6 Januar 2006

Dr. Schütte (FNR): 2005 war Boom-Jahr für nachwachsende Rohstoffe

2005 war ein Boom-Jahr für den Anbau von Biomasse zur Nutzung als Biokraftstoff und Werkstoff sowie zur Wärmegewinnung. Die Anbaufläche in Deutschland sei alleine in diesem Jahr um etwa 40 Prozent auf rund 1,4 Millionen Hektar gewachsen, sagte der Geschäftsführer der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR/Gülzow), Andreas Schütte, in einem dpa-Gespräch.

“Bei zwölf Prozent der Gesamtfläche kann man nicht mehr von einer untergeordneten Bedeutung für die Landwirtschaft und die verarbeitende Industrie sprechen”, sagte Schütte.

Einen besonderen Aufwärtstrend habe es beim Biokraftstoff gegeben, vor allem beim Biodiesel. “In diesem Jahr wurden rund zwei Millionen Tonnen produziert, 2006 liegen wir dann bereits bei 2,9 Millionen Tonnen”.

Damit werde das EU-Ziel von zwei Prozent am gesamten Kraftstoffverbrauch, der in Deutschland bei 58 Millionen Tonnen liege, deutlich überschritten. Neben Biodiesel wurden auch 500.000 Kubikmeter Bioethanol hergestellt, das normalem Otto-Benzin beigemischt werden kann.

Schütte sprach sich gegen die von der Bundesregierung geplante Besteuerung von Biodiesel aus. Die Folge wäre, dass Biosprit dann nicht mehr konkurrenzfähig wäre, die Produktionsanlagen schließen müssten und der Rapsabsatz zusammenbrechen würde. “Es kann nicht sein, dass eine Entwicklung, die über Jahre politisch gefördert wurde, mit einem Federstrich beendet wird”, sagte er.

Eine deutliche Zunahme gab es 2005 auch im Bereich Biogas. “Zum Jahresende stehen 2.500 Biogasanlagen, davon wurden rund 800 in diesem Jahr gebaut.” Die Gesamtleistung bezifferte Schütte auf 380 Megawatt.

Bei der Wärmeproduktion sorgte der Preisanstieg bei fossilen Brennstoffen für einen Nachfrageschub nach Holzheizungen. “Die Hersteller von Heizkesseln, die mit Holzscheiten oder Pellets befeuert werden, kamen mit der Produktion kaum nach.”

Doch nicht nur die Energie, die in nachwachsenden Rohstoffen steckt, wird laut Schütte zunehmend genutzt, auch der Einsatz als Werkstoff werde immer attraktiver.

“Die chemische Industrie setzt heute zwölf Prozent Bio-Grundstoffe ein, das ist doppelt so viel wie noch Mitte der neunziger Jahre.” Verwendet würden sie unter anderem zur Herstellung von Tensiden für Waschmittel oder für Schmierstoffe. Schütte schätzt, dass die Herstellung und Verarbeitung von Biomasse inzwischen 40.000 bis 50.000 Arbeitsplätze sichert.

Die Fachagentur betreut im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums die Erforschung, Entwicklung und Markteinführung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen, leistet Verbraucherinformation und knüpft auf europäischer Ebene Netzwerke.

Source: dpa-Meldung vom 2005-12-29.

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