28 Juni 2005

Erstmalig in Österreich: Biogas im Erdgasnetz

Deutliches Signal für den Übergang von leitungsgebundenen fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energieträger

In Pucking in Oberösterreich ging in der Vorwoche Österreichs erste Biogas-Anlage in Betrieb, die gereinigtes und veredeltes Biogas aus der Tierhaltung in das bestehende Erdgas-Netz einspeist. Als Standort für die erste Anlage einer Biogaseinspeisung in das österreichische Erdgasnetz wurde die bestehende Biogas-Anlage des Landwirtes Franz Linsbod in Pucking ausgewählt. Hier wird seit rund 10 Jahren Biogas aus der Tierhaltung gewonnen und zur Stromgewinnung in einem Block- Heizkraftwerk mit einer Leistung von 18 kWel genutzt. Mit einer Leistung von 10 m3 Biogas pro Stunde wird nun die Anlage nach dem Reinigungsprozess 6 m3 zu Erdgas-Qualität veredeltes Biogas in das Erdgasnetz einspeisen. Das sind jährlich bis zu 400.000 kWh, was dem durchschnittlichen Jahresbedarf von rund 40 Wohnungen entspricht.

Projektschwerpunkt: Aufbereitung zu Erdgas-Qualität

Ziel dieses einzigartigen Projektes ist es u.a., das Potential der innovativen Biogasnutzung in der Landwirtschaft abzuschätzen. Die besondere Herausforderung des Projektes ist die Reinigung des Biogases, um die für Erdgas geltenden Normen zu erfüllen, bevor es in das Erdgasnetz eingespeist werden kann. Die dafür notwendige Reinigung des Biogases umfasst – neben der Trocknung – die Entschwefelung und Kohlendioxid-Abtrennung; beide Verfahren werden in Österreich erstmals in diesem Umfang durchgeführt”, erklärte erdgas oö.-Geschäftsführer Klaus Dorninger bei der Eröffnung. Im Vergleich zu üblichen Ölheizungen werden 108.000 kg CO2 eingespart . Der volkswirtschaftliche Vorteil dieses Projektes der erdgas oö. und OÖ. Ferngas AG liegt darin, dass die anfallende Energie zur Gänze genutzt werden kann”, erklärt Gerhard Siegl, Vorstand der OÖ. Ferngas AG, die ebenfalls Projektpartner ist.

Vorteile für Umwelt und Volkswirtschaft

Mit der Veredelung von Biogas auf Erdgasqualität und dessen Einspeisung in das bestehende Erdgas-Leitungsnetz ergeben sich umweltrelevante und volkswirtschaftliche Vorteile: Erhöhung der Effizienz, da ein Großteil des Biogas-Energieinhaltes zum Verbraucher transportiert werden kann. Am Ort des Verbrauches kann die Biogas-Umwandlung in die benötigte Energieform mit höheren Gesamtwirkungsgraden erfolgen als bei der bisherigen Biogas-Verstromung: Verbrennung dort, wo Wärme benötigt wird; Verstromung dort, wo Strom und Wärme bzw. Kälte benötigt werden. Durch die ganzjährige Abnahme des gewonnenen Biogases kann die Gesamteffizienz des Systems verbessert werden.

Biogas-Nutzung wird – ähnlich wie die Biomasseverbrennung – als weitgehend CO2- neutral betrachtet, da es sich bei der Biogas-Produktion und –Verwertung im Wesentlichen um geschlossene Kreisläufe handelt. Zu Erdgas veredeltes Biogas kann auch für Erdgas betriebene Fahrzeuge verwendet werden. Grundsätzlich stellt die Biogas-Verwertung auch eine Option zur Wasserstoffgewinnung und Nutzung in Brennstoffzellen dar.

Landwirt wird Energiewirt

Landesrat Stockinger ist überzeugt “Das ist ein wahrer Meilenstein am Weg der Landwirtschaft zum anerkannten Energieerzeuger – ein wichtiger Schritt, mit dem der Landwirt zum Energiewirt wird”, überzeugt. Der Betrieb der österreichweit einzigartigen Anlage wird drei Jahre lang wissenschaftlich begleitet. Aus den daraus gewonnenen Daten soll schließlich das Potential der innovativen Biogasnutzung für die Landwirtschaft abgeschätzt werden.

Damit wird auch ein deutliches Signal für den Übergang von leitungsgebundenen fossilen Energieträgern auf den erneuerbaren Energieträger Biomasse gegeben. Mit der Errichtung der Anlage wird gezeigt, dass die Umsetzung technisch möglich ist .

Oberösterreich setzt auf Ökoenergie

“Damit unterstützen wir Forschung und Entwicklung in Oberösterreich. Denn am Biogas- Projekt sind Ökoenergie-Clusterpartner wie die Steyrer “Denkfabrik” Profactor beteiligt und der O.Ö. Energiesparverband begleitet das Projekt fachlich. Insbesondere die erzielte technische Qualität der Biogasreinigung und die Übertragbarkeit der erwarteten Ergebnisse auf andere Projekte wird wichtige Ergebnisse liefern”, so Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl. Energielandesrat Rudi Anschober sieht die Direkteinspeisung von Biogas ins Erdgasnetz als Quantensprung für Ökoenergie.

Nicht weniger als 47 Biogas-Kraftwerke werden derzeit in Oberösterreich errichtet. Sie waren bis Jahresende 2004 von den Behörden genehmigt worden und kamen damit noch in den Genuss des seit Jahresbeginn ausgelaufenen Ökostromgesetzes. Energielandesrat Rudi Anschober ist über diese enorme Zahl von Projekten, die nun bis Jahresmitte 2006 errichtet werden und in Betrieb gehen müssen, hocherfreut: “Damit können wir die Zahl der Biogasanlagen in Oberösterreich um 150 Prozent erhöhen und werden jährlich rund 70 GWh Strom aus diesen neuen Anlagen erzeugen können.”

Ein Problem für den zukünftigen weiteren Ausbau der Biogasanlagen stellt die gesetzlich von den Landesbehörden vorgeschriebene Wärmenutzung dar, denn ideale Standorte mit Wärmeeinspeisung in benachbarte Industriebetriebe oder Biomassenahwärmeanlagen sind nicht immer gegeben. Anschober: “Daher ist eine besonders wichtige Weichenstellung, neben der Biogas-Verstromung eine zweite energetische Nutzungsmöglichkeit zu erarbeiten – Direkteinspeisung von Biogas ins Erdgasnetz gibt es bislang nirgendwo – wir starten mit der heutigen Eröffnung in Pucking das erste entsprechende Projekt, mit dem die Direkteinspeisung erprobt und umgesetzt werden soll.”

(Vgl. Meldungen vom 2005-05-03 und 2005-04-01.)

Source: Oekonews.at vom 2005-06-27.

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