18 Februar 2009

DLG / KWF: Kurzumtriebsplantagen – quo vadis?

Hemmnisse bei der Entwicklung von Kurzumtriebsplantagen

Auf dem zweitägigen Energieholzkongress, den die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) gemeinsam mit dem Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) am 11. und 12. Februar 2009 in Berlin ausgerichtet haben, wurden die Erfahrungen beim Anbau von Kurzumtriebsplantagen im Ausland und die Hemmnisse für die Entwicklung in Deutschland diskutiert.

Die Teilnehmer und Referenten waren sich einig, dass Holz aus der Plantage eine unverzichtbare Ergänzung zum Wald- und Sägerestholz sein wird. “Nur so können die Ziele der EU-Mitgliedsstaaten im Bereich der Klima- und der Energiepolitik erreicht werden”, so Dr. Jörg Wendisch, Abteilungsleiter Ländlicher Raum im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Aber auch die holzverarbeitende Industrie kann durch das zusätzliche Holz zuverlässig mit Rohstoffen versorgt werden, wie Dr. Björn Seintsch vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) feststellte. Er plädierte für mehr Weitsicht in der Diskussion, indem Kurzumtriebsplantagen nicht nur mit energetischer Verwendung gleichgesetzt werden, sondern auch die stoffliche Nutzung betrachtet wird.

Roland Beck von der Europäischen Kommission erläuterte, dass in Europa etwa 26 Mio ha landwirtschaftlicher Fläche mit Energiepflanzen (darunter auch Kurzumtriebsplantagen) bestockt werden müssten, um die Erwartungen hinsichtlich des Biomasseanteils am Gesamtenergiemix erfüllen zu können. Flächen in dieser Größenordnung bereitzustellen, sei sehr ambitioniert, zumal im Jahr 2007 nur für 17.000 ha Kurzumtriebsplantagen die Energiepflanzenprämie beantragt wurde. Darüber hinaus haben nur fünf Länder in ihren Entwicklungsprogrammen für den ländlichen Raum quantitative Ziele für den Anbau von Kurzumtriebsplantagen formuliert, darunter Ungarn mit 50.000 ha und England mit 47.500 ha. Interessant sei, dass die Möglichkeit zur Förderung der Kurzumtriebsplantagen nach der VO (EG) 1698/2005 nur von 21 von insgesamt 88 Entwicklungsprogrammen für den ländlichen Raum berücksichtigt wurden.

Florian Schöne vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) stellte aus Sicht des Naturschutzes die positiven Wirkungen von Kurzumtriebsplantagen dar. Nach seinen Angaben erhöhen Kurzumtriebsplantagen in ausgeräumten, intensiv genutzten Landschaften die biologische Vielfalt für die Pflanzen- und Tierwelt. Von Naturschutzseite werden Kurzumtriebsplantagen hingegen auf den Standorten mit hohem naturschutzfachlichem Wert abgelehnt. Berücksichtigt man diese Einschränkungen, könnten nach Ansicht von Schöne in Deutschland immer noch bis zu 1 Millionen Hektar für Kurzumtriebsplantagen zur Verfügung stehen.

Ein zwiespältiges Urteil zur Entwicklung von Kurzumtriebsplantagen fällte Gerd Krieger vom VDMA Power Systems. Die Industrie hat in den vergangenen Jahren ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Bereich Holzenergie drastisch erhöht, so dass heute moderne Anlagen für die energetische Nutzung von Holz zu Verfügung stehen. Entwicklungshemmnis sei derzeit aber die unsichere Versorgung mit Hackschnitzeln, die viele potenzielle Anlagenbetreiber vor größeren Investitionen zurückschrecken lässt und damit auch den Anlagenbau beeinträchtigen. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, um dieses neue Geschäftsfeld zu entwickeln.

