4 Oktober 2005

Energiepreiskrise: Nachwachsende Rohstoffe sparen die Heizung!

Das Haus ohne Heizung ist Realität - Niederösterreichisches Unternehmen zeigt wie.

BildDas Haus der Zukunft verbraucht kaum Energie, ist naturnah, biologisch nachhaltig, und unabhängig vom Ölpreis. Und das schönste: es existiert bereits. Den Beweis findet man im südlichen Niederösterreich.

Roland Meingast kann der kommenden Heizsaison gelassen entgegenblicken. Während viele Eigenheimbesitzer derzeit unter den immer horrender werdenden Heizkosten-Rechnungen stöhnen, kann sich der Unternehmer aus Tattendorf bei Baden (NÖ) beruhigt zurücklehnen. Sein Firmensitz ist nämlich eines der Vorzeigeobjekte einer neuen Generation von Haus. Bei der Errichtung wurde auf eine optimale Mischung aus Tradition und High-Tech gebaut: Die Kombination aus Lehm – einem der ältesten Baustoffe der Welt – und modernster Wärmetausch-Technik macht die Heizung überflüssig.

Für kühle Rechner: Die neue Bauweise bringt es auf einen jährlichen Heizkostenaufwand von 12 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das entspricht einem 20tel des österreichischen Durchschnittsverbrauchs. Im konkreten Fall verbraucht der gesamte Gebäudekomplex mit insgesamt 315 Quadratmetern Energie im Gegenwert von etwa 350 Litern Heizöl pro Jahr. Roland Meingast: “Dieser Wert wäre sogar für ein Einfamilienhaus in Normalgröße sensationell”.

Und tatsächlich zeigt ein Vergleich mit einem konventionellen Haus den drastischen Unterschied: Von insgesamt 3,2 Millionen Haushalten in Österreich heizen derzeit etwa 30 Prozent mit Heizöl. Gerade sie trifft dieser Winter besonders hart: Der fossile Brennstoff ist um 40 Prozent teurer als noch im Jahr zuvor. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2.400 Litern im Jahr sind das 480 Euro Mehrausgaben. Und die Preisspirale dreht sich immer schneller: Schon 2004 lag der Preis für einen Liter Heizöl um 30 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Zahlen die geeignet sind, einem – trotz wohliger Raumtemperaturen – kühle Schauer über den Rücken laufen zu lassen.

Den Sparmeister Roland Meingast lassen solche enormen Kosten naturgemäß kalt. Mit seiner Firma “natur & lehm” ist er nicht nur Vorreiter für nachhaltiges und naturnahes Bauen sondern auch Österreichischer Marktführer in der Sparte Lehmbaustoffe und Lehmputze. Meingast: “Das Schöne daran ist, dass neben dem Spareffekt alle beim Bau verwendeten Materialien auch noch natürlich, umweltfreundlich und wieder verwertbar sind. Das ist einerseits Lehm, als unbegrenzt wieder verwendbarer Baustoff, das sind die reichlich nachwachsenden Dämmstoffe Stroh und Flachs, und das ist andererseits natürlich Holz für die tragende Konstruktion.”

Mit dieser Philosophie ist die Tattendorfer Ideenschmiede eines der ganz wenigen Unternehmen, das 100% biologische Baustoffe herstellt. Mit Erfolg. Denn vor allem eine Eigenschaft des Lehms schlägt alle synthetisch hergestellten Baustoffe um Längen. Meingast: “Das Raumklima in einem Lehmhaus ist unüberbietbar. Wir haben es mit einem atmenden Material zu tun und zusätzlich fallen – wenn wie bei natur & lehm keine künstlich stabilisierten Lehmimitationen verwendet werden – alle Giftstoffe, wie etwa Lösungsmittel, völlig weg. Gesünder und sparsamer kann man nicht bauen.”

Die Methode aus dem südlichen Niederösterreich liegt also voll im Trend.

Denn immer mehr private und gewerbliche Bauherren vertrauen auf die neuen Lehmhäuser. Dass es sich dabei um eine Technik handelt, die höchsten Ansprüchen genügt, beweist etwa die Errichtung des Schiestlhauses am Hochschwab. Beim Neubau der auf 2.200 Meter hoch gelegenen Schutzhütte wurde auch auf Lehmtechnik aus Tattendorf gesetzt. Meingast: “Die klimatischen Bedingungen am Hochschwab sind wirklich extrem, vergleichbar mit Bedingungen in der Arktis. Ein Baustoff der hier bestehen soll, muss wirklich besonders widerstandsfähig sein.”

Auch der ORF würdigt die revolutionäre Baumethode mit einem Programmschwerpunkt. Die Dokumentation “Bauen mit Hausverstand” am Montag, dem 31. Oktober, um 22.25 Uhr in 3sat, begleitet ambitionierte Pilotprojekte aus dem Impulsprogramm “Nachhaltig Wirtschaften – Haus der Zukunft” des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie vom ersten Spatenstich bis zu ihrer Fertigstellung. Wer nicht so lange warten will um sich ein Bild vom Haus der Zukunft zu machen, kann direkt in der Firmenzentrale von “natur & lehm” in Tattendorf vorbeischauen. Jeden Dienstag zwischen 13 und 20 Uhr gibt es Führungen durch das Vorzeigeobjekt.

Weitere Informationen gibt es auch auf der Firmenhomepage www.lehm.at.

Source: Oekonews.at vom 2005-10-04.

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