22 Juni 2004

Erdöl-Ersatzstoffe: Ultraschallsensoren demnächst aus Cellulose?

TITK gelingt Entwicklung von Hightechprodukten - auch Chemieriese BASF denkt weiter

Würde man sich alles weg denken, das auf Erdöl basiert, wäre ein fast radikaler “Kahlschlag” in unserem Alltag die Folge. Denn die meisten Produkte unserer schönen “Plastikwelt”, die mit “Poly” beginnen, sind aus Erdöl…

Inzwischen explodiert der Ölpreis, aber schon etliche Jahre gibt es Pioniere im Kunststoffbereich, die die Endlichkeit dieser Ressource realisiert haben und nach Alternativen suchen. So arbeitet BASF seit einiger Zeit bereits mit Bakterien, die aus Zucker oder Pflanzenöl Polyester produzieren, welche als Papierbeschichtung, Vliese, Kleber oder Verpackungen eingesetzt werden können – natürlich voll kompostierbar! “Aus der Sicht des Chemikers ist eigentlich alles machbar, grundsätzlich lässt sich Erdöl ersetzen”, konstatiert BASF-Chemikerin Karin Elbl-Weiser, “es ist alles eine Frage des Aufwandes”.

Auch das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoffforschung (TITK) ist auf dem Weg: “Wir wollen das nutzen, was die Natur vormacht”, erklärt Ralf Bauer, TITK-Geschäftsführer. Hier wird an der Cellulose-Verarbeitung geforscht, der in der Natur am häufigsten vorkommenden organischen Verbindung. Fasern und Folien sind bereits hinlänglich produktionsreif, “aber auch hochwertige Hightechprodukte sind gelungen”, betont Bauer. Er spricht von Ultraschallsensoren für Automobile, die nach langer und zeitaufwändiger Tüftelei entwickelt werden konnten.

Auch eine essbare Zellulose-Verpackung für Lebensmittel kommt aus Thüringen – aber: “Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung”, weist Bauer auf die noch zu nehmenden Hürden im ökonomischen Bereich hin. Denn Erdöl-Alternativen sind zwar dringend vonnöten, aber sowohl die natürlichen als auch die biotechnologisch hergestellten sind bisher noch viel zu teuer. Mit bis zu zwanzig Jahren rechnet Bauer, bis Alternativprodukte einen interessanten Marktanteil erreichen können – denn letztlich ist alles eine Frage des Preises…

(Vgl. Meldungen vom 2004-03-31, 2003-07-17 und 2003-03-27.)

Source: Kölnische Rundschau vom 2004-06-16.

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