26 April 2012

Energiehirse: Welche Sorten sind wo empfehlenswert?

Forschungsergebnisse des Projektes "Anbautechnik Sorghumhirsen" liegen vor

In den Jahren 2008 bis 2011 führten das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg (LELF) und das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing (TFZ) Anbauversuche mit verschiedenen Hirsesorten als Energiepflanzen durch. Untersucht wurden Ertrag, Standorteignung, Trockensubstanzgehalt, Wasserhaushalt, Nährstoffeffizienz und verschiedene Anbauverfahren (Saatzeit, Saatstärke, Reihenabstand, Herbizideinsatz).

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über dessen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), gefördert.

Die Abschlussberichte stehen unter den Förderkennzeichen 22005007, 22021607, 22021507 und 22028207 auf www.fnr.de im Menü “Projekte & Förderung” zur Verfügung.

Zu den wichtigsten Ergebnissen in den einzelnen Teilvorhaben zählen folgende Resultate:

Sorten: Vertreter von Sorghum bicolor (Futterhirse; bei hohem Zuckergehalt auch Zuckerhirse genannt) bringen je nach Boden- und Klimabedingungen etwas unter Mais liegende, gleich hohe oder im Einzelfall höhere Erträge als Mais.

Sorghum bicolor x Sorghum sudanense-Sorten (Sudangrashybriden) sind im Mittel weniger ertragsstark als bicolor-Sorten, einige der geprüften Sorten benötigten aber weniger Zeit zum Erreichen eines für die Silierung ausreichenden Trockensubstanzgehaltes von mindestens 28 Prozent.

An den Standorten der Projektpartner standen sieben verschiedene Futterhirsesorten auf dem Prüfstand. Goliath, Sucrosorgo 506, KWS Zerberus und Herkules lagen in punkto Ertrag vorn, Rona 1, KWS Maja und Super Sile 20 schnitten schlechter ab. Da sich Futterhirsen durch eine langsamere Trockensubstanzbildung auszeichnen, empfehlen die Forscher insbesondere bei den massebetonten, späten Sorten, zu denen alle sieben getesteten Sorten gehören, auf eine ausreichend lange Vegetationszeit für einen sicheren Anbau zu achten. Zu bedenken ist dabei auch, dass Sorghum im Allgemeinen aufgrund der geringen Kältetoleranz erst ab Mitte Mai ausgesät werden kann.

Von den im Projekt vertretenen Diluvial-, Löss- und Verwitterungsstandorten kristallisierten sich hier vor allem leichtere bis mittlere Diluvialböden sowie Lössböden im Mitteldeutschen Trockengebiet als gut geeignet heraus.

Bei den Sudangrashybriden (getestet wurden Susu, Bovital, King 61, True, Nutri Honey, Jumbo und Lussi) erwies sich “Lussi” an allen Standorten als am besten geeignet. Die Sorte ist neben dem Hauptfruchtanbau aufgrund ihrer Frühreife auch für den Zweitfruchtanbau oder auf Standorten mit geringerer Vegetationszeit empfehlenswert.

Wasserhaushalt: Die TLL verglich Wasserverbrauch und –effizienz sowie Bodenwasseraneignung der Futterhirsesorte Goliath und der Maissorte Atletico. Im Ergebnis hat Goliath zwar einen größeren Wasserbedarf, bei optimaler Wasserversorgung kann die Sorte diesen Faktor jedoch auch in einen deutlich höheren Ertrag umsetzen. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Goliath aufgrund starker Lagerneigung heute vor allem auf besseren Böden als nicht mehr empfehlenswert gilt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die Ergebnisse aber auf viele andere bicolor-Sorten übertragbar. Diese sind also vor allem für Standorte mit hoher Bodengüte, guter Wasserversorgung und hohen Durchschnittstemperaturen empfehlenswert. Mit abnehmendem Wasserangebot verschlechtert sich jedoch die Wassernutzungseffizienz der Hirse gegenüber dem Mais. Dennoch wird in Trockenjahren eine Ertragsüberlegenheit von Futterhirse beobachtet – zurückzuführen vermutlich auf das bessere Bodenwasseraneignungsvermögen der Pflanzen. Voraussetzung ist, dass der Boden über einen ausreichenden Wasservorrat in der Tiefe verfügt und eine gute Durchwurzelung erlaubt. Dies bestätigten auch die Gefäßversuche im Projekt.

Insofern könnten Futterhirsen auch in Trockengebieten eine gute Alternative zum Mais darstellen, hier bedarf es allerdings noch weiterer Forschungen.

Nicht geeignet sind hingegen schwere, sich langsam erwärmende Böden mit einer durchschnittlich kühl-feuchten Witterung.

Nährstoffe: Sorghum im Allgemeinen und Sorghum bicolor im Besonderen zeigt ein hohes Nährstoffaneignungsvermögen und einen hohen Nährstoffentzug. Die TLL beobachtete in den ersten beiden Versuchsjahren eine stärkere Reduzierung der Stickstoffverlagerung auf Sandböden unter dem Goliath- im Vergleich zum Atletico-Bestand. Dank ihres tiefer reichenden Wurzelsystems hat die Hirse offenbar das Potenzial, mehr Stickstoff aus dem Unterboden zu fixieren und Verlagerung zu vermindern.

Anbautechnik: Das LfULG untersuchte auch den Einfluss von Saatstärke und Reihenabstand auf die Erträge. Im Ergebnis ließen sich diese mit einer Erhöhung der Saatstärke steigern, allerdings nahm dann auch die Lageranfälligkeit zu. Die Veränderung des Reihenabstandes hatte hingegen keine Auswirkungen auf den Ertrag.

Im Projektverlauf wurde deutlich, dass bei den untersuchten Sorten insbesondere in den Punkten Keimfähigkeit, Frühsaatverträglichkeit, Triebkraft, Standfestigkeit, schnelle Abreife und Trockenmasseertrag noch Verbesserungsbedarf besteht.

Inzwischen bietet der Markt neue Sorten. Um diese bewerten und bei aktuellen Anbauempfehlungen berücksichtigen zu können, startete 2011 das ebenfalls vom BMELV geförderte Folgeprojekt “Pflanzenbauliche, ökonomische und ökologische Bewertung von Sorghumarten und –hybriden als Energiepflanzen”, an dem LfULG, LELF, TFZ, TLL und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beteiligt sind. In diesem Vorhaben stehen unter anderem die neuen Sorten Odin (Futterhirse) und Freya (Sudangrashybrid) auf dem Prüfstand. Ergebnisse werden ab 2014 erwartet. Die Förderkennzeichen der Teilvorhaben: 22006710, 22006810, 22006910, 22007010, 22007110.

Parallel arbeitet seit Jahresbeginn 2012 die Universität Gießen an der weiteren züchterischen Verbesserung von Sorghum. Die Forscher wollen die Züchtungsmethodik weiter entwickeln, um neue reinerbige Sorghum-Linien zu erzeugen, die bei Frühreife, Standfestigkeit sowie Biomasse- und Methanerträgen noch bessere Eigenschaften aufweisen. Die Teilvorhaben im Projekt “Entwicklung von neuem, adaptiertem Basismaterial für die Züchtung von Sorghum als alternative Energiepflanze” haben die Förderkennzeichen 22006911 und 22007111.

Source: Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe, Pressemitteilung, 2012-04-26.

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