19 März 2009

Einseitige Zertifizierung von Biomasse führt zu Flächentausch

Experten fordern Zertifizierungen von Biomasse unabhängig von der Nutzung

Gerd Höher vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung kritisiert die geplante Zertifizierung von Energiepflanzen in Deutschland und Europa. Höher wies auf einem dreitägigen Internationalen Energy Farming Congress in Papenburg (Niedersachsen) vor 250 Wissenschaftlern und Praktikern darauf hin, dass die Nachhaltigkeitsanforderung für jeglichen Anbau von Biomasse gelten müsse. Denn es bestehe kein Unterschied, ob pflanzliche Biomasse für die Nahrungsmittel- oder Energieerzeugung produziert werde.

Bei einer einseitigen Nachhaltigkeitsforderung wäre so ein schnelles Ausweichen in den Nutzungsrichtungen bei entsprechendem Flächentausch die Folge. “Häufig wird bei den Zertifizierungsbemühungen auch übersehen, dass landwirtschaftliche Rohstoffe knapper werden”, warnte Höher.

Eine Nachhaltigkeitsverordnung nur für Bioenergie-Rohstoffe sei nicht Ziel führend. Dazu sei der Marktanteil, den Rohstoffe für die Bioenergieproduktion derzeit einnehmen, mit zwei bis drei Prozent zu gering. Höher verwies darauf, dass es in Deutschland und den anderen Ländern der EU bereits tiefgreifende Regeln für eine nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Erzeugung gibt. Zusätzliche Auflagen zur Biomasseerzeugung lehnte er ab.

Derzeit widmen sich verschiedene Initiativen der Aufgabe, Nachhaltigkeitsanforderungen zu konkretisieren und Zertifizierungssysteme für Biomasse zu entwickeln. Bislang fehlte es aber an einem belastbaren System, diese Anforderungen zu garantieren.

Besonders schwierig ist es, die Endprodukte bis zu ihrem landwirtschaftlichen Ursprung zurückzuverfolgen. Genau hier setzt das von der Kölner Unternehmensberatung Méo Corporate Development GmbH geleitete Projekt “International Sustainability and Carbon Certification” (ISCC) an. Unterstützt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) entwickelt Méo ein in der Praxis umsetzbares Zertifizierungssystem für Biomasse und Bioenergie. Das geschieht gemeinsam mit Vertretern aus Industrie, Handel, Landwirtschaft und deren Interessenverbänden. “In einer ersten Phase mit Zertifizierungen in einigen Ländern hat sich gezeigt, dass das ISCC-System in der Praxis geeignet ist und die Ergebnisse reproduzierbar und zuverlässig sind”, sagte Dr. Jan M. Henke von der Méo Corporate Development GmbH auf einer Pressekonferenz am Rande der Veranstaltung.

Source: topagrar online, 2009-03-16.

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