26 August 2008

Elektronikschränke aus nachwachsenden Rohstoffen

Rittal entwickelt den BioRack und die bionische Schockpalette

Das von Rittal ins Leben gerufene Forum “Faszination Zukunft” hat sich zu einer renommierten Plattform auf der Hannover Messe entwickelt: Gemeinsam mit Kunden, Lieferanten und Forschungseinrichtungen werden Lösungskonzepte diskutiert und auf ihren konkreten Nutzen abgeklopft. 2008 standen nachhaltige Anwendungskonzepte im Mittelpunkt der Sonderausstellung – so das BioRack und die bionische Schockpalette.

original.jpgIm Zeichen von Energie- und Ressourcenverknappung sind Nachhaltigkeitskonzepte wichtiger denn je. Gerade die Entwicklungsabteilungen in Unternehmen sind gefordert, nicht-nachwachsende Ressourcen in ihren Produkten durch nachwachsende zu ersetzen und auch Entsorgungsaspekte zu berücksichtigen. Ein Beispiel für den möglichen Einsatz nachwachsender Rohstoffe bietet die Rittal Konzeptstudie BioRack, die das Unternehmen auf der Plattform “Faszination Zukunft” im Rahmen der Hannover Messe dem Fachpublikum präsentierte. Die Sonderausstellung hat sich als anerkanntes Messeforum etabliert, auf dem Unternehmen und Forschungsinstitute intensiv über Konzeptstudien von Rittal diskutieren und diese auf ihren Nutzen für den Anwender untersuchen.

Mit dem BioRack versucht Rittal, nachwachsende, umweltverträgliche und leicht abbaubare Materialien in der Racktechnologie nutzbar zu machen. Da die Rohstoff- und Entsorgungskosten aller Voraussicht nach weiter steigen werden, könnte ein BioRack künftig eine kostengünstige Alternative zu Racks sein, die herkömmliche Materialien wie Stahlblech nutzen. Als mögliche Materialien werden neue Werkstoffe wie biologische Polymere, die aus Proteinen, Ölen und Stärken gewonnen werden, und natürliche Füllstoffe wie Holzfaser, Flachs, Hanf oder Sisal diskutiert. Hier arbeitet Rittal in enger Kooperation mit Partnern aus der Industrie und wissenschaftlichen Instituten wie den Fraunhofer Instituten, der Uni Freiburg und dem ITV Denkendorf. Ein Konzept mit ersten Ideen hat das Unternehmen bereits auf der Hannover Messe sowie auf der Cebit vorgestellt: ein Rack mit Seitenwänden aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen.

Die bionische Schockpalette ist eine gemeinsame Entwicklung von Rittal, ITV Denkendorf und der Universität Freiburg. Um seinen Kunden auch in Zukunft wirkungsvolle, aus der Natur abgeleitete Lösungen für unterschiedlichste Anwendungen bieten zu können, arbeitet Rittal mit dem 2001 gegründeten Bionik-Kompetenz-Netzwerk (BIOKON) zusammen, das sich die Schaffung einer umfassenden Informationsinfrastruktur und die Bündelung der wichtigsten Arbeitsgruppen im Bereich Bionik auf die Fahnen geschrieben hat. Zu den Green-Island Produkten und Studien gehören auch energieeffiziente Klimakonzepte, passive Klimatisierungskonzepte, der Ersatz von Batterien durch Brennstoffzellensysteme sowie intelligente Überwachungs- und Monitoringsysteme, die den Ressourcenbedarf zum Beispiel im Rechenzentrum steuern, dazu.

Stabilität, Brandverhalten und Leitfähigkeit gehören dabei zu den größten Herausforderungen bei der Entwicklung eines BioRacks. Um die erforderlichen Materialeigenschaften steuern zu können, sind entsprechende Additive nötig. Mit diesem Punkt beschäftigt sich Rittal derzeit sehr intensiv, um alternative Lösungen zum Stahlblech zu finden und für die Zukunft gerüstet zu sein. Bereits im nächsten Jahr sollen erste Produkte auf den Markt kommen, die zumindest teilweise aus nachwachsenden Biostoffen bestehen. Je nach Anwendung und Eigenschaft werden diese Komponenten zunächst optional angeboten. Im Laufe der nächsten fünf Jahre plant Rittal, den prozentualen Anteil dieser Werkstoffe stetig zu steigern.

original-1.jpgDie Natur als Lehrmeister
Das BioRack ist eine Idee der Green-Island-Studien von Rittal. Diese zeichnen sich durch Nachhaltigkeit, Einbettung in die Natur sowie Schonung von Mensch und Umwelt aus. Zu den Green-Island-Konzepten von Rittal zählt auch die bionische Schockpalette. Hierbei geht es um den wirksamsten Schutz beim Transport von Schaltschränken mit hochsensibler Elektronik. Das Rittal-Konzept ist ebenso einfach wie schlüssig. Zur Dämpfung der Paletten werden künstliche Stacheln eingesetzt, die dabei helfen, Stöße effektiv abzumildern. Bei der Strukturoptimierung der Palette ließen sich die Bioniker von dem Beispiel der Natur leiten: So schützen die Stacheln von Igeln und Stachelschweinen diese vor Sturzverletzungen. Wie auch das BioRack nutzt die bionische Palette nachwachsende Rohstoffe wie etwa Hanf, Flachs oder Leinen.

Die aus einem Faserverbundstoff mit geschäumter Matrix und optimiert ausgerichteten Verstärkungsfasern gefertigte Palette ist damit bei vergleichbaren Kosten umweltschonender und entsorgungsfreundlicher als herkömmliche Palettensysteme, die zumeist aus einer Kombination unterschiedlichster Materialien wie zum Beispiel Metall, Holz oder Kunststoff bestehen. Dieser Materialmix ist problematisch, da die Paletten meistens nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden: Nicht alle gängigen Materialen sind für das Recycling geeignet; der Ressourcenverbrauch ist bei herkömmlichen Palettensystemen hoch.

Source: elektrotechnik, 2008-08-25.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email