Erzeugung von Kraftstoffen genutzt werden.

Die Biogasnutzung jedoch dafür verantwortlich zu machen, dass die Getreide- und Brotpreise Ende 2007/Anfang 2008 derart stark gestiegen sind, entbehrt jeglicher Grundlage. “Genau diese Argumentation hatte die Lebensmittelbranche verfolgt, um einen Schuldigen für den Getreide- und Brotpreisanstieg zu finden”, sagt Pellmeyer. Der Anteil des Getreides beispielsweise am Brötchenpreis (1,5 Prozent) oder am Bierpreis (2,5 Prozent) ist verschwindend gering. Darüber hinaus hat die deutsche Biogasproduktion mit ihrem maximal 500.000 Hektar umfassenden Flächenbedarf (knapp 3% der deutschen Landwirtschaftsfläche) keinen signifikanten Einfluss auf die Getreidepreise. Der zurückliegende Getreidepreisanstieg basiert auf der enorm gestiegenen Weltmarktnachfrage nach Lebensmitteln, den sich ändernden Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern und weltweit schlechter Ernten.

Biogas kein Preistreiber: Mehr Biogasanlagen und sinkende Getreidepreise in 2008
Die Zahl der Biogasanlagen hat sich seit Jahresbeginn weiter erhöht (Abb. 1). Gleichzeitig ist seit Juli 2008 ein starker Preisverfall bei Brotweizen zu verzeichnen. Der Verlauf der beiden Kurven macht unmissverständlich deutlich, dass die deutsche Biogasproduktion keinen treibenden Einfluss auf die Getreide- und Brotpreise hat, sondern die komplexen Weltagrarmärkte. Im Gegensatz dazu kann die energetische Nutzung von Biomasse jedoch als eine für die gesamte Landwirtschaft notwendige Bremse auf den neuerlichen Preisverfall bei Rohstoffen vom Acker wirken und die zunehmenden Preisschwankungen abfedern.

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Güllebonus ermöglicht klimaschonende Neuinvestitionen
Mit der Einführung des sogenannten Güllebonus im EEG 2009 werden zukünftig die positiven Klimaschutzeffekte durch gezielte energetische Nutzung von Methan durch die Biogastechnologie honoriert und vorangetrieben. Mit dem Güllebonus wird es möglich, dass viehhaltende Betriebe standortangepasste Biogasanlagen errichten und somit eine zusätzliche Einnahmequelle (weiteres Standbein) erschließen. So ist alleine aus der Gülle von 3.000 Mastschweinen beispielsweise eine Biogasanlage mit rund 70 kW zu realisieren. Die Wärme der Biogasanlage kann zur Beheizung des Schweine- oder Geflügelstalls genutzt werden. Damit lassen sich die immer teurer werdenden fossilen Energieträger, wie Erdgas und Heizöl, ersetzen. Die Energiekosten werden für den landwirtschaftlichen Betrieb, dem Gülle innerbetrieblich zur Verfügung steht, erstmals langfristig planbar.

Aufschwung für 2009
Insgesamt schätzt der Fachverband Biogas e.V., dass im Jahr 2009 rund 780 neue Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Gesamtleistung von mindestens 200 Megawatt (MW) errichtet werden (Abb. 3). Nachdem von September 2007 bis September 2008 nur 180 Anlagen mit insgesamt ca. 105 MW installiert wurden, wird das neue Jahr wieder deutlichen Schwung in den Biogasmarkt bringen. Bei den Biogasfirmen gehen bereits jetzt wieder vermehrt Anfragen nach Biogasanlagen, vor allem im unteren Leistungsbereich, ein. Eine Marktüberhitzung, wie sie in 2006 stattfand, wird es aufgrund der Erfahrungen der Landwirte mit schwankenden Agrarpreisen nicht mehr geben. Nach den neusten Erhebungen des Fachverbandes Biogas werden in Deutschland derzeit 3.890 Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Gesamtleistung von 1.380 MW betrieben (Abb. 1).

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Weitere Informationen
Eurotier 2008: Mit Biogas werden Tank und Teller voll (Pressemitteilung des Fachverbands Biogas, PDF-Dokument)

Kontakt
Fachverband Biogas e.V.
Bastian Olzem
Referatsleiter Politik
Hauptstadtbüro Berlin
Tel.: 030-275 81 79-0
E-Mail: olzem@biogas.org

Source: Fachverband Biogas, Pressemitteilung, 2008-11-12.

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