22 Januar 2008

DLG und KWF sehen neue Dynamik der Forstwirtschaft

Klimawandel rückt Fichte und Kiefer zu Leibe

Die Forstwirtschaft befindet sich gegenwärtig in einer sehr komfortablen Situation: Sie stellt ein Produkt bereit, das sehr begehrt ist und dies auf absehbare Zeit auch bleiben wird. Mit diesen Worten eröffnete Dr. Ute Seeling, die Geschäftsführerin des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) ein gemeinsam mit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) durchgeführtes Forum im Rahmen der DLG-Wintertagung im westfälischen Münster.

Die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe in Deutschland habe sich daher in letzter Zeit erheblich verbessert, betonte Dr. Seeling. Viele Forstbetriebe hätten nach einer längeren Durststrecke wieder Erträge erwirtschaften können. Man könne daher durchaus von einer neuen Dynamik in der Forstwirtschaft sprechen.

Klimawandel wird insbesondere Fichte und Kiefer zusetzen
Dr. Christian Kölling von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising ging auf die Waldbewirtschaftung im Zeichen des Klimawandels ein. In seinem Vortrag stellte er fest, dass durch den Klimawandel in weiten Teilen Deutschlands weniger Niederschläge fallen und diese zunehmend außerhalb der Vegetationszeit. Auch komme es in einigen Gebieten Deutschlands zu einem Temperaturanstieg, vor allem in den Sommermonaten. Dadurch würden sich die Standortbedingungen besonders für die Fichten und Kiefern verschlechtern, die für die Waldbauern die Hauptbaumarten darstellen. Dr. Kölling betonte, dass es für die Fichten kaum noch Standorte in Deutschland geben wird, auf denen sie eine ausreichende Wasserversorgung vorfinden. Ihre Anfälligkeit gegenüber Borkenkäfern werde deshalb weiter zunehmen. Selbst die Kiefer, bisher als Baumart mit geringen Ansprüchen an Wasser und Nährstoffe bei den Waldbesitzern beliebt, wird ein großer Verlierer des Klimawandels sein, weil sie voraussichtlich nicht an den starken Temperaturanstieg angepasst ist, betonte Dr. Kölling. Er erwartet daher ein stärkeres Auftreten von Wachstumsstörungen und eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Schädlingen. Daher empfiehlt der Forstexperte, vermehrt die Baumarten Buche, Bergahorn, Esche und Weißtanne anzubauen.

Große Nachfrage aus der Holzindustrie
Dr. Wilhelm Vorher vom Deutschen Holzwirtschaftsrat (DHWR) in Wiesbaden skizzierte in seinem Beitrag die neue Dynamik in der Forstwirtschaft aus Sicht der Holzindustrie, die derzeit und künftig viel Holz benötigt. In Deutschland gebe es aufgrund eines grundlegenden Strukturwandels in den letzten 15 Jahren eine profitable und leistungsfähige Säge-, Holzstoff- und Zellstoffindustrie. Dr. Vorher prognostizierte einen jährlichen Anstieg in Höhe von fünf Prozent für die Nachfrage nach Rohholz in Deutschland. Daher könne auch künftig mit hohen Holzpreisen gerechnet werden. “Der Trendwechsel ist da!”, betonte er, und meinte damit den seit zwei Jahren zu verzeichnenden stetigen Anstieg der Holzpreise. Den von Dr. Kölling favorisierten Baumarten sagte er eine hohe Nachfrage voraus, weshalb Waldbesitzer ruhig die Nadelreinbestände in stabile Mischbestände umwandeln sollten. In Zukunft wird durch die Holzverknappung jede Baumart zu verkaufen sein, beruhigte Vorher die anwesenden Waldbesitzer.

Mit moderner Technik Effizienzpotenziale heben
Einen dritten Aspekt der Dynamik in der Forstwirtschaft umriss Ralf Dreeke von der Firma Wahlers Forsttechnik aus Uffenheim (Unterfranken). Die rasante Entwicklung der maschinellen Holzernte mit Harvestern und des Holztransportes mit Forwardern sei bisher durch immer größere und effizienter wirtschaftende Maschinen gekennzeichnet. So bewältige ein Harvester heute eine Arbeitsleistung von 20 m3 in einer Stunde, wohingegen Forstwirte vor 20 Jahren in der gleichen Zeit gerade einmal einen oder zwei Kubikmeter aufarbeiten konnten. Zukünftig, so Dreeke, werde die technische Entwicklung aber nicht in Richtung immer größerer Maschinen mit höherer Motorleistung gehen, sondern hin zu einer intelligenten Vernetzung des Kunden einerseits und dem Produzenten andererseits. Für den Forstfachmann findet mit der GPS-Technologie, der zeitgemäßen EDV und einer besseren Ausbildung der Maschinenführer eine Wertoptimierung bei der Aushaltung statt. Damit können die Waldbesitzer höherwertige Sortimente verkaufen. Die besondere Herausforderung werde nach Meinung von Dreeke darin bestehen, die zunehmend virtuellen Aufarbeitungs- und Logistiksysteme so zu gestalten, dass Waldbesitzer die Arbeiten kontrollieren und steuern könnten. Den Waldbesitzern und den forstlichen Zusammenschlüssen empfahl er, durch die Anwendung der modernen Techniken Effizienzpotentiale in den Forstbetrieben zu heben, um mehr Geld mit der Forstwirtschaft zu verdienen. Oftmals lassen Waldbesitzer Bäume rund 100 Jahre wachsen, um den Erlös durch unrationelle Holzerntemethoden unnötig zu schmälern, so Dreeke`s Fazit.

Kontakt
Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)
Dr. Frank Setzer
Tel. 069-247 88-323
Fax: 069-247 88-114
E-Mail: [email protected]

(Vgl. Meldung vom 2007-12-17.)

Source: Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Pressemitteilung, 2008-01-21.

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