23 Juni 2003

Ernteerträge 2003 mit niederschmetternder Prognose

Ergebnis einer dpa-Umfrage bestätigt große Verluste für Landwirte

Bauernverbände und Landwirtschaftsministerien sind sich einig, dass die diesjährigen Witterungsverhältnisse für viele Regionen einen Ernteeinbruch bewirken. Ob Hitze und Trockenheit oder vernichtende Unwetter – die Extreme sorgten für denkbar schlechte Wachstumsbedingungen – besonders betroffen sind die ostdeutschen Betriebe.

Nach Angaben des Landesbauernverbandes Brandenburg seien 40 bis 55 Prozent der regionalen Anbauflächen schwerst geschädigt, die Verluste von Getreide betrügen z.T. über 75 Prozent. Dem Agrarministerium Mecklenburg-Vorpommerns zufolge kämen mit 15 bis 35 Prozent Ernteausfällen bei Raps und Getreide Ertragseinbußen im Wert von 100 bis 150 Mio. EUR auf die Bauern zu – Sachsen-Anhalt hat sogar schon 50 Prozent seiner Ernten verloren und um EU-Beihilfen ersucht.

Mit bis zu bis zu 60 Mio. EUR beziffert der sächsische Bauernverband allein seine Verluste im Getreide. In Thüringen befürchtet der Bauernverband sogar einige Unternehmenskonkurse: “Es kann sein, dass Betriebe Pleite gehen”, so Geschäftsführer Edgar Dänner. Jahrhunderthochwasser, extremer Winterfrost – und nun die Ernte: “Die wirtschaftliche Situation der Landwirte spitzt sich zu”, befürchtet Agrarministerin Petra Wernicke (CDU).

Aber auch die alten Bundesländer haben Anlass zur Klage: “Die Lage ist mittlerweile so kritisch geworden, dass sämtliche Niederschläge in den nächsten Tagen einfach zu spät kommen”, sorgt sich der Baden-Württembergische Landesbauernverband-Sprecher Heinrich Maurer um die durch die anhaltende Trockenheit schwer geschädigten Anbauflächen. Auch beim bayerischen Winterraps und Wintergetreide zeichnen sich Einbußen um die 30 Prozent ab: “Die Bestände sind deutlich dünner, das sind die typischen Trockenschäden”, so Willi Zellner vom Bayerischen Bauernverband.

Die Landwirtschaftskammer Westfalen sieht ihre Ernten allerdings eher durch den strengen Winterfrost auf Durchschnitt reduziert, während im Rheinland fast ein Drittel der Erträge der langen Trockenperiode zum Opfer fielen, woran selbst spontan einsetzender Regen nun auch nichts mehr ändern könnte.

Mit Ertragseinbußen zwischen 10 und 40 Prozent vor allem beim Wintergetreide rechnen die Experten der Landwirtschaftskammer Hannover, der Landvolkverband Niedersachsen dagegen prognostiziert eher Schäden bei den Kartoffeln in den östlichen Regionen.

Einzig Schleswig-Holstein braucht sich um größere Ausfälle nicht zu sorgen: “Alarm schlagen können wir noch nicht. Es ist bei uns bei weitem noch nicht so schlimm wie in Niedersachsen”, war von der dortigen Landwirtschaftskammer zu vernehmen.

Source: Remscheider GA und Obermain-Tagblatt vom 2003-06-20 und Oberhessische Presse, Westfälische Rundschau, Badische Zeitung und "Süd

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