6 September 2007

Erfurt: Großes Internationales Interesse an Pflanzenöl-Kraftstoffen

Pressemitteilung des nova-Instituts vom 06.09.2007 zum Ersten Internationalen Kongress zu Pflanzenöl-Kraftstoffen, 6. und 7. September 2007, Messe Erfurt im Rahmen der naro.tech, Messe und Kongress für Nachwachsende Rohstoffe

Deutschland ist Weltmeister bei der Nutzung von Pflanzenöl-Kraftstoffen, kann seinen technischen Vorsprung aber nur halten, wenn die Politik verlässliche Rahmenbedingungen schafft.

Der Pflanzenöl-Kongress stellt das größte internationale Ereignis zu dieser Thematik dar, das je stattgefunden hat: Knapp 300 Besucher aus mehr als 27 Ländern , 50 Aussteller und über 25 Partnerschaften zeigen das große nationale und internationale Interesse an diesem naturnahen Treibstoff, der oft neben Biodiesel, Bioethanol und synthetischen Biokraftstoffen der sog. Zweiten Generation (Biomass to Liquid) in Vergessenheit gerät – zu Unrecht, wie die zunehmende Etablierung und Professionalisierung von Pflanzenöl-Kraftstoffen zeigen.

Der Kongress und die Ausstellung decken das gesamte inhaltliche Spektrum der Pflanzenöl-Kraftstoffe ab: Politik, Ökologie, Märkte und Ökonomie, Technik von Produktion und Qualitätssicherung, mobile Anwendungen (LKW, PKW und landwirtschaftliche Maschinen) und stationäre Anwendungen (BHKW). Auch ganz aktuelle Themen wie Mutagenität der Abgase von Pflanzenöl-Motoren, Einhaltung der EURO-4-Norm und sich ändernde politische Rahmenbedingungen (Biokraftstoff-Besteuerung, EEG) konnten in das Programm und den 350-seitigen Tagungsband integriert werden, der auch nach dem Kongress erhältlich sein wird (www.pflanzenoel-kongress.de).

Ein Grund für die große internationale Teilnahme dürfte das Interesse an deutscher Technik sein, die bei Produktion, Lagerung, Abfüllung, Umrüstung und Abgasbehandlung weltweit führend ist.

Kurzinformationen zum Einsatz von Pflanzenöl-Kraftstoffen in Deutschland

Pflanzenöl-Kraftstoffe sind die preiswertesten Biokraftstoffe überhaupt. Sie können dezentral in kurzen Prozessketten mit hoher regionaler Wertschöpfung produziert und in sachkundig umgerüsteten Dieselmotoren ohne technisches Risiko eingesetzt werden.

Pflanzenöl-Kraftstoffe stellen in Deutschland eine Erfolgsgeschichte dar, mit der niemand in diesem Ausmaß gerechnet hat. Im Jahr 2006 wurden 1,1 Mio. t Pflanzenöl-Kraftstoffe – vor allem einheimisches Rapsöl – im Bereich LKW-Flotten, Landwirtschaft und Diesel-PKWs abgesetzt. Diese Menge ist mehr als doppelt so hoch wie der Absatz von Bioethanol und wird nur noch von Biodiesel übertroffen.

Weitere etwa 400.000 t werden in 1.800 umgerüsteten Blockheizkraftwerken (BHKW) zur dezentralen Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt. Hier finden vor allem einheimisches Rapsöl und importiertes Palmöl Verwendung.

Bis Biokraftstoffe durch einen hohen Erdölpreis ohne weitere Unterstützungen wettbewerbsfähig sind, ist die Politik gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Nur dann stehen Biokraftstoffe auch ausreichend zur Verfügung, wenn das Erdöl knapp und teuer wird. Während die Zukunft von Biodiesel und Bioethanol durch die Beimischung gesichert ist, sind Pflanzenöl-Kraftstoffe als Reinkraftstoffe durch die zunehmende Besteuerung in Gefahr. Nur wenn hier neue gesetzliche Regelungen getroffen werden, können diese Biokraftstoffe ihre Erfolgsgeschichte fortsetzen.

Pflanzenöl-Kraftstoffe werden sich bei geeigneten politischen Rahmenbedingungen in ihren Nischen weiter entwickeln. Im Bereich LKW, BHKW und Landwirtschaft haben sie sich bereits gut etablieren und professionalisieren können. Auf diesem Weg werden sie erfolgreich weiter fortschreiten. Für den automobilen Masseneinsatz fehlen (noch) die Serienmotoren und optimale Partikelfilter.

Sollten Serienmotoren auf den Markt gebracht werden, die direkt Pflanzenöl nutzen können und zudem über eine gute Abgasreinigung verfügen, könnten Pflanzenöl-Kraftstoffe sogar aus ihrer Nische heraustreten. Gerade für Erdöl-arme Entwicklungsländer mit eigener Automobilindustrie könnte dies eine interessante Option sein.

Für Entwicklungsländer mit einer klein strukturierten Landwirtschaft bieten sich Pflanzenöl-Kraftstoffe auch deshalb an, weil sie einfach und dezentral produziert werden können, die Wertschöpfung in der Region bleibt und bestehende Agrarstrukturen eher gestärkt als zerstört werden. Hier ist oft das fehlende technische Know-how das Haupthindernis – sofern überhaupt Informationen zum Einsatz von Pflanzenöl als Kraftstoff verfügbar sind.

Der Erste Internationale Pflanzenöl-Kongress wird sicher dazu beitragen, die weltweiten Akteure zu vernetzen, Know-how untereinander auszutauschen und Strategien für eine weitere Etablierung zu entwickeln.

Dipl.-Phys. Michael Carus
Geschäftsführer des nova-Instituts

nova-Institut GmbH
Chemiepark Knapsack
50351 Hürth bei Köln
Telefon: +49 (0) 2233 – 48 14 40
www.nova-institut.de

P.S.: Besonderer Dank gilt unseren mehr als 25 Kongress-Partnern und unseren Sponsoren Krampitz Tanksystem GmbH, Oil Market Report (O.M.R.) und WBT Datensysteme/Tankautomation GmbH, ohne die dieses Ereignis nicht möglich gewesen wäre.

Source: nova-Institut, Pressemitteilung vom 2007-09-06.

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