14 Dezember 2005

EU-Baumwollsubventionen graben nicht nur Afrika das Wasser ab

WWF fordert vollständigen Abbau der EU-Flächenprämien für Baumwolle

Während es auf der WTO-Konferenz in Hongkong um den Abbau von Subventionen geht, ist die EU dabei, umstrittene Baumwollzahlungen aufzustocken. Die spanische Regierung will in den kommenden zwei Tagen in Brüssel durchsetzen, die EU-Förderung für den Anbau von Baumwolle auszuweiten.

“Die Entscheidung wäre dreifach fatal”, sagt WWF-Experte Martin Geiger, “erstens für die Umwelt, zweitens für Baumwollproduzenten in Afrika, drittens für die europäischen Steuerzahler.” Der wasserintensive Anbau von Baumwolle fördere die Dürre im ohnehin trockenen Südeuropa.

Gleichzeitig seien in Afrika zehn Millionen Menschen direkt von den Einnahmen aus der Baumwollproduktion abhängig. Weil ihr Einkommen durch die subventionierte Konkurrenz aus Europa massiv beschnitten wird, leistet die EU im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit rund 200 Millionen Euro an Ausgleichzahlungen. Der WWF mahnt eine grundlegende Reform des Systems an.

“Dass mit EU-Fördergeldern aus dem Agrar-Umweltprogramm der Wasserhaushalt in Südeuropa nachhaltig gestört wird, ist unsinnig und unvereinbar mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie”, kritisiert Geiger, Leiter des Wasserprogramms beim WWF. Als ersten Schritt schlägt er vor, dass die EU Zahlungen erst dann genehmigt, wenn alternative und weniger wasserintensive Landnutzungsformen zur ländlichen Entwicklung geprüft wurden.

Der WWF fordert außerdem den Abbau der EU-Flächenprämien für Baumwolle. “Die EU schmückt sich bei den laufenden WTO-Verhandlungen damit, keine direkten Exportsubventionen für Baumwolle mehr zu zahlen. In Wirklichkeit ist die ab 2006 gültige EU-Reform jedoch ein fauler Kompromiss.

Ein Drittel der Subventionen von 700 Millionen Euro wird weiterhin als Flächenprämie an weniger als 80.000 Bauern in Griechenland und Spanien bezahlt”, kritisiert Geiger. Das seien nichts anderes als indirekte Exportsubventionen.

Hinzu kommt laut WWF, dass die europäische im Gegensatz zur afrikanischen Baumwolle mit größtenteils verschwenderischer Bewässerung produziert wird. “Die extreme Trockenheit in Spanien in diesem Jahr hat wieder gezeigt, wie widersinnig es ist, ausgerechnet Pflanzen mit großem Wasserbedarf im dürren und heißen Mittelmeerraum anzubauen”, sagt Guido Schmidt vom WWF Spanien.

Aus Sicht des WWF muss das EU-Subventionssystem vom Kopf auf nachhaltige Füße gestellt werden. “Laut einer Studie des Overseas Development Institute sind bis zu 38 Prozent der Einkommenseinbußen im afrikanischen Baumwollgeschäft auf die Subventionen für Griechenland und Spanien zurückzuführen”, erläutert Martin Geiger.

“Es erscheint wie Hohn, dass die EU-Mitgliedsländer 200 Millionen Euro an Steuergeldern zur Kompensation und Stützung des westafrikanischen Baumwollsektors einsetzen, statt endlich konsequent ihre schädlichen Subventionen vollständig abzubauen.”

Source: WWF-Pressemeldung vom 2005-12-13.

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