14 Dezember 2009

Fachseminar “Miscanthus – eine lohnende Option?”

Anbau und Nutzung standen im Mittelpunkt der Veranstaltung

Mehr als 90 Teilnehmer, darunter internationale Gäste aus Luxemburg, Österreich und der Schweiz informierten sich Ende November in Wagenfeld (Landkreis Diepholz) über Chancen und Risiken des Miscanthusanbaus. Veranstaltet wurde das Fachseminar vom 3N-Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe. Nach den Vorträgen zum Anbau und zur Nutzung der Dauerkultur schloss sich eine Exkursion zu Praxisflächen der Miscanthus OppStock GbR an, die mittlerweile 27 ha Miscanthus bewirtschaftet. Im dritten Jahr wurden auf besseren Standorten zwischen 16 und18 t FM/ha, auf leichteren Standorten 10 bis 12 t FM/ha geerntet, berichtete Christian Melcher, der mit zwei weiteren Landwirten die Miscanthusproduktion betreibt.

(© Kompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe)
(© Kompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe)

Das LTZ untersucht bereits seit 1989 verschiedene Fragestellungen zur Anbaueignung und Ertragsleistung, erläuterte Kerstin Stolzenburg vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg. Im aktuellen Projekt “Biomasse aus Kurzumtrieb” werden 34 schnellwachsende Hölzer, drei Miscanthussorten sowie Switchgrass und Durchwachsende Silphie auf vier Standorten in Baden-Württemberg geprüft. Grundsätzlich kann Miscanthus als praxistaugliche Kultur bezeichnet werden, die auf guten Standorten bis zu 20 t TM/ha und Jahr liefert, bestätigte die Expertin. Der derzeitige Forschungsschwerpunkt liegt eindeutig in der energetischen Nutzung der C4-Pflanze, aber auch als Kultursubstrat im Gemüseanbau eignen sich Miscanthushäcksel gut.

Prof. Ralf Pude, Universität Bonn, berichtete von weiteren interessanten Nutzungsoptionen als Tiereinstreu oder in Leichtbetonwänden. Auch seien Lärmschutzwände aus Miscanthus mit hohem Schallschluckvermögen erfolgreich entwickelt worden und befinden sich im Einsatztest. Die Nutzung als Zuschlagstoff in Bauprodukten ist hingegen noch im Forschungsstadium.

Auf die speziellen Aspekte der energetischen Miscanthsuverwertung ging Dr. Wolfgang Oest, stellv. Vorsitzender der Internationalen Vereinigung für Miscanthus (MEG) e.V. ein. Aufgrund der geringen Schüttdichte von Miscanthus ( ca. 120 kg/m3) sei die Verbesserung der Transportwürdigkeit durch Verpressung des Häckselmaterials zu Pellets oder Briketts eine Option. In der anstehenden Novellierung der 1. Bundesimmisionsschutzverordnung (BImSchV) sind Miscanthushäcksel und -pellets neu als Brennstoff zugelassen. Unklar sei indes die Regelung für Miscanthusbriketts.

Mehrere Holzheizanlagen-Hersteller, haben ihre Kessel mittlerweile für den Einsatz von Miscanthus freigegeben, was den Einsatz halmgutartiger Biobrennstoffe in Zukunft fördern wird, berichtete Carsten Brüggemann von der LWK Niedersachsen. Im Vergleich zu Holz weist Miscanthus allerdings einen leicht geringeren Heizwert auf, bei den Inhaltsstoffen Stickstoff, Kalium und Chlor liegen die Konzentrationen hingegen deutlich höher als bei Holz. Für Feuerungsanlagen, die nach Inkrafttreten der novellierten 1. BImSchV errichtet werden, ist bei Einsatz von Miscanthushäckseln oder -pellets als Brennstoff eine Typprüfung und die Einhaltung der neuen Grenzwerte (Dioxine, Furane) nachzuweisen, informierte der Referent.

Grundsätzlich kann Miscanthus eine lohnende Option für die Landwirtschaft sein, unter der Voraussetzung, dass Standortsauswahl, Flächenvorbereitung und Pflanzung sorgfältig ausgeführt und regionale Nutzungskonzepte realisiert werden, lautete das Resümee von Praktikern und Wissenschaft.

Source: 3N-Kompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe, Pressemitteilung, 2009-12-11.

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