28 September 2005

Erste Karosserieaußenbauteile aus Hanf mit Innovationspreis geehrt

Arbeitsgemeinschaft Verstärkte Kunststoffe zeichnete gestern Abend in Baden-Baden DBU-Projekt aus

BildMit Pfeilen markiert: Das Stoßbügelteil aus Naturharz mit Pflanzenfasern als sichtbarer Teil der Busfront. Das Karosseriebauteil wird im Fahrbetrieb an Stadtbussen der Braunschweiger Verkehrs-AG einem einjährigen Praxistest unterzogen

Bei der achten internationalen Tagung der Arbeitsgemeinschaft Verstärkte Kunststoffe – Technische Vereinigung e.V. (AVK-TV) in Baden-Baden wurden gestern Abend ein Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in der Kategorie Umwelt mit dem zweiten Preis der jährlich in den Kategorien Industrie, Umwelt und Universität vergebenen Innovationspreise der AVK-TV ausgezeichnet.

Kooperationspartner in einem interdisziplinären Projektteam

Unter Federführung der Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (IGLU), Göttingen) war mit DBU-Förderung ein neuartiger Verbundwerkstoff aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt worden, der erstmals glasfaserverstärkte Kunststoffe für Karosserieaußenbauteile ersetzen kann. Um das Entwicklungsteam von Dr. Jörg Müssig (Faserinstitut Bremen e.V., Bremen) und Uwe Schönfeld (Bio-Composites And More GmbH (BAM), Ipsheim) konnte ein Werkstoffsystem entwickelt werden, welches in gängigen Fertigungsverfahren eingesetzt werden kann.

Meike Schmehl von der TU-Braunschweig (Institut für Geoökologie) zeigte in ihrer Ökobilanz deutliche ökologische Vorteile dieses Systems gegenüber dem konventionellen Glas/Polyester-Verbundwerkstoff auf. In einer ersten Prototypserie konnte zusammen mit den Industriepartnern NAFGO GmbH, Neerstedt und Braunschweiger Kunststoff-Technik (BKT), Braunschweig, ein Omnibus-Element hergestellt werden, welches in einer weiteren Phase des Projekts einem einjährigen Praxistest im Fahrbetrieb an Stadtbussen der Braunschweiger Verkehrs-AG unterzogen wird.

“Nachhaltige Alternative zu etablierten Systemen”

“Mit unserem umweltfreundlichen Werkstoff aus Hanffasern und einem Spezialharz auf Basis von Pflanzenölen und Kohlenhydraten bieten wir ein innovatives Werkstoffkonzept an, das in einem bedeutenden Segment der Kunststoffverarbeitung für den technisch anspruchvolleren Bereich eine nachhaltige Alternative zu etablierten Systemen darstellt”, freut sich Dr. Hans-Bernhard von Buttlar (IGLU).

Entscheidender Durchbruch für außen gelegene Karosseriebauteile

Werkstoffe aus Naturfasen würden als Trägermaterial für Verkleidungselemente in Fahrzeuginnenräumen bereits eingesetzt. Der entscheidende Durchbruch sei, dass der entwickelte Werkstoff für außen gelegene Karosseriebauteile verwendet werden könne, die Feuchtigkeit, Kälte, Hitze, Streusalz und Schlagbelastungen ausgesetzt seien, erläuterte DBU-Referent Dr. Holger Wurl. Damit träten Öko-Kunststoffe aus nachwachsende Rohstoffen zunehmend auch in Konkurrenz zu Bauteilen, die traditionell aus Stahl oder faserverstärkten Kunststoffen gefertigt werden.

“Keine verfahrenstechnischen Änderungen im Vergleich zur konventionellen Bauteilfertigung notwendig”

Mit besonderem Stolz verweist von Buttlar darauf, dass es gelungen sei, den umweltfreundlichen Werkstoff nach dem gängigen, so genannten SMC-Verfahren (Sheet-Moulding-Compound) zu pressen. Mit dieser verbreiteten Methode, die auch bei der Herstellung faserverstärkter Kunststoffe eingesetzt werde, hätten sich Naturfasern bisher nicht verarbeiten lassen. “Dieses Optimierungsergebnis bringt einen entscheidenden Vorteil: Es sind keine verfahrenstechnischen Änderungen im Vergleich zur konventionellen Bauteilfertigung notwendig.”

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 08448):
Dr. Hans-Bernhard von Buttlar
Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (IGLU) GbR
Telefon: 0551/54885-22, Fax: 0551/54885-11
E-Mail hb.vonbuttlar@iglu-goettingen.de

(Vgl. Meldung vom 2004-06-18.)

Source: DBU-Pressemeldung vom 2005-09-28.

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