13 April 2004

Europäische Regierungen nehmen illegalen Holzeinschlag nicht ernst

WWF stellt Regierungsbarometer zur Bekämpfung von illegalem Holz vor - Deutschland erzielt weniger als die Hälfte der möglichen Punkte

Bei einem europaweiten Regierungsbarometer zur Bekämpfung von illegal geschlagenem Holz, das der WWF am 06. April veröffentlichte, erreichte die Bundesregierung nur sieben von 18 möglichen Punkten.

Der WWF kam bei der Untersuchung von zwölf westeuropäischen Regierungen zu einem insgesamt ernüchternden Ergebnis: Die Bestnote erzielte Großbritannien mit zwölf Punkten, gefolgt von Dänemark mit neun Punkten sowie Deutschland und Schweden mit je sieben Punkten. Österreich, Finnland, Griechenland, die Niederlande und Spanien erreichten gerade einmal sechs Punkte, Italien und Portugal sogar nur fünf.

“Kein Land hat die Prüfung bestanden”, beklagt Nina Griesshammer, Forstreferentin des WWF, das schlechte Ergebnis des Regierungsbarometers. Keiner der überprüften Staaten treffe ausreichende Maßnahmen, um die Einfuhr und Verwendung von illegalem Holz auf dem heimischen Markt zu verhindern. Die Regierungen tragen beim Kampf gegen illegales Holz große Verantwortung, denn ein Fünftel des Holzes, das in der Europäischen Union bei öffentlichen Aufträgen verwendet wird, wird von ihnen eingekauft. Deutschland rangiert innerhalb des Regierungsbarometers zwar vergleichsweise weit oben, liefert nach Ansicht von Nina Griesshammer jedoch ein insgesamt beschämendes Ergebnis ab.

Besonders negativ bewertet die Forstexpertin, dass die deutsche Regierung ihre im Koalitionsvertrag niedergeschriebene Verpflichtung, ausschließlich nach den Nachhaltigkeitskriterien des Forest Stewardship Council (FSC) erwirtschaftetes Holz bei der öffentlichen Beschaffung und bei öffentlichen Aufträgen zu verwenden, nur mangelhaft umsetze. Griesshammer zum Abschneiden Deutschlands: “Leider können wir der deutschen Regierung kein gutes Zeugnis beim Kampf gegen illegalen Holzeinschlag ausstellen.” Deutschland bezieht den Großteil seiner Holzimporte aus Osteuropa und Russland (2002: 24,2 Kubikmeter), wo bis zur Hälfte des Holzes als illegal eingeschätzt werden. Der WWF befürchtet, dass die Einfuhr illegalen Holzes in die Europäische Union nach dem Beitritt der osteuropäischen Länder sogar noch weiter ansteigen wird.

Illegaler Holzeinschlag gehört neben Waldbränden und der Umwandlung von ursprünglichen Wäldern in künstliche Plantagen zu den Hauptursachen für den Verlust riesiger Waldflächen. Vor allem in Brasilien, Indonesien, Malaysia, Gabun, Kamerun, Russland und in einigen osteuropäischen Ländern fallen dem illegalen Holzeinschlag jedes Jahr mehrere Millionen Hektar Wald zum Opfer. Meist wird der Wald nicht wieder aufgeforstet, sondern beispielsweise als Plantage zur Gewinnung von billigen Rohstoffen wie Palmöl genutzt. Um langfristig die verantwortungsvolle Nutzung der Wälder voranzubringen und dem Handel mit illegal geschlagenem Holz in Deutschland entgegenzuwirken, unterstützt der WWF den FSC. FSC steht nach Ansicht der Umweltschützer für das derzeit einzige internationale Zertifizierungssystem, dessen Vorgaben eine verantwortungsvolle Nutzung der Wälder garantieren und so zu deren Erhalt beitragen. Die FSC-Standards sind weltweit gültig und werden jeweils den nationalen und regionalen Gegebenheiten angepasst.

Kontakt:
WWF Deutschland
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt
Tel.: 069-791 44 0

Nina Griesshammer, Fachbereich Wald WWF Deutschland,
Tel.: 069-79144-194
E-Mail: [email protected]
Internet: www.wwf.de

Source: Pressemeldung des WWF vom 2004-04-06.

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