17 August 2001

TOP Energie aus Biomasse immer lukrativer

Seit dem In-Kraft-Treten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) am 1. April 2000 rechnen sich Investitionen in Biomasse-Kraftwerke zur Gewinnung von Wärme und Strom, denn staatliche Förderungen lassen eine Kostenersparnis gegenüber fossilen Brennstoffen um ca. 10 % bis 15 % zu. Zusätzlich erbringt die Einspeisung des gewonnenen Stroms ins öffentliche Netz bis zu 20 Pf/kWh (vgl. auch Meldungen vom 20.04.01 und 07./08.05.01).

Während laut Biomasse-Info-Zentrum (BIZ) der Universität Stuttgart die Nutzung von gasförmigen Brennstoffen mit einer bisherigen Nettostromproduktion von 920,5 GWh an der Spitze der Bioenergieproduzenten liegt, nimmt seit der Ratifizierung der Biomasseverordnung das Interesse an fester Biomasse, insbesondere Holz zu (vgl auch Meldungen vom 02.07.01 und 21.06.01). Bisher hält die feste Biomasse nur ca. 1,4 % des Primärenergieverbrauchs, aber mittlerweile seien 50 bis 60 Großprojekte deutschlandweit in Planung, wird von Steffen Hofmann, dem Berater der Energieagentur NRW, geschätzt. So wollen nun auch Großkonzerne wie die Deutsche Shell aus Hamburg in Biomasse-Heizkraftwerke investieren.

Die Wirtschaftlichkeit von Großanlagen mit bis zu 15-20 MW installierter Leistung ist jedoch noch nicht erwiesen, auch wenn Deutschland auf ein Altholzaufkommen von 7-8 Mio t pro Jahr zurückgreifen kann. Der Holzverbrauch einer solchen Großanlage von jährlich 150.000-200.000 t könnte die Marktlage verändern: “Die Gefahr ist, dass bei großer Nachfrage der Brennstoff teurer wird und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen wieder sinkt”, zweifelt Diplom-Agraringenieur Oliver Waitze vom BIZ.

Bisher laufen 64 Anlagen mit fester Biomasse bei einer Stromproduktion von 246 GWh, wohingegen BIZ bereits 990 Anlagen für gasförmige Brennstoffe mit einer Nettostromproduktion von 920,5 GWh benennt. Laut Waitze ist auch vergangenes Jahr im Schnitt beinahe täglich eine neue Biogasanlage hinzugekommen, die Gesamtzahl wird derzeit auf 1.500 geschätzt. Ganz hinten rangieren noch die flüssigen Energieträger mit 37 Anlagen, die 1999 bis 3,5 GWh erzeugten.

Am Problem der Wärmeverpuffung von, aus vergorener Gülle produziertem, Biogas arbeitet derzeit das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik “Umsicht” in Oberhausen mit einem Pilotprojekt. Auf dem Bauernhof Loick in Dorsten-Lembeck wird mit dem Biogas ein Blockheizkraftwerk betrieben, das ca. 2 Mio. kWh Strom und 3 Mio. kWh Wärme jährlich produziert. Hier soll neben der Stromeinspeisung die gewonnene Abwärme für eine thermische Kühlanlage genutzt und an ein Industrieunternehmen verkauft werden. Projektleiter Stephan Kabasci: ” Es spart Heizkosten, erzeugt preisgünstige Kälte aus Abwärme, liefert Strom, verringert die Emission von Treibhausgasen, reduziert Nitratauswaschungen ins Grundwasser und schließt den Kreislauf von Nährstoffen aus organischen Abfällen.”

Flüssige Biomasse wie Rapsöl zur Gewinnung von Treibstoff bietet ebenfalls noch ein großes Potenzial. So wird noch in diesem Jahr mit einem Produktionsanstieg von 300.000 t auf 450.000 t gerechnet. Waitze (BIZ): “In den nächsten Jahren ist mit einer deutlichen Ausweitung der Kapazitäten um zirka 500.000 Tonnen durch acht neue Anlagen zu rechnen.”(Vgl. auch Meldungen vom 23.05.01 und 28.05.01).

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: VDI nachrichten vom 17. August 2001.

Source: VDI nachrichten vom 17. August 2001.

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