9 Dezember 2005

Fachkongress “Biogene Kraftstoffe – Möglichkeiten und Grenzen”

230 Teilnehmer in Straubing

Zum Fachkongress “Biogene Kraftstoffe – Möglichkeiten und Grenzen” fanden sich am 5. Dezember über 230 Teilnehmer in Straubing, der Stadt der Nachwachsenden Rohstoffe, ein. Hierher hatten, unter organisatorischer Leitung des C.A.R.M.E.N. e.V., der Mineralölwirtschaftsverband, die BayWa AG und das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe alle landwirtschaftlich und fachlich Interessierten geladen.

Gut zehn Prozent des jährlichen bayerischen Dieselkraftstoffverbrauchs in Höhe von 5,2 Millionen Tonnen könnten auf bayerischen Äckern erzeugt werden, betonte der bayerische Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten, Josef Miller, in seinem Referat. Er forderte, dass – neben der im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Beimischungspflicht – reine Biokraftstoffe zunächst weiterhin von der Mineralölsteuer befreit bleiben sollen.

Hans Spitzner, bayerischer Staatssekretär für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, gab zu bedenken, dass – auch wenn mehr biogene Kraftstoffe gewollt sind und dazu eine Steuerbefreiung notwendig ist – dies zu Lasten des Bundeshaushaltes gehe. Um einen stärkeren Beitrag von Biokraftstoffen kostengünstig zu erreichen, müsse deshalb noch geklärt werden, wie hier weiter zu verfahren sei.

MdL, Franz Kustner, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes in der Oberpfalz, wollte den Beitrag der heimischen Landwirtschaft nicht allein in der Rohstoffbereitstellung sehen. Auch als Energiewirt möchten Landwirte die Veredelung ihrer Produkte soweit möglich selber wahrnehmen und sich damit als Unternehmer und nicht als “Unterlasser” positionieren. Reine Biokraftstoffe müssen laut Kustner steuerfrei bleiben. In konstruktiver Zusammenarbeit mit den Motorenherstellern und der Mineralölindustrie biete die Land- und Forstwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Mobilität auch für die Zukunft.

Dr. Klaus Picard vom Mineralölwirtschaftsverband stellte die Ölpreisvoraussagen als nicht seriös dar. Seiner Meinung nach gab es noch nie soviel Öl wie heute. Dennoch sei es unter ökologischen und ökonomischen Aspekten ein Gebot der Vernunft, Alternativen zu entwickeln, wobei aber nicht die stärksten und wettbewerbsfähigsten Energieträger durch dauersubventionierte Biokraftstoffe ersetzt werden sollten. Die Nutzung der Ganzpflanze für Biokraftstoffe der zweiten Generation biete völlig neue Ansätze für Antriebskonzepte und eine Chance für die Landwirtschaft, die Zukunft ohne Subventionen zu gestalten.

Dass die bayerischen Raffinerien problemlos mit Anteilen von biogenen Kraftstoffen arbeiten können, erläuterte Dr. Alois Virag von der OMV Deutschland GmbH. Lediglich deren Verfügbarkeit sah er als begrenzend an. Dieser Raffinerieprozess sei kein technisches, sondern derzeit ein wirtschaftliches Problem.

Jan Michael Henke vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel erklärte, dass die Wettbewerbsfähigkeit biogener Kraftstoffe gegenüber fossilen nicht gegeben sei. Es werde zwar zur Marktentspannung, zur Energieversorgungssicherheit und zur Verringerung von Treibhausgasemissionen beigetragen, doch dies geschehe über einen künstlichen Markt, der einer staatlichen Regulierung unterliege.

Die unter klimaschutzpolitischen Gesichtspunkten anzustrebende Einsparung von fossilen Brennstoffen müsse seiner Meinung nach nicht unbedingt im Transportsektor erfolgen. Wirtschaftlichere und kostengünstigere Maßnahmen böten sich z.B. im stationären Bereich bei der Strom- und Wärmeproduktion.

Dr. Josef Krapf von der BayWa AG, München, zeigte sich offen gegenüber Kraftstoffen aus der landwirtschaftlichen Produktion. Mit 60 Biodiesel Tankstellen verfüge die BayWa über das größte Biodiesel-Tankstellennetz in Bayern. Für die weitere Entwicklung im Bereich der biogenen Kraftstoffe sei die Ölpreisentwicklung entscheidend.

Dr. Wolfgang Steiger von der Volkswagen AG, Wolfsburg, stellte die bislang erreichten Ziele seines Konzerns vor. Die modernen Fahrzeuge seien wesentlich sparsamer und effizienter geworden, allerdings wären heutige Sicherheitsaspekte für gut 15 Prozent Verbrauchsverschlechterung verantwortlich. Er erklärte, dass noch in diesem Jahrzehnt synthetische konventionelle Kraftstoffe auf den Markt kommen würden, die vornehmlich
auf Erdgas basieren. Als mittelfristig bezeichnete er biomassebasierte SunFuels, die heute noch nicht wirtschaftlich tragbar seien.

Im Anschluss an die Referate nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit für konkrete Fragen und rege Diskussionen.

Prof. Martin Faulstich zog stellvertretend für das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe das Resümee und stellte in Aussicht, dass es viele Lösungen für die modernen Ansprüche an Mobilität geben werde, die nebeneinander Bestand haben würden.

Ein Tagungsband zur Veranstaltung ist für 16 Euro (zzgl. Versand) bei C.A.R.M.E.N. erhältlich.

Infos:
C.A.R.M.E.N. e.V.
Schulgasse 18
94315 Straubing
Tel.: 09421/960-300.

Source: C.A.R.M.E.N.-Pressemitteilung vom 2005-12-09.

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