24 November 2003

EFFAT: Kritik an Kommissionsvorschlägen zur Zuckermarktordnung

In einer Sitzung des Sozialen Dialogs in der Zuckerindustrie hat die europäische Arbeitnehmervertretung EFFAT massive Kritik an der Mitteilung und den Vorschlägen der Kommission zur Zuckermarktordnung geübt, weil diese die Existenz fast der gesamten Europäischen Zuckerindustrie gefährden würde.

Selbst die Kommission geht schon in der von ihr favorisierten Option und nach ihren optimistischen Schätzungen mit einem Verlust von über drei Viertel aller Arbeitsplätze in der Zuckerindustrie aus. EFFAT wisse, dass ein Wandel notwendig sei, aber dieser dürfe nicht dazu führen, dass Europa die europäische Zuckerindustrie opfere. Und wenn die Kommission bei den geplanten drastischen Einschnitten nur mit einem Verlust von 4.500 aus 6.500 Arbeitsplätzen bei den 300.000 Zuckerrübenanbauern in Europa rechnet, zeichne sie ein viel zu rosiges Bild von den zu erwartenden sozialen Folgen der Reform der Marktordnung. Nach den Erfahrungen aus anderen Sektoren ist zudem davon auszugehen, dass auf jeden Arbeitsplatz, der in der verarbeitenden Industrie verloren geht, 5 Arbeitsplätze indirekt in anderen Sektoren betroffen sind.

Betroffen sein werden von den Arbeitsplatzverlusten vor allem die ländlichen strukturschwachen Regionen, in denen die Arbeitslosigkeit schon jetzt sehr hoch sei. Betroffen sein werden vor allem auch die Beitrittsländer Mitteleuropas wie Ungarn, Slowakei und vor allem Polen, das zur Zeit noch fast genauso viele Zuckerfabriken und Beschäftigte hat wie der Rest Europas. Diese Länder müssten sich auch betrogen fühlen, wenn sie jetzt nicht die Quoten bekommen werden, die man ihnen in den Verhandlungen mit der EU zugesagt hatte.

EFFAT erwartet von der Kommission folgendes:

1) Die Kommission sollte eine Untersuchung in Auftrag geben, die die Folgen der verschiedenen Optionen für die zukünftige Zuckermarktordnung auf die Beschäftigung analysiert;

2) Die Kommission muss in den WTO Verhandlungen dafür sorgen, dass die europäische Zuckerindustrie eine wirtschaftliche und soziale Zukunft hat;

3) Der bevorstehende Wandel der Marktordnung muss sozialverträglich gestaltet werden. Deshalb muss den Unternehmen ausreichend Zeit für die Bewältigung der Personalprobleme gegeben werden. Ausserdem müsse die Kommission für die Regionen, in denen Arbeitsplätze verloren gingen, ein Konversionsprogramm und einen entsprechenden Fonds vorsehen, der den betroffenen Arbeitnehmern neue beschäftigungspolitische Perspektiven bietet.

4) Die Sozialpartner EFFAT und CEFS werden der Ministerratstagung im Dezember eine gemeinsame Stellungnahme vorlegen.

5) Die Sozialpartner erwarten von der Kommission, dass sie frühzeitig in alle Diskussionen eingebunden und rechtzeitig konsultiert werden.

(Vgl. Meldungen vom 2003-09-25 und 2003-09-24.)

Source: EFFAT-Pressemitteilung vom 2003-11-19.

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