Ebenfalls kritisch gesehen wurden von mehreren Referenten die gesetzlichen Grundlagen zum Anbau von Kurzumtriebsplantagen. Dr. Jörg Schweinle vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) stellte heraus, dass Kurzumtriebsplantagen nach aktueller Rechtslage Wald im Sinne des Bundeswaldgesetzes darstellen und damit das Forstrecht anzuwenden sei. Inwiefern abweichende Landesregelungen dieses aufheben können, ließ er offen, weil derzeit noch keine gerichtliche Überprüfung dieser Regelungen existiert. Da Landwirte aber wenig Interesse haben, landwirtschaftliche Fläche in Wald umzuwandeln, ist eine Novellierung des Bundeswaldgesetzes dringend erforderlich. So können Rechtssicherheit für die Grundeigentümer geschaffen und Impulse für den Anbau von Kurzumtriebsplantagen gegeben werden.

Die Erfahrungen aus Dänemark, Polen, Schweden und Italien zeigen eines: Größtes Hemmnis für die Entwicklung von Kurzumtriebsplantagen ist die geringere Rentabilität im Vergleich zur ackerbaulichen Nutzung. In allen diesen Ländern gibt es deshalb Förderprogramme, die entweder von den Versorgern, den Betreibern von Biomassewerken oder direkt vom Staat finanziert werden. Dadurch werden entweder Zuschüsse für die Anlage von Kurzumtriebsplantagen gezahlt oder höhere Preise für die Hackschnitzel. Die Referenten zeigten, dass nur durch diese Förderung die Landwirte Interesse an dem Anbau von Kurzumtriebsplantagen entwickelt haben. Durch diese Unterstützung konnten Leuchtturmprojekte initiiert und Erfahrungen beim Anbau gesammelt werden.

Besonders in Italien und in Polen wurde zusätzlich die Züchtung geeigneter Sorten intensiviert, so dass heute leistungsfähige und standortangepasste Pappelklone zur Verfügung stehen. Dass in Deutschland unter diesem Blickwinkel erheblicher Nachholbedarf besteht, betonte Dr. Martin Hofmann vom Kompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe (HeRo). Er stellte fest, dass es bisher in Deutschland keine vergleichenden Untersuchungen über das Zuwachsverhalten und die Ertragsleistung verschiedener Pappelklone gibt und die bestehenden Pappelklone sehr alt und anfällig gegenüber Schaderregern sind. Neben den geeigneten Baumarten und Klonen hat aber auch die Wasserverfügbarkeit des Standorts einen wesentlichen Einfluss auf die Rentabilität einer Plantage, und damit für die Attraktivität für den Landwirt, so dass diese Beziehungen in einem aktuellen Forschungsprojekt untersucht werden.

Wie kann die Entwicklung von Kurzumtriebsplantagen in Deutschland nun vorangetrieben werden? Die Referenten und Teilnehmer waren sich einig, dass dringend eine finanzielle Förderung erforderlich ist. Würde die öffentliche Hand beispielsweise jeden zusätzlich angelegten Hektar einer Kurzumtriebsplantage pauschal mit 1.000 Euro unterstützen, könnte die derzeit vorhandene Fläche von über 1.000 ha vermutlich verdoppelt werden. Und das mit einem Mitteleinsatz von nur 1 Million Euro! Dadurch würden Arbeitsplätze im ländlichen Raum und dringend notwendige Leuchtturmprojekte geschaffen. Überdies würden mehr Versorger die bestehenden Anlagen auf Biomasse umrüsten, da dann die Rohstoffversorgung gewährleistet wäre. Letztlich könnten durch die Anschubfinanzierung funktionierende Märkte in allen Stufen der Wertschöpfungskette entstehen.

Uneins blieben die Teilnehmer indes bei der Frage, welche Rotationsperioden angestrebt werden sollten. Die Hersteller der Erntetechnik sind für die Weiterentwicklung der Prototypen auf die Information angewiesen, ob tendenziell eher Ruten geerntet werden sollen – dafür wären (Anbau-)Häcksler geeignet – oder ob es um die Ernte schwacher Stämme geht – dann ginge die Entwicklung eher in den Bereich der Forsttechnik.

Kontakt
Dr. Frank Setzer (DLG)
Tel. 069-247 88-323
E-Mail: f.setzer@dlg.org

Dr. Ute Seeling (KWF)
Tel.: 06078-785-21
E-Mail: ute.seeling@kwf-online.de

Weitere Informationen
Ausgewählte Vorträge des Energieholzkongresses in Kürze unter www.dlg.org oder www.kwf-online.de

Source: Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)"[www.dlg.org], Pressemitteilung, 2009-02-16.

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