2 August 2010

Fachhochschule arbeitet an Biokunststoff

Europaweites Forschungs-Netzwerk aufgebaut - Keine Konkurrenz für Lebensmittelproduktion

Stroh zu Gold spinnen möchte Prof. Dr. Harald Laser noch nicht. Aber was der wissenschaftliche Leiter des Forschungsprojekts “Gras-Polylactat” vorhat, klingt gleichwohl wie im Märchen: Aus Milchsäure, die bei der Silierung von Gras auf landwirtschaftlichen Betrieben entsteht, möchte der Professor der Fachhochschule Südwestfalen Biokunststoffe etwa für Lebensmittelverpackungen oder Kinderspielzeug herstellen. Alle Nebenprodukte, die bei der Gewinnung dieses Rohstoffes anfallen, sollen vollständig zur Erzeugung umweltfreundlicher Brennstoffe oder Biogas genutzt werden. Der Soester Grünlandexperte sieht hierin eine gute Möglichkeit, Landwirten neue Einnahmequellen zu verschaffen, sowie die Bewirtschaftung von Grünland wieder interessanter zu machen.

Für ein großes Vorhaben braucht man Unterstützung, fachliche wie finanzielle. Das Netzwerk mit internationalen Kooperationspartnern besteht bereits und wird zusammen mit dem Institut für Green Technology & Ländliche Entwicklung (igreen) weiter ausgebaut. Auch beim lieben Geld geht es jetzt einen Schritt vorwärts: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gibt finanzielle Schützenhilfe, damit das Ökokunststoffprojekt Zugang zu den EU-Fördertöpfen erhält.

Bestechend an dem Forschungsprojekt ist, dass es die gesamt Produktionskette beginnend vom Anbau der Gräser über die Verwertung der Nebenprodukte und den fertigen Kunststoff bis hin zur problemloseren Entsorgung umfasst. “Milchsäure aus Grassilagen für industriell nutzbare Rohstoffe am Beispiel von Polylactatkunststoffen” lautet der wissenschaftliche Projekttitel. Will heißen: Im bekannten bäuerlichen Gras-Silo entsteht Milchsäure. Diese ist für die Haltbarmachung des Grases entscheidend. Aus hochwertiger Milchsäure wiederum kann man Kunststoff herstellen, der – so alles mit rechten Dingen zugeht – frei ist von gesundheitsschädlichen Bestandteilen.

Gleichzeitig existieren in vielen Regionen Mitteleuropas zahlreiche brachliegende Weideflächen. Mit neuen Gräserzüchtungen, speziellen Techniken und dem neuen Absatzmarkt soll dieses Grünland wieder rentabel zu bewirtschaften sein.

Lückenlose Verwertungskette
Die Basis bilden bewährte (kleinbäuerliche) Anbaumethoden und Siliertechniken, die allerdings zu optimieren sind. “Denn die Milchsäure muss, damit sie zu Kunststoffen verarbeitet werden kann, hohen Qualitätsansprüchen genügen und definierte chemische Eigenschaften aufweisen”, erläutert Prof. Dr. Laser das Verfahren. Gleichzeitig erhält der Landwirt durch ein Bioraffineriekonzept die Möglichkeit, stärker an der Wertschöpfung seiner Produkte teilzuhaben: Bereits auf dem Hof soll die Milchsäure extrahiert werden; der verbleibende Reststoff kann in der (eigenen) Biogasanlage verwertet oder zur Gewinnung neuartiger Festbrennstoffe eingesetzt werden. Bei der Erzeugung und Entsorgung entsprechender Ökokunststoffe wird im Vergleich zur sonst üblichen Herstellung aus Erdölprodukten weitaus weniger CO2 freigesetzt, was die eigene Ökobilanz noch weiter verbessert.

Die Liste der Kooperationspartner ist lang: Renommierte Forschungseinrichtungen und verschiedene Internationale Hochschulen gehören ebenso dazu, wie verschiedene Europäische Unternehmen der kunststoffverarbeitenden sowie der Saat- und Düngemittelindustrie. Cluster nennt man solch verzweigte Netzwerke heutzutage. Nur mit ihnen lassen sich die komplexen Aufgaben unserer Zukunft zu lösen.

Source: Fachhochschule Südwestfalen-Soest, Pressemitteilung, 2010-08-02.

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