9 Mai 2005

EU-Bioenergie: Slowakei und Ungarn setzen verstärkt auf Holz und Stroh

Internationale Landtechnik-Tagung in Nitra

Unter dem Motto “Biomasse – Energie aus der Landwirtschaft” fand vergangene Woche eine Dreiländer-Fachtagung im slowakischen Nitra statt. In rund 30 Vorträgen erläuterten Experten von landtechnischen Anstalten und Universitäten der Länder Österreich, Ungarn und der Slowakei, wie Wärme, Treibstoffe und Elektrizität aus Rohstoffen “vom Acker” erzeugt werden können.

Dargestellt wurden dabei die Ausgangspositionen und die Ziele der jeweiligen Agrar- und Energiepolitik, unterlegt wurde dies mit Fakten und zahlreichen Projektbeispielen. Österreich gilt in der Slowakei und in Ungarn auf Grund der hier bereits längeren Entwicklung und Umsetzung alternativer Energiekonzepte als beispielgebend. Die Vortragenden aus der Alpenrepublik wurden daher mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Slowakei, Ungarn: In Wald und Feld viel Potenzial

Aus der Sicht Österreichs ist die Situation in den beiden Nachbarländern einerseits wegen der dort vorhandenen und künftigen agrarischen Produktionskapazität und andererseits wegen möglicher neuer Wege der Verwertung dieser Produkte interessant. Die Flächenerträge, die derzeit im Osten unter dem Niveau der alten EU liegen, werden steigen – im Trockenland Ungarn allerdings nicht so stark wie in der Slowakei. Auf die Strohverwertung setzen beide Länder offensichtlich viel stärker als Österreich. Biogas und Biotreibstoffe sind im Gespräch, aber vorerst eine Investitionsfrage. Die Solarenergie ist dort überhaupt zu teuer. In beiden Nachbarländern ist der Anteil nachwachsender Energie am Gesamtverbrauch noch sehr gering.

Holz und Stroh sollen in der Slowakei Bioenergie anfeuern

Mit 43% Waldanteil (vergleichsweise wie Österreich) verfügt die Slowakei über große Holzvorräte, die energetisch bisher nur geringfügig genutzt wurden. Die fossilen Energieträger waren im überwundenen kommunistischen System überall sehr billig. Jetzt ist Holz im Energiemarkt ein Hoffnungsträger. Österreich gilt da mit bereits mehr als 3.000 Biomasse-Nahwärmeanlagen als Vorbild, bei Holzpellets auch als große Export-Hoffnung.

Die fossilen Eigenvorkommen decken in der Slowakei bei Kohle knapp die Hälfte des Bedarfes, bei Erdgas magere 3%, bei Erdöl maximal 1,5%. Die Nutzung erneuerbarer Energiequellen beträgt in der Slowakei derzeit aber auch nur 3%. EU-gerecht strebt man bis 2010 das Vierfache (12%) an, so Natasa Wiedemannova vom slowakischen Landwirtschaftsministerium. Biomasse soll dabei einen Anteil von 42% erreichen. Theoretisch könnte die slowakische Landwirtschaft aus Biomasse eine Energiemenge bereitstellen, die das Fünffache des agrarischen Stromverbrauches beträgt. Allein die Strohmenge wird mit 1,8 Mio. t beziffert. Auch 100.000 t Biodiesel und 277 Mio. Kubikmeter Biogas werden als Potenzial vorgerechnet.

Ungarn: Lieber Ethanol als Biodiesel

Stark auf Stroh setzt auch Ungarn. Der stellvertretende Vorsitzende der Landwirtschaftlichen Kommission im ungarischen Parlament, Zoltan Gögös, nennt 105 bis 110 Mio. t Biomasse jährlich, davon 9 Mio. t Waldholz. Knapp mehr als im Wald fallen jährlich durch 10 Mio. t Maisstroh an und fast 3 Mio. t bleiben an Getreidestroh – nach dem Einstreubedarf – übrig. Derzeit werden nur 3,2 bis 3,6% des ungarischen Energieverbrauches aus erneuerbaren Quellen gedeckt.

Viel Potenzial wird in Ungarn aus dem Energiegras “Szarvas” erwartet, das bei geringerem Wasserverbrauch 10 t Trockenmasse pro ha liefern soll und mehrjährig nutzbar ist. Auch Energieholzplantagen könnten forciert werden. Von Biodiesel erwartet man sich wegen der geringen Rapserträge (trockenheitsbedingt) wenig. Auf 150.000 ha Raps erntet man nur 260.000 t Rapssaat. Dagegen wird auf Bioethanol gesetzt. Aus Körnermais könnten bis zu 800.000 t Ethanol jährlich produziert werden; das ist das Sechsfache des bis 2010 erwarteten ETEBE-Bedarfes. Bei Biogas sollte es nur Großanlagen geben. Außer einer Großanlage ist aber vorweg alles nur in Diskussion.

Source: AIZ.info vom 2005-05-09.

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