18 Juli 2008

Erstes Schilfkraftwerk Deutschlands am Bodensee geplant

Riedgras aus Landschaftspflege soll Nahwärmenetz speisen

Im baden-württembergischen Allensbach-Kaltbrunn entsteht das deutschlandweit erste Schilfheizwerk. Das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg und PLENUM Westlicher Bodensee unterstützen seit Ende 2006 die Initiative ELaBo (Energie und Landschaftspflege Bodensee).

“Mit der Verwendung von Schilf als Brennstoff in einem Kraftwerk betreiben wir Landschaftspflege, Klimaschutz und Ressourcenschonung in einem”, sagte der Landwirtschaftsminister Baden-Württembergs, Peter Hauk, laut einem Bericht der KN-News bei einem Besuch in Allensbach-Kaltbrunn am 17. Juli.

Bei diesem Projekt soll durch eine gemeinsame Betreibergesellschaft aus Landwirten und Bewohnern der Region eine in Deutschland bisher einzigartige Wärmeversorgung realisiert werden. Als Brennstoff wird zukünftig das in großen Mengen anfallende Mähgut und Schilf genutzt, das im Rahmen der Pflegemaßnahmen der umliegenden Landschafts- und Naturschutzgebiete anfällt. Dieses Material hat einen Heizwert, der nur unweit unter dem des Holzes liegt und wurde bisher nicht genutzt.

250.000 Liter Heizöl sparen
Etwa 600 Tonnen des nachwachsenden Riedgrases entsprechen etwa 250.000 Litern Heizöl in Kaltbrunn und verbessern damit bei den stetig steigenden Ölpreisen nicht nur die Wirtschaftlichkeit für die Hauseigentümer, sondern auch die Kohlendioxid-Bilanz von Kaltbrunn. Das Material kann direkt vor Ort genutzt werden und benötigt keine aufwändige Aufbereitung. Das Material ist Getreidestroh sehr ähnlich, daher kann zur thermischen Nutzung die etablierte Strohverbrennungstechnologie genutzt werden, die in Dänemark seit mehr als 20 Jahren in über 1.000 Anlagen erprobt ist.

“Die energetische Nutzung der Riedgräser aus extensiv bewirtschafteten Flächen führt zu keiner Belastung des Nahrungsmittelmarktes. Landwirte finden in der Landschaftspflege ein weiteres finanzielles Standbein, die Mahd der Riedflächen hilft beim Erhalt dieser artenreichen und wertvollen Lebensräume am Bodensee”, ergänzte der Minister. Zusätzlich bleibe die touristisch reizvolle Natur- und Kulturlandschaft am Bodensee erhalten und regionale Wirtschaftskreisläufe würden angestossen.

Investitionen von 800.000 Euro
Die Planungsarbeiten, die von PLENUM Modellprojekt Konstanz gefördert wurden, sind weit vorangeschritten. Die Eigentümer von 100 Gebäuden in Kaltbrunn (mit insgesamt 158 Häusern) haben ihr Interesse am Anschluss an das Nahwärmenetz von 3,8 Kilometern Länge bekundet. Als Betreibergesellschaft wurde eine bürgerschaftlich strukturierte GmbH & CO KG gegründet. Im Winter 2009/ 2010 soll das Heizwerk in Deutschland in Betrieb gehen. Die Gesamtinvestitionen werden sich auf rund 800.000 Euro belaufen.

Weitere Informationen
Projektseite der Initiative Energie und Landschaftspflege Bodensee (ELaBo)

Source: KN-News, 2008-07-17 und Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), 2008-06.

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