21 Juli 2017

EU-Forschungsprojekt soll Weg in die Bioökonomie weisen

Verbundvorhaben mit dem Titel 'Biocas' will Verfahren entwickeln, Biomasse im ländlichen Raum naturverträglich zu produzieren und effektiv zu nutzen

Biomasse dient als Energielieferant sowie als Material für die Industrie oder für Arzneimittel. Damit ist Biomasse ein wichtiger Rohstoff in der sogenannten Bioökonomie. Um Biomasse im ländlichen Raum naturverträglich zu produzieren und möglichst effektiv zu nutzen, startet nun ein großes EU-Projekt mit norddeutscher Beteiligung.

Für das Ziel, effektive und umweltschonende Biomasse zu erhalten, wollen 18 Einrichtungen aus Deutschland, Belgien, Dänemark und den Niederlanden in den kommenden drei Jahren Verfahren und Maßnahmen entwickeln, testen und in der Praxis umsetzen. Die EU hat das Projekt jetzt aus Mitteln der Regionalentwicklung in der Nordseeregion mit einem Volumen von 4,9 Millionen Euro bewilligt.

Problem: Biomasse konkurriert mit der Produktion von Nahrungsmitteln

Das Verbundvorhaben mit dem Titel Biocas wird von der niederländischen Provinz Fryslan koordiniert. Auch Einrichtungen aus Oldenburg nehmen teil: Neben Forschern des Zentrums für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung Coast sind auch Experten des Instituts für Biologie und Umweltwissenschaften sowie des Instituts für Chemie der Uni Oldenburg mit dabei. Die Idee ist, mit Biomasse eine nachhaltige Alternative zu fossilen Rohstoffen zu nutzen. Ein zentrales Problem ist, dass Biomasse als Energierohstoff direkt mit der Produktion von Nahrungsmitteln konkurriert. Wird Biomasse nicht nachhaltig produziert, können zudem Überdüngung und schlechtere Bodenqualität die Folge sein. Im Projekt Biocas wird es darum gehen, Biomasse in gut aufeinander abgestimmten Prozessen für verschiedene Produkte zu nutzen und Reststoffe wieder in die Böden einzubringen.

Entwicklung der Bioökonomie im ländlichen Raum

„Biocas ermöglicht es, Wissenschaftlern und Beteiligten in den Regionen gemeinsam eine Bioökonomie zu entwickeln, die naturverträglich ist und sich an die gesellschaftlichen Bedürfnisse anpasst“, sagt Dr. Thomas Klenke, wissenschaftlicher Koordinator in Coast. Die Projektpartner wollen Verfahren entwickeln, die nach dem Kaskaden-Prinzip helfen, die Überreste eines Produktionsschritts in einem weiteren möglichst effektiv weiterzuverwenden. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen kleinen und mittelständischen Unternehmen geschehen, um einerseits von regionaler Expertise zu profitieren und andererseits die Entwicklung der Bioökonomie im ländlichen Raum zu fördern.

Interdisziplinäre Oldenburger Teams untersuchen verschiedene Aspekte

Das interdisziplinäre Oldenburger Team wird in dem Projekt verschiedene Schwerpunkte setzen. Die Arbeitsgruppe Technische Chemie um Prof. Dr. Michael Wark entwickelt beispielsweise Verfahren zur Produktion von Biokohlen. Die Forscher um die Bodenkundlerin Prof. Dr. Luise Giani untersuchen, wie aufbereitete Bioreststoffe und Gärreste den Boden verbessern können. Die Arbeitsgruppe Vegetationsökologie von Prof. Dr Rainer Buchwald befasst sich mit Landschaftspflegematerial und Torfersatzstoffen, während die Arbeitsgruppe Regionalmanagement um Klenke untersucht, wie sich verschiedene Aspekte auf Wertschöpfungsnetze auswirken.

Pilot-Aufbereitungsanlage für biologische Abfälle im Heidekreis

Die Oldenburger Gruppen arbeiten dabei eng mit dem Kompetenzzentrum 3N und dem Heidekreis zusammen. Dort entsteht eine kommunale Aufbereitungsanlage für biologische Abfälle als Pilotstandort, der den Kern der Arbeiten des deutschen Biocas-Anteils bildet. Sie dient auch als Basis für den Austausch mit anderen Pilotstandorten in den Niederlanden, Belgien und Dänemark.

Source: IWR online, Pressemitteilung, 2017-06-29.

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