24 Januar 2005

Einbruch bei nachwachsenden Rohstoffen?

Für den Anbau von Wintersaaten als nachwachsende Rohstoffe haben die Bauern nur noch bis zum Monatsende Zeit, bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ihre Anbau- und Lieferverträge vorzulegen, damit sie in den Genuss der Förderung durch die EU kommen. Darauf weist das Landvolk Niedersachsen hin. Für die Sommersaaten läuft die Frist noch bis zum 15. Mai. Wie bisher haben die Bauern auch nach der jüngsten Agrarreform die Möglichkeit, Stilllegungsflächen zum Anbau nachwachsender Rohstoffe zu nutzen, ohne die Stilllegungsprämie zu verlieren. In erster Linie kommt dabei der Winterraps zum Zuge, der immer stärker von der Biodieselindustrie nachgefragt wird. Seit dem vergangenen Jahr wird aber auch der Anbau von Früchten zur energetischen Nutzung auf nicht stillgelegten Flächen von der EU mit einer Energiepflanzenprämie von 45 EUR je Hektar (ha) gefördert, beispielsweise für Mais zur Nutzung in Biogasanlagen. Auch hierfür müssen Anbau- und Abnahmeverträge geschlossen und der BLE vorgelegt werden, in diesem Fall mit dem Erstverarbeiter wie etwa den Biogasanlagen.

Bis Anfang des Jahres lagen der BLE insgesamt 8.280 Verträge für den Anbau nachwachsender Rohstoffe auf knapp 83.000 ha vor. Im vergangenen Jahr wurden nachwachsende Rohstoffe aus Wintersaaten auf 210.000 ha angemeldet. Zwar dürften bis zum Fristablauf am 31. Januar noch etliche Verträge bei der BLE eingereicht werden, denn eine im Auftrag der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (Ufop) erstellte Studie lässt auf eine weit größere Aussaatfläche von Raps als nachwachsendem Rohstoff schließen. Die Prognosen gehen von einem Anstieg allein bei Raps um knapp 50 Prozent auf 313.000 ha zur kommenden Ernte aus. Die Bauern sind jedoch offensichtlich zurzeit durch die Agrarreform erheblich verunsichert über den Umfang ihrer Stilllegungsverpflichtung. Das spiegelt sich ebenso wider bei der Anbaufläche von Energiepflanzen. Der BLE liegen derzeit 385 Anbauverträge über knapp 22.000 ha vor, im vergangenen Jahr wurden Energiepflanzen auf 112.000 ha angebaut. Erstmals erfasst wurde jetzt der Anbau von Winterweizen zur Bioethanolgewinnung. Dazu liegen bisher 1.444 Anträge mit einer Fläche von 4.900 ha vor.

Die Preisentwicklung für Raps sowohl in der Lebensmittelschiene als auch für technische Zwecke verläuft nach der Rekordernte 2004 auch zum Jahresbeginn für die Bauern enttäuschend. Die Preise geben derzeit sogar etwas nach, während sich Rapsöl am Markt gut behaupten kann. Ursache ist die begrenzte Verarbeitungskapazität der Ölmühlen, die für die sehr große Ernte nicht ausreicht. Dieser Engpass könnte schon im Laufe des Jahres behoben werden, denn in Großbritannien soll im Sommer die weltweit größte Biodieselanlage mit einer Produktion von 250.000 t in Betrieb gehen.

Source: www.landvolk.net, Meldung vom 2005-01-19.

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