18 Juli 2005

Erstes Bambushaus Deutschlands entsteht in Darmstadt

Feng-Shui-Passivhaus mit Strohballenwänden soll im Oktober fertig sein

Für Gisela und Bodo Schaumburg, Inhaber der der Autoservice-Firma ARSD steht ein Umzug ihrer Büroräume in einen “Experimentalbau” vor, den sie Anfang Oktober beziehen: In Investor Henry Nolds erstes Bambushaus Deutschlands.

Dieses nach ökologischen sowie Feng-Shui-Prinzipien geplante Bürogebäude mit rund 90 Quadratmeter Grundfläche sieht Henry Nold als kreative Abrundung eines benachbarten Gebäudekomplexes, welcher bereits im Oktober 2004 mit der Sanierung und Neugestaltung Aufsehen erregt hatte. Zum Hingucker wurde seitdem das Studentenwohnheim “Campino” (Ecke Eschollbrücker-/Heidelberger Straße), jetzt soll das Nachbargrundstück, seit zwanzig Jahren die Adresse der Autoservice-Firma ARSD von Bodo Schaumburg, Nolds Pläne vom “Reich der Inspiration und Phantasie” in “Nachhaltigkeit und Schönheit zusammenführen”.

Schaumburg kamen die Pläne fürs Bambushaus gelegen. Susanne Körner und Tilman Schäberle, Inhaber des “Shakti-Architektur“-Büros aus Mossautal und beide diplomierte Architekten und Diplom-Feng-Shui-Berater, begleiten das Projekt, welches zunächst mit der Anlieferung von 300 Strohballen seinen Anfang nahm.

Feng Shui, die chinesische Kunst, Lebensräume energetisch ausgeglichen zu gestalten, berücksichtigt auch Urwissen zur Geometrie. So soll das Haus auf einer kleeblattförmigen Bodenplatte ruhen. Der Estrich entsteht aus angerührtem energetisierten Wasser und Helion, einem Quarzmehl aus zermahlenen Halbedelsteinen.

Die tragende Konstruktion bilden 33 Bambusrohrstützen aus statisch geprüftem Bambus aus Kolumbien, davor stehen die Seitenwände aus Strohballen. “Stroh ist ideal”, sagt Susanne Körner, “das ist Wandmaterial mit Dämmung inklusive.” Nachdem die Wände innen und außen mit Lehm verputzt worden sind, haben sie eine Stärke von ca. 40 Zentimetern. “Das Haus wird damit Passivhausstandard haben”, sagt Tilman Schäberle.

Türen und Fenster werden aus zertifiziertem euorpäischem Kiefernholz gesetzt. Das Dach besteht aus konkav und konvex ausgeschwungenen Holzkonstruktion, bekrönt von einer Glaskuppel von 2,70 Meter Durchmesser.

Das Projekt scheint vom umbauten Raum wie vom Materialmix her erschwinglich: “War inklusive Transport gar nicht so teuer”, wissen Schäberle und Körner. Wer die Summe von 3.000 Euro hört, kann da nur nicken. Dazu kommen die Kosten für Lehm (2.500 Euro) und den Hauptbaustoff, das Stroh (2.000 Euro, Ballen in spezifischer Dichte, auf Maß geschnitten, Ernte von 2004).

Wenn es allerdings an die Verarbeitung der Materialien geht, fallen die tatsächlichen Kosten an. Zum Bauen benötigt man die richtigen Handwerker mit Sinn fürs Detail und fast kunsthandwerklich-unkonventionelle Verfahren. “Aber da sind viele nicht drauf eingestellt. Routine zieht hier eben nicht”, stellt Schäberle fest.

Abgesehen davon die Baugenehmigung: Allein ein statisches Gutachten in Sachen Bambusverwendung verschlang sechs Monate. Jedenfalls: Die Konstruktion sei für eine Lebensdauer von hundertfünfzig Jahren allemal gut, schätzt Körner.

“Wie eine Insel wird dieses Haus”, träumt Schaumburg jetzt schon. Ein gutes, schönes Gefühl, und dass seine innere Ruhe wieder zurückkehrt, hofft der Geschäftsmann. Kamerateams vom Hessischen Rundfunk und vom Zweiten Deutschen Fernsehen haben sich schon angekündigt, um über das kleine bauliche Experiment zu berichten. Für den Kuriositäten-Tourismus hat Schaumburg schon eine Idee parat: “Dann werde ich für Besucher halt ’n Kassenhäuschen aufstellen.”

Source: Echo online vom 2005-07-18.

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