20 Juli 2006

Die Biokraftstoff-Experten informieren: Biodiesel – aktuelle Trends

Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen von Biokraftstoffen und der technische Fortschritt stellen derzeit zwei nicht zu unterschätzende Einflussgrößen für die Entwicklung des Biodieselmarktes in Deutschland dar. Der land- und forstwirtschaftliche Bereich als Biokraftstoffproduzent und -nutzer wird von diesen Größen ebenso tangiert wie die Endverbraucher im Automobilbereich.

Die steuerliche Begünstigung von Biodiesel und Pflanzenöl wird ab dem 1. August 2006 bis 2012 in Stufen verringert, wie es der Deutsche Bundestag im entsprechenden Energiesteuergesetz verabschiedet hat, welches am 7. Juli den Bundesrat passierte. Die in der Land- und Forstwirtschaft verwendeten Kraftstoffe Biodiesel und Rapsölkraftstoff bleiben bis 2012 von der Mineralölsteuer befreit.

Wirtschaftsbereiche außerhalb der Land- und Forstwirtschaft könnten dagegen negative Folgen der Steuererhöhung zu spüren bekommen. Aufgrund der nun geltenden Steuersätze für Biodiesel von 0,09 EUR/L ab 01.08.2006 wird sich der Preisunterschied zu fossilem Diesel verringern. Der Steuersatzes wird jährlich um 0,06 EUR/l ab 2008, bis auf den maximalen Betrag von 0,45 EUR/L im Jahr 2012 steigen. Allerdings kann vor allem die Entwicklung des Erdölpreises für eine Erhaltung der Preisdifferenz und damit für die Attraktivität des Reinkraftstoffes Biodiesel sorgen.

Die Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel e.V. (AGQM) beobachtet mit großer Sorge, dass unter dem bestehenden Kostendruck im Speditionsgewerbe teilweise schon jetzt Biodiesel mit mangelhafter Qualität als besonders “preiswerter” Kraftstoff eingekauft wird.

Der vermeintliche Kostenvorteil kann sich allerdings nach einiger Zeit als Bumerang erweisen: Der durch unzureichende Kraftstoffqualität ausgelöste Ausfall von Komponenten im Kraftstoffversorgungssystem oder bei der Abgasnachbehandlung zieht kostspielige Reparaturen nach sich. Diese Schäden sind nicht durch Herstellergarantien abgedeckt, wenn bei der Untersuchung von Schadensfällen ermittelt wird, dass der Biodiesel nicht die Anforderungen der DIN EN 14214 erfüllt hat.

Trotz der zu erwartenden Preiserhöhung von Biodiesel gehen Experten davon aus, dass dieser in Reinform vor allem bei der Verwendung im Transportsektor und im land- und forstwirtschaftlichen Bereich eine Zukunft hat. Dort gibt es im Gegensatz zum PKW-Bereich, wo der vermehrte Einbau von Rußpartikelfiltern in Diesel betriebenen Pkws einer Freigabe oft entgegenwirkt, Freigaben ab Werk für die Verwendung reinen Biodiesels. Im LKW-Bereich hat der Einsatz des Ad-Blue Systems dazu geführt, dass problemlos die Emissionsstufe 5 eingehalten werden kann. Schlepper ohne Biodieselfreigaben sind eher die Ausnahme.

Insgesamt wird die Zielvorgabe der EU, die Steigerung des Anteils der im Verkehr eingesetzten Biokraftstoffe bei Diesel und Benzin auf 5,75% (Energieanteil) bis zum Jahr 2010 zu erreichen, insbesondere über den Weg der Beimischung zu erreichen sein. So sind Mineralölkonzerne durch das Energiesteuergesetz ab 2007 zur Beimischung von 5% (Volumenanteil) Biodiesel und ab 2010 von 10% (Volumenanteil) zu fossilem Diesel verpflichtet. Ein Argument für das weitere Bestehen des Biodiesels als Reinkraftstoff bieten die Mineralölkonzerne selbst, indem sie für die geplante Zumischung wie angekündigt eine unangemessene Preiserhöhung von 0,03 bis 0,04 EUR/l realisieren wollen.

Vor allem dezentrale Anlagen zur Biodieselherstellung mit regionalem Rohstoffbezug können zukünftig eine stärkere Unabhängigkeit von der globalen Erdölpreisentwicklung sicherstellen und gleichzeitig die regionalen Wertschöpfungskreisläufe stärken.

Die Pressemitteilung erfolgt im Rahmen des von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) geförderten Projektes zur Schulung, Beratung und Information von Land- und Forstwirten zum Thema biogene Kraftstoffe mit dem Schwerpunkt Rapsölkraftstoff und Biodiesel (FKZ 22013205). Weitere Informationen finden Sie unter www.biokraftstoff-portal.de. Detaillierte aktuelle Informationen zu den Fördermöglichkeiten der FNR zum Themenbereich “Biokraftstoffe in der Landwirtschaft” finden Sie unter www.bio-kraftstoffe.info.

Kontakt
nova-Institut GmbH
Michael Karus (v.i.S.d.P.)
Goldenbergstr. 2
50354 Hürth
Tel.: +49(0)-2233-94 36 84
email: contact@biokraftstoff-portal.de
www.biokraftstoff-portal.de

Source: nova-Institut vom 2006-07-20.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email