20 April 2004

Experte: Gute Aussichten für Biogas

10.000 Anlagen in Deutschland realistisch

Gülzow (dpa) – Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in Gülzow (Mecklenburg-Vorpommern) sieht sehr gute Chancen für die künftige Nutzung von Biogas. “10.000 Anlagen in Deutschland halte ich in 10 bis 20 Jahren für realistisch”, sagte Thorsten Gottschau, Referent für Bioenergie bei der FNR in einem dpa-Gespräch zum Tag der erneuerbaren Energien am Samstag. Derzeit gebe es etwa 2.000 Anlagen. Insgesamt könnten bei einer theoretischen Volllast derzeit 165 Megawatt Strom produziert werden. Das ist in etwa ein Siebtel der Leistung eines Kernkraftwerkes.

“Die meisten Biogasanlagen laufen mit Gülle. Drei bis fünf Prozent der anfallenden Tierexkremente werden bereits so genutzt.” Um die Produktion an Methangas zu erhöhen, werden laut Gottschau noch Fette, der Inhalt von Biotonnen oder Energiepflanzen wie Mais, Gras und Zuckerrüben zugegeben. “Teilweise muss für Abfälle, für deren Abnahme man früher Geld bekam, heute bezahlt werden. Daher müssen künftig verstärkt Energiepflanzen genutzt werden.” Das biete wiederum eine vernünftige Alternative für stillgelegte Agrarflächen.

“Es werden auch Wege gesucht, die Effizienz zu steigern. Derzeit enthält Biogas aus Gülle mit Energiepflanzen nur etwa 55 Prozent Methan, der Rest ist Kohlendioxid (CO2)”, erläutert Gottschau. “Mit Hilfe von Algen, die CO2 verbrauchen, könnte dessen Anteil verringert und die Algen dann als neue Biomasse genutzt werden.”

Biogas könne auch in das Erdgasnetz eingespeist werden. «Dazu müssen CO2, Stickstoff und Schwefel entzogen werden, um die Qualität zu verbessern.” Mit einem entsprechenden Gesetz, das das Einspeisen regelt, rechnet Gottschau in den kommenden fünf Jahren. “Der politische Wille dazu ist da.” Auch die Nutzung von Biogas in gasbetriebenen Fahrzeugen sei eine Alternative. “Versuche dazu laufen bereits, in Schweden ist es bereits gut erprobt.”

(Vgl. Meldungen vom 2004-04-19 und 2004-04-02.)

Source: dpa-Meldung vom 2004-04-18.

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