26 Februar 2003

EU-Osterweiterung: Neue Hoffnung für Sachsens Flachs-Anbauern?

Mit 150 Hektar Anbaufläche ist Sachsen führend im Flachsanbau, das Marketing ist jedoch ein Problem. „Wir hatten uns vor Jahren auf Kurz-Fasern spezialisiert“, Manfred Sarodnik, Geschäftsführer der einzigen sächsischen Flachs-Aufbereitungsanlage im erzgebirgischen Voigtsdorf, hofft nun auf bessere Absatzmöglichkeiten durch die Zusammenarbeit mit tschechischen Betrieben, denn auf dem Weltmarkt und insbesondere in den Benelux-Ländern habe sich die Langfaser durchgesetzt.

Eine Tatsache, der die Voigtsdorfer Anlage technisch nicht gewachsen war. Langfaser-Anlagen sowie -Spinnereien gäbe es zwar ein paar Kilometer weiter – jenseits der tschechischen Grenze – aber leider verhindere die bestehende EU-Grenze noch jegliche Kooperation.

Darin sieht auch Christian Röhricht von der sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Leipzig die Zukunft für die heimische Flachs- und Hanf-Branche, für den die Verarbeitungs- und Vermarktungsketten eine dringende Voraussetzung darstellen. „Wer das nicht hat, dem kann ich im Moment nicht zum Anbau dieser Pflanzen raten“, das ist auch die Meinung von Fachreferent Hermann Hansen der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe im mecklenburgischen Gülzow, der das Beispiel des schleswig-holsteinischen Unternehmens Holstein-Flachs anführt, wo inzwischen eigene Modekollektionen entwickelt und vermarktet werden.

Dennoch baut Röhricht auf die Qualität und gute Energiebilanz der Naturfasern sowie die wachsende Nachfrage der Automobilindustrie. So gibt das sächsische Landwirtschaftsministerium an, dass die Menge der in der gesamten Branche verarbeiteten Flachs-Fasern von 2.000 Tonnen im Jahr 1996 auf 12.700 Tonnen im Jahr 2000 angestiegen sei. Indes regiert auch hier ein Preiskampf den Weltmarkt , dem die deutsche Produktion kaum standhalten könne.

Mehr Mittel für mehr Naturfaser-Marketing – dies will Hansen beim Bund erreichen, denn auf steigende Nachfrage könne man sofort reagieren, so Betriebsleiter Sarodnik: „Wir könnten sofort 700 Hektar anbauen und verarbeiten.”

(Vgl. Meldung vom 2003-02-05.)

Source: Freie Presse online vom 2003-02-24.

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