4 Februar 2005

EU wird 2005 Anteil von 2% bei Biokraftstoffen knapp verfehlen

Deutschland und Österreich haben Ziel bereits erreicht

Einen Anteil von 1,6% werden biogene Treibstoffe in diesem Jahr am gesamten Kraftstoffverbrauch in der EU 2005 haben. Das gesteckte Ziel von 2% im Jahr 2005 werde also knapp verfehlt, berichtete am Mittwoch in Brüssel Luc Werring von der EU-Kommission. Der Mitarbeiter der Generaldirektion für Energie und Transport zeigte sich aber dennoch zufrieden mit der Entwicklung in den meisten EU-Mitgliedstaaten.

Deutschland, Österreich, die Tschechische Republik, Frankreich und andere hätten die 2% erreicht, lobte Werring. An der Spitze liege Schweden mit einem Anteil von mehr als 3%. An Mitgliedstaaten, in denen sich in Punkto Biotreibstoff überhaupt nichts getan hätte, werde die Kommission demnächst ein Mahnschreiben richten, obwohl es sich nicht um eine verpflichtende Vorgabe handle. Im Vereinigten Königreich kommen die pflanzlichen Alternativen im Tank auf einen Anteil von nur 0,3%.

Bärbel Höhn wirbt in Brüssel für Bioethanol

“Der Anteil von Biotreibstoffen lag in Deutschland schon 2004 bei 2,2%”, betonte die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn am Mittwoch auf einer Veranstaltung in der Brüssler Vertretung ihres Bundeslandes. In diesem Jahr werde die Produktion von Biodiesel nach Auskunft des Verbandes von 1,2 Mio. t auf 1,9 Mio. t gesteigert. 60% der Rapsernte würden zu Kraftstoffen verarbeitet und nur noch 40% zu Lebensmitteln, führte Höhn aus. Die Nachfrage nach RME sei kaum zu befriedigen, vor allem seitdem die großen Mineralölkonzerne Biodiesel in den Diesel mischten.

Die Ministerin war von Düsseldorf nach Brüssel gekommen, um auf die Einsatzmöglichkeiten des Bioethanols aufmerksam zu machen. Die ansonsten gegenüber dem Auto skeptische Grüne reiste mit einem alkoholgetriebenen Ford an. Dieses Flexible Fuel Vehicle (FFV) wird zurzeit im Flottenversuch getestet und steht laut Höhn kurz vor der Markteinführung.

Außenschutz bei Bioethanol notwendig

Damit europäische Landwirte bei den zunehmenden Absatzmöglichkeiten für Bioethanol zum Zuge kämen, müsse sich die EU um den Außenschutz kümmern. Importe aus Brasilien und aus anderen, wettbewerbsfähigeren Ländern sollten über Lieferkontingente beschränkt werden, forderte die Ministerin aus Nordrhein-Westfalen. Trotz des gestiegenen Ölpreises müsse die Steuerbefreiung in Deutschland für Pflanzentreibstoffe unbedingt bestehen bleiben, damit sich die gewünschte Alternative durchsetzen könne. Höhn rechnete vor, dass Deutschland 2005 rund EUR 1 Mrd. dadurch an Steuereinnahmen verlieren werde.

(Vgl. Meldung vom 2004-10-15.)

Source: AIZ.info vom 2005-02-03.

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