12 Februar 2007

Emissionsszenarien für Feinstaub – PM10

Studie zur Abschätzung der Immissionsveränderung und der gesundheitlichen Auswirkungen

Auf Initiative von ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt wurde von der Medizinischen Universität Wien und dem Institut für industrielle Ökologie eine Studie über die “Forcierung von Holzheizungen im Inntal” angefertigt.

Kurzfassung
Zum Schutz des globalen Klimas und zur Erhöhung der Versorgungssicherheit wird im Land Tirol der Ausbau der Biomasseheizungen gefördert, wobei Biomasseheizungen etwa ein Viertel der Anlagen ausmachen. Etwa die Hälfte aller Heizungsanlagen im Sektor Kleinverbraucher in Tirol stellen derzeit Ölkessel dar.

In vier Szenarien wird der Ersatz dieser Ölkessel abgeschätzt und die Emissionsveränderungen von Feinstaub (PM10), Kohlendioxid (CO2) und Stickoxiden (NOx) für das Jahr 2015 berechnet:

In den Szenarien “Gas” bzw. “Holz” wird jeweils die Hälfte der derzeitigen Ölkessel im Inntal durch Gaskessel bzw. Holzkessel ersetzt. Weiters wird in den Szenarien “Mix+” bzw. “Holz+” der Ersatz aller Ölkessel durch Gas- und Holzkessel bzw. nur durch Holzkessel angenommen.

Da im Szenario “Gas” alle Emissionen (CO2, NOx und Staub) zurückgehen, weist dieses Szenario insgesamt betrachtet die größten emissionsrelevanten Erfolge auf.

Bei den Szenarien “Holz” und “Mix+” stehen dem Kyoto-relevanten Rückgang der CO2-Emissionen die immissionsrelevanten Steigerungen von NOx und Staub gegenüber, wobei diese Effekte beim Szenario “Holz+” noch verstärkt sind. Die Immissionskonzentration von PM10 liegt im Inntal derzeit bei einem Jahresmittelwert von durchschnittlich 30 diese in den Szenarien “Holz” und “Mix+” auf etwa 32,2 “Holz+” auf 34,3 der Überschreitung der Tagesmittelwerte von 50 Szenarien ein Anstieg der Überschreitungen von derzeit etwa 43 auf 50 bis 60 Tage.

Umweltmedizinisch wird das Szenario “Holz+” trotz seiner hohen CO2-Reduktion am ungünstigsten beurteilt, weil die damit verbundene Feinstaub- und NOx -Belastung schon bald zu beträchtlichen Anstiegen der Morbidität und Mortalität führen würden. Auch unter Abwägung langfristiger Vorteile der prognostizierten CO2-Einsparung kann das Szenario “Holz” medizinisch nicht befürwortet werden, weil dadurch ab dem Jahr 2015 etwa 30 vorzeitige Sterbefälle jährlich und eine vielfach größere Zahl von Erkrankungen auftreten würden.

Im Hausbrand gilt es daher primär den Energiebedarf durch umfassende thermische Gebäudesanierungen sowie durch Steigerung der Energieeffizienz zu senken. Die Wohnbauförderung wäre in dieser Hinsicht zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Als zweiter Schritt wäre die Energiebereitstellung zu betrachten. Hier weisen speziell Biomasse-Kleinfeuerungen durch den großen Einfluss der Betriebsweise und des Nutzerverhaltens negative Auswirkungen vor allem in Ballungsräumen auf. Neue Entwicklungen bei Biomasse-Einzelöfen zielen allerdings auf deutlich niedrigere Werte ab, was deren Verwendung außerhalb von Ballungsräumen vertretbar machen würde.

In Ballungsräumen sind generell zentralisierte Systeme wie beispielsweise Biomasse Fernheizwerke zu bevorzugen, da diese Anlagen auf Grund weitergehender Emissionsminderungen die abgeschätzten Werte unterschreiten würden. Bei Strategien zur Biomasseförderung wäre dies ebenso entsprechend zu berücksichtigen.

Die komplette Studie steht hier zum Download bereit (PDF-Dokument, ca. 2,4 MB).

Kontakt
Med Uni Wien, Inst. Umwelthygiene / ZPH
Dr. Hanns Moshammer
Tel.: +43-1-4277-64711
Fax: +43-1-4277-64799

(Vgl. Meldungen vom 2007-01-25 und 2006-12-20.)

Source: Med Uni Wien, Inst. Umwelthygiene / ZPH, 2007-02-02.

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