11 Dezember 2015

Erste Umweltproduktdeklaration für WPC

VHI erhält Verbands-EPD für Terrassendielen und Fassadenelemente aus WPC

Der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI) hat für seine Hersteller eine Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD) für Produkte aus Wood Polymer Composites (WPC) vom Deutschen Institut für Bauen und Umwelt e.V. (IBU) erhalten. Die dafür obligatorischen Produktkategorie-Regeln (Product Category Rules, PCR) hat der VHI nach den Vorgaben des IBU entwickelt.

EPDs ermöglichen es besser als Ökobilanzen, Produkte unter Umweltaspekten zu vergleichen. Die jetzt erstellten EPDs für Terrassendielen und Fassadenelemente aus WPC sollen diesen Produkten vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an das nachhaltige Bauen in der EU zusätzliche Marktchancen eröffnen. Sie dienen zudem als Basis für die Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden nach DGNB, BNB, LEED1 oder anderen Systemen.

Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert, der Abschlussbericht steht auf fnr.de unter dem Förderkennzeichen 22003913 zur Verfügung.

WPCs sind Holz-Polymer-Verbundwerkstoffe, die hauptsächlich im Außenbereich, aber auch beim Innenausbau u.a. von Autos zum Einsatz kommen. Das Marktwachstum ist mit jährlichen Steigerungsraten im zweistelligen Bereich hoch.

Auf der Basis von EPDs können die Umweltauswirkungen verschiedener Baustoffe verglichen werden, allerdings nur im Kontext der konkreten Einbausituation.

Dafür galt es in einem ersten Schritt, den Untersuchungsrahmen, die zu untersuchenden Parameter und die Rechenregeln für die jeweilige Produktkategorie festzulegen. Dies erfolgt über die so genannten Product Category Rules (PCR). Für WPC gab es sie bislang nicht.

In einem zweiten Schritt wurden EPDs nach ISO 14025 und EN 15804 erstellt. Beide EPDs beziehen sich nicht auf spezifische Produkte bestimmter Hersteller, sondern  deklarieren die  durchschnittliche Umweltqualität für alle WPC-Terrassendielen bzw. Fassadenelemente der Mitgliedsunternehmen des VHI. Die Angaben repräsentieren 80 Prozent des  deutschen Marktes. Im Ergebnis enthält zum Beispiel die EPD zu den Terrassendielen u.a. folgende Aussagen:

  • Die durchschnittliche WPC-Terrassendiele besteht zu 63 Prozent aus Fichten- und Kiefernfasern aus Industrierestholz, zu 29 Prozent aus Polyethylen, Polypropylen oder Polyvinylchlorid und zu acht Prozent aus Additiven.
  • Durchschnittlich werden für die Verpackung eines Quadratmeters Terrassendiele 280 g Polyethylenfolie und Polyesterband benötigt.
  • WPC-Terrassendielen sind in Wasser unlöslich. Es sind keine Inhaltsstoffe bekannt, die bei Wassereinwirkung ausgewaschen werden könnten.
  • Für  WPC-Produkte bestehen zwei Entsorgungswege, die stoffliche und die thermische Verwertung. Bei der stofflichen Verwertung wird das Produkt sortiert, aufgemahlen und z.B. für die Produktion von WPC-Unterkonstruktionen verwendet. Bei der thermischen Entsorgung werden die WPC–Abfälle z.B. in einer kommunalen Müllverbrennungsanlage entsorgt.
  • Alle  mit PE oder PP gebundenen WPC-Produkte sind der Altholzkategorie A II zuzuordnen, mit PVC gebundene WPC-Produkte sollten in A III einsortiert werden.

Hintergrund:

Das Institut für Bauen und Umwelt e.V., ein Zusammenschluss von Bauproduktherstellern, vergibt als alleinige Einrichtung in Deutschland die EPDs nach den Normen ISO 14025 und DIN EN 15804. Da es auch in anderen Ländern EPD-Programme gibt, die ebenfalls auf der ISO 14025 basieren, sind Baustoffe und Gebäude so auch im internationalen Maßstab vergleichbar.

Die 2013 in Kraft getretene EU-Bauproduktenverordnung (BauPVO) fordert für Bauwerke und -produkte eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und den Einsatz umweltverträglicher Roh- und Sekundärstoffe. Für WPC-Fassadenelemente, die unter die BauPVO fallen, kann künftig die Verbands-EPD als Bewertungsgrundlage der Umwelteigenschaften herangezogen werden.

Zusätzlichen Schub könnten Produkte mit EPDs durch die neue EU-Beschaffungsrichtlinie von 2014 erhalten. Diese ermöglicht es, beim öffentlichen Einkauf ökologische und soziale Kriterien stärker zu berücksichtigen, 2016 muss sie auch in Deutschland in nationales Recht übernommen werden.

Die EPDs des VHI sind auf bau-umwelt.de oder vhi.de einsehbar.

 

1 DGNB: Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen; BNB: Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen; LEED: Leadership in Energy and Environmental Design

Source: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Pressemitteilung, 2015-12-08.

